Es war nicht immer selbstverständlich, dass man sich - so wie heute - in den Sommermonaten in die kühlenden Fluten eines Schwimmbads oder Badeweihers stürzen konnte. Von einem besonderen Rechtsfall aus Herzogenaurach bezüglich des Nacktbadens berichten Aufzeichnungen von vor 160 Jahren, festgehalten in den Unterlagen des Stadtarchivs Herzogenaurach. Zu allem Überfluss kam damals auch die Polizei ins Gerede.

Was war passiert? Ein Herr Lippert, "Advokat" (also Rechtsanwalt im heutigen Sinn), beschwerte sich beim "wohllöblichen Stadtmagistrat" über die "freche Herzogenauracher Jugend" und den städtischen Polizeidiener Walz. Hintergrund seiner Beschwerde war die Tatsache, dass sich Lippert im Sommer gerne im kühlen Wasser der Aurach nackend erfrischte, und zwar in einem hölzernen Badehaus unterhalb der Stadtmühle.

Lippert berief sich darauf, dass der Schreinermeister Biermann dieses Haus bei seiner Wiese an der
Aurach errichtet hatte, "wo es der Öffentlichkeit nicht möglich ist, jemandem beim Baden zuzusehen". Als er eines schönen Tages sich einmal mehr im Badehaus an der Aurach "wässerte", beobachtete ihn eine "Horde von 15 bis 20 Knaben", die sich hinter den Weiherbüschen am Ufer versteckt hatten (heute würde man sie als "Spanner" bezeichnen!).

Zu diesem "schändlichen Verhalten" hatte nach Meinung Lipperts ein Herr "N.N." "die dortige freche Jugend der Mühlgasse angestiftet", ihm nachzuschleichen, um ihn beim Baden zu beobachten.

Über den Herrn "N.N." äußert sich Lippert folgendermaßen: "... der hiesige Herr ,N.N.', der lieber seine weite Gurgel - als seinen Körper im Fluss badet - und der ein gar pfiffiger Kunde, aber von übler Gemütsart, seit langer Zeit hinterrücks mir Uebels zuzufügen sich bemüht", hat die freche Jugend der dortigen Vorstadt bemüht, ihm nachzuschleichen, wenn er wieder zum Baden geht. Als er aus dem Wasser stieg und sich abtrocknete, sah Lippert die freche Meute davonrennen.


"Der Jugend ein Ärgerniß"

Zu allem weiteren Übel wagte es der hiesige Polizeidiener Walz, "der schon lange Zeit das Wirtshaus des Bierbrauers Fröhlich dahier zum Schauplatz seiner rhetorischen Fähigkeit erwählt hat, über mich zu schimpfen und darüber loszuziehen, dass ich durch mein Baden in einem offenen Flusse, der hiesigen Jugend ein Ärgerniß gebe". Und Lippert ergänzt, dass es wohl seitens des Magistrats (Stadtrats) angebracht sei, gegen das Geschwätz des Walz wie auch gegen die Anstiftungen des Herrn N.N. vorzugehen.

Gleichzeitig bat Lippert die Stadtväter um Folgendes: Erstens: "Dem Polizeidiener Walz seine frechen und ungeziemenden Aussagen in öffentlichen Wirtshäusern streng zu verweisen .... und bei ernster Strafe für die Zukunft zu verbieten"; Zweitens: "Anstalt zu treffen, dass wieder ein Badhaus in die Aurach gebaut werde, in welchem Männer und Frauen in abgesonderten Räumen gegen ein geringes Eintrittsgeld im Flusse baden können"; und letztlich "durch Bezeichnung und Herstellung eines sicheren Badeplatzes in der Aurach diesem dringenden Bedürfnis für die Reinheit und Gesundheit der hiesigen Einwohner ... noch im gegenwärtigen Sommer abzuhelfen".

Und wie die Geschichte ausgegangen ist, erfahren unsere Leser demnächst.