Ein neues Gewerbegebiet sollte ausgewiesen werden, stand damals im Amtsblatt. "Das konnte ich nicht so ganz nachvollziehen", erinnert sich der Adelsdorfer Claus Göbel. "Brauchen wir das wirklich? Gibt es nicht schon genügend Gewerbeflächen?" - Diese Fragen stellten sich ihm damals. Und er stellte sie dem Bürgermeister - per Chat. "Das war super. Ich bekam sofort eine Antwort, konnte Rückfragen stellen, bekam wieder eine Antwort, solange bis meine Fragen geklärt waren. Dann war ich als Adelsdorfer Bürger wieder ein Stück schlauer."

Meinungen und Fragen hören

Den Bürgermeister-Chat gibt es seit rund drei Jahren. "Heutzutage muss man in den digitalen Medien präsent sein", erklärt Bürgermeister Karsten Fischkal (FW). "Die Idee des Chats hat mir zugesagt, weil sie die Möglichkeit einer direkten sachlichen Diskussion bietet." Einmal im Monat loggt Fischkal sich deshalb in seinen Chatroom ein, um Fragen zu beantworten und Meinungen zu hören. Die Themen, die die Nutzer aufbringen, seien dabei ganz unterschiedlich.

"Einer möchte vielleicht wissen, wie es um die Planungen zu einem neuen Baugebiet steht, ein anderer wie hoch Gartenzäune sein dürfen." Auch ganz allgemeine Fragen werden gestellt. "Etwa, was gerade so ansteht in der Gemeinde." Ab und an gibt es auch Chat-Termine zu bestimmten Themen. "Etwa als es darum ging, ob eine Kinderkrippe an die Schule angebaut werden soll."

Sprechstunde und Diskussion

Claus Göbel hat die virtuelle Sprechstunde schon oft genutzt. "Es ist toll, dass es einen festen Termin gibt, zu dem man alles anschneiden kann, was einen interessiert. Es gibt ja oft auch Sachen, die sind nicht so dringend, dass man den Bürgermeister gleich anrufen und ihn in seiner Arbeit unterbrechen will. Der Chat ist dafür genau richtig." Und er ist nicht nur Sprechstunde, sondern auch Diskussionsrunde. "Das ist ja nicht nur ein Gespräch zwischen zweien, wie bei einem Telefonat. Jeder im Chat kann seine Meinung zu einem Thema abgeben, oder vielleicht selbst gleich etwas fragen, das ihm dazu einfällt", sagt Fischkal. "So bekommt man mit, was die Menschen so interessiert und bewegt."

Auch andere Gemeinden haben sich schon am Bürgermeister-Chat versucht. "Wir hatten so etwas vor ein paar Jahren mal ausprobiert", erzählt Ludwig Wahl, Bürgermeister von Röttenbach. "Es wurde aber nicht gut angenommen. Vielleicht war damals die Zeit noch nicht reif." Wahl ist stattdessen in sozialen Netzwerken aktiv. "Wir haben eine Facebookseite, auf der wir regelmäßig Informationen, Bilder und Videos posten." Auch wer nicht bei Facebook registriert ist, kann die Seite nutzen, da sie auch über die Internetseite der Gemeinde angesteuert werden kann. "Hier können die Bürger ebenfalls mit uns in Kontakt treten, Kommentare oder Fragen posten", so Wahl.

Lieber Chat als Facebook

Fischkal hat sich gezielt für den Chat und gegen Facebook entschieden. "Bei Facebook kann es vorkommen, dass unpassende Kommentare oder Ähnliches auflaufen, die man nicht unbedingt kontrollieren kann." Beim Chat dagegen sei es ihm als Moderator möglich, in Diskussionen einzugreifen und Nutzer auszuschließen, falls sie sich daneben benähmen. "Das ist aber kaum nötig. Kommentare unter der Gürtellinie sind noch nicht vorgekommen."

Deutliche Meinungen würden aber durchaus geäußert - mit oder ohne Klarnamen. "Etwa die Hälfte der Nutzer gibt ihre Identität preis, die andere bleibt anonym", sagt Fischkal. Das Alter der Chat-Besucher schätzt er auf etwa 35 bis 50 Jahre. "Unter 30-Jährige sind nie dabei. Aber die kommen auch kaum zu Bürgerversammlungen." Auch die Generation 50plus ist kaum vertreten. "Die kommunizieren eher auf klassischem Weg, per Telefon, Fax oder Brief."

So funktioniert's

Der nächste Bürgermeister-Chat findet am 27. November um 18.30 Uhr statt. Um beim Chat dabei zu sein, muss man sich auf der Internetseite der Gemeinde Adelsdorfmit einem Benutzernamen und einem Passwort registrieren.