Viel auszusetzen an der Politik der Gemeinde haben die Neuhauser derzeit offenbar nicht. Jedenfalls verlief die Bürgerversammlung im Adelsdorfer Ortsteil überaus harmonisch. Kritik oder längere Debatten waren in der Versammlung Fehlanzeige. Bürgermeister Karsten Fischkal (FW) untermauerte seinen Vortrag mit vielen Zahlen, Fakten und Daten.

Fischkal (FW) ging auf einige noch laufende oder bereits abgeschlossene Projekte wie die beiden Baugebiete im Hauptort, die Bevölkerungsentwicklung oder die Bürgerentscheide zur Stadt-Umland-Bahn Erlangen und zum Adelsdorfer Schulsportplatz ein. "Sie sind legitim und der Beweis für eine gelebte Demokratie, aber jedes Jahr brauchen wir sie nicht, denn sie sind auch anstrengend."


Gemeinde wächst moderat


Mit dem Ausspruch "Bei uns kriegt jedes Männchen ein Weibchen" beleuchtete der Bürgermeister die
Bevölkerungsentwicklung. So sei Adelsdorf seit 1960 moderat gewachsen. Durch das Baugebiet "Reuthsee" sowie die Bebauung des Schulsportplatzes werde es einen kräftigen Ruck nach oben geben. Unmittelbar verbunden mit dem Zuzug junger Familien seien aber auch die Einrichtungen zur Kinderbetreuung. Fischkal verhehlte nicht, dass es in Adelsdorf ein Defizit an Plätzen gibt. So würden in den Neubau der Kinderkrippe 860 000 Euro investiert. Eine Erweiterung sei möglich.

Die Alterspyramide ist laut Gemeindeoberhaupt eine Herausforderung für die Kommunalpolitiker. Angesichts der Tatsache, dass die Menschen immer älter werden, müssten in Zukunft vermehrt barrierefreie Wohnungen gebaut werden. Auch in den Ortsteilen wolle er Bauland schaffen. Fischkal appellierte an die Zuhörer, freie und bebaubare Grundstücke zu melden, "damit junge Leute in den Orten bleiben und der demografische Wandel nicht allzu sehr spürbar wird".


"Kurzzeitige Schockstarre"


Die Gemeinde stehe vor weiteren Herausforderungen. So habe das Gutachten zur Sanierung des Schulgebäudes in Aisch Bürgermeister, Gemeinderat und Verwaltung angesichts der Kosten von rund drei Millionen Euro in eine "kurzzeitige Schockstarre" versetzt. "Was mit dem Gebäude geschehen soll, ist jetzt völlig offen. Der Gemeinderat wird sich intensiv damit beschäftigen", erklärte der Bürgermeister auf Nachfrage aus dem Publikum.
Die Pro-Kopf Verschuldung betrage derzeit 929,64 Euro, so Fischkal, und die solide Haushaltsführung habe einen geplanten Kassenkredit überflüssig gemacht. Gleichwohl stünden neben der Kinderkrippe weitere Investitionen an, etwa in den Kindergarten (320 000 Euro) oder in die Abwasseranlage (450 000 Euro).

Auch zum neuesten Stand der Park- und WC-Anlage an der Autobahn äußerte sich der Bürgermeister. "Sie wird in jedem Fall kommen", sagte er. Die alternativen Standorte in Hessdorf und Neuhaus würden gleichwertig geprüft. "Ich werde das Verfahren sehr kritisch begleiten."


Skepsis ist längst verflogen


Weitere Themen war das schnelle Internet, bei dem der Eigenanteil der Gemeinde nur 64 700 Euro beträgt. Auch das Thema Flüchtlinge und Asylsuchende sprach Karsten Fischkal an. Die Gemeinde bemühe sich, diese Leute angemessen unterzubringen und suche hierzu weiteren Wohnraum. Aktuell würden 32 Asylbewerber in der Gemeinde leben. Zweite Bürgermeisterin Jutta Köhler (SPD) ergänzte, dass die anfängliche Skepsis in der Bevölkerung inzwischen verflogen sei und sich die Adelsdorfer aktiv im Helferkreis einbringen."Die Integration dieser jungen Menschen wird gelingen, sie besuchen die Schule und sind sehr bemüht, ihre Deutschkenntnisse noch mehr zu verbessern", gab sich Köhler sehr zuversichtlich.


Kritik am Ende


Eine Kritik an Bürgermeister und Verwaltung gab es am Ende der Versammlung dann doch noch. Ein Bürger beklagte, dass die Flurbereinigungswege teils in einem sehr maroden Zustand sind. Er sagte voraus, dass sich im Winter aufgrund der Risse im Asphalt der Zustand noch mehr verschlechtern wird. "Das Problem ist uns schon bekannt. Auch andere Gemeinden beklagen die desolaten Flurbereinigungswege", erklärte der Bürgermeister. Sie seien wie auch einige Ortsverbindungsstraßen unter anderen Voraussetzungen gebaut worden und würden schlichtweg die schweren landwirtschaftlichen Maschinen und Traktoren nicht aushalten. Für eine umfassende Sanierung fehle einfach das Geld, aber der Bauhof bemühe sich, zumindest die größten Schäden zu beseitigen. "Mit dem Flickwerk müssen wir vorerst auskommen."

Am Ende gab es aber auch ein dickes Lob an den Bauhof, der im Zuge des Straßenausbaus in Neuhaus die Schieberkreuze der Wasseranschlüsse austauschte und der Gemeinde damit auch Geld sparte. "Die Männer haben super toll, sauber und schnell gearbeitet", sagte ein Bürger. Der Bürgermeister, versprach, dieses Lob an die Bauhofmitarbeiter weiterzugeben.