Am Ende der Verhandlung fragten sich Richterin Birgit Griem und Pflichtverteidiger Thomas Drehsen, ob es eine "richtige" Strafe geben könne. Abseits dieser rechtsphilosophischen Betrachtungen waren es vor allem die konkreten, bisherigen Strafen und andere Fälle, die die einjährige Haftstrafe für einen 26-Jährigen aus dem südlichen Landkreis Bamberg bestimmten. Doch damit ist der Fall noch nicht ganz beendet.

Der Mann war Mitte November vergangenen Jahres mit einem 16- und einem 18-Jährigen aus Adelsdorf zunächst in einen Baumarkt eingebrochen und hatte dort einen Winkelschleifer mit Diamanttrennscheibe und Akku-Zubehör gestohlen. Damit wollten die drei dann in Lonnerstadt einen Zigarettenautomaten aufflexen.

Zwei Versuche reichten nicht aus

Beim ersten Versuch, an das Geld des Automaten zu kommen, hatten die drei einen Nachbarn auf sich aufmerksam gemacht. Daraufhin floh das Trio, kam aber eine Dreiviertelstunde später wieder, um dem Ganzen noch einen Versuch zu geben. Der scheiterte nicht nur, auch wurden sie auf der anschließenden Flucht von der Polizei erwischt.

Weil der Angeklagte wegen ausstehender Bewährungsstrafen wahrscheinlich ein Strafmaß von mehr als einem Jahr zu erwarten hatte, wurde sein Fall ausgegliedert. Am Montag musste er sich vor dem Amtsgericht Erlangen verantworten.

400 Euro Sachschaden am Zigarettenautomaten

Das Diebesgut aus dem Baumarkt hatte einen Wert von etwa 140 Euro, hinzu kommt der Sachschaden von etwa 400 Euro am Zigarettenautomaten. Als Grund für den versuchten Diebstahl nannte der Angeklagte Schulden seiner Exfreundin von 600 Euro, die er zurückzahlen wollte. Das Geld forderten Drogendealer, so der 26-Jährige, die ihn bedroht und auch schon in ein Auto gezerrt hätten.

Verteidiger Drehsen hatte in seinem Plädoyer selbst darauf hingewiesen, dass es nicht schlecht gewesen wäre, wenn sein Mandant schon das Geld zurückgezahlt hätte. An dem Willen, das zu tun, hat der 26-Jährige in der Verhandlung keinen Zweifel aufkommen lassen - allerdings erst, wenn sein Gehalt überwiesen worden ist. Seine Probezeit hat er gerade beendet. "Ich werde den Schaden zurückzahlen und keinen Scheiß mehr machen", sagte der Angeklagte.

Waren das nun ein oder zwei versuchte Diebstähle?

Drehsen führte das Geständnis seines Mandanten ebenso an, wie dass er sich gleich zwei Tage nach der Tat der Polizei stellte. Ein Streitpunkt war die Frage, ob es sich bei dem versuchten Aufbrechen des Zigarettenautomaten um eine oder um zwei Taten handelte. Die Staatsanwältin bewertete die beiden Aufbruchversuche als jeweils eigenständig, sodass sich der Mann wegen Diebstahls und zweien statt nur einem versuchten Diebstahls verantworten musste.

Keine Drogen und keinen Alkohol

Zugutegehalten wurde ihm aber sein alkoholisierter Zustand. Zu dritt hatten die Diebe eine Flasche Wodka auf dem Weg von Höchstadt nach Lonnerstadt getrunken. Auch hatte der 26-Jährige Drogen genommen, wie er vor Gericht aussagte. Seitdem sei er aber clean und habe auch keinen Alkohol mehr getrunken.

Das alles und das Verhalten vor Gericht könnte dem Angeklagten durchaus strafmildernd angerechnet werden - wenn da nicht die Bewährung und andere Vorstrafen wären. Fahrlässige Trunkenheit, mehrfaches Fahren ohne Führerschein, Besitz von Drogen und Sachbeschädigung haben letztlich zu der Bewährungsstrafe geführt, gegen die der Angeklagte mit dem Einbruch und versuchten Diebstahls verstoßen hat.

Verteidiger gegen Bewährung

So forderte die Staatsanwältin letztlich ein Jahr und vier Monate ohne Bewährung, da der Mann die letzten Straftaten in einem recht kurzen Abstand begangen habe. Verteidiger Drehsen wollte auch keine Bewährung fordern, aber mit Einschränkung. "Ich spreche mich heute nicht für eine Bewährung aus", sagt er.

Drehsen kündigte an, in Berufung zu gehen und dann auf die zurückgezahlten Schäden, den Drogen- und Alkoholverzicht sowie die dauerhafte Arbeitsstelle einzugehen. In einigen Monaten würde das mehr Gewicht haben und vielleicht zu einer Bewährungsstrafe führen.

Richterin Griem sagte zum Angeklagten: "Trotz ihrer Vita habe ich gute Ansätze gesehen." Dennoch blieb ihr keine andere Wahl als das Strafmaß, das sie schon gesenkt hatte, nicht auf Bewährung auszusetzen. So kam es zu einer "richtigen" Strafe, die in der Berufungsverhandlung noch einmal "berichtigt" werden kann, wenn der Mann sich bis dahin recht verhält.