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Höchstadt a. d. Aisch
Abitur

Abitur und Corona: So gehen die Schüler in Höchstadt damit um

Die Prüfungen finden in diesem Jahr unter ganz besonderen Umständen statt. Wie sind die Schüler mit den Rahmenbedingungen, unter denen sie nun schreiben müssen, umgegangen?
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Um kurz vor 8 Uhr bevor die Prüfung begonnen hatte, sahen die Schüler des Höchstadter Gymnasiums noch entspannt aus. Fotos: Niklas Schmitt
Um kurz vor 8 Uhr bevor die Prüfung begonnen hatte, sahen die Schüler des Höchstadter Gymnasiums noch entspannt aus. Fotos: Niklas Schmitt
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Schon eine halbe Stunde vor dem offiziellen Ende der Abiturprüfung gehen Linus Hutzler und Leon Zimmer entspannt die Bergstraße hinunter. In den vergangenen fünf Stunden haben die beiden mit 60 ihrer Mitschüler die erste von drei schriftlichen Abiturprüfungen hinter sich gebracht. Entsprechend gelassen reden sie über die bearbeiteten Aufgaben. "Ich bin zufrieden", meint Hutzler.

Welche Verbindung gibt es zwischen Joseph von Eichendorff und Franz Kafka? Was sagt Arthur Schnitzler über Treue und Misstrauen? Lohnt sich Theater für ein junges Publikum? Das waren drei der fünf Themen, aus denen die Schüler eines zur Bearbeitung auswählen konnten.

Hutzler und Zimmer haben sich für die Gedichtanalyse entschieden. Die vier Strophen des Gedichtes "Entschluss" von Eichendorff sollten mit den zwei Sätzen, aus denen Kafkas "Der plötzliche Spaziergang" besteht, verglichen werden. "Ich fand das Gedicht ganz angenehm", sagt Zimmer, sein Freund ergänzt: "Der Vergleich war eigentlich das Schwierigste."

Austausch nach der Prüfung

Locker sitzen die Kameraden der beiden kurz nach der Prüfung in der Schule zusammen. Die Themen seien in Ordnung gewesen, sagen die einen, andere finden mit einem Schmunzeln, es hätte interessanter sein können. Jedenfalls ging die Zeit schnell vorbei.

Und davor? Wie war die Vorbereitung mit den besonderen Umständen der Corona-Krise? "Ich hätte es lieber schon früher hinter mir gehabt", sagt eine Schülerin nach der Prüfung. Aus der anderen Ecke heißt es: "Wir hatten weniger Vorbereitungsunterricht als die vorherigen Jahrgänge."

Das fiel beim Deutsch-Abi vermutlich weniger ins Gewicht als etwa für die am Dienstag anstehende Matheprüfung. Für Deutsch haben sich die Schüler noch einmal die Merkmale der Epochen angeschaut, in das ein oder andere Werk reingelesen - oder den Faust komplett - und vor allem die Aufsatzformen und deren Anforderungen gelernt. Von Verdruss ist dennoch nichts zu spüren.

Unsicherheit und Zuversicht

Vielleicht auch, weil die Situation für Schüler wie Lehrer gleichermaßen schwierig ist. "Am Anfang waren sie etwas verunsichert", sagt Schulleiter Roland Deinzer über die Wiederaufnahme des Unterrichts vor drei Wochen. "Das ist etwas, das uns alle verbindet." Ein wenig habe die Struktur gefehlt, meint Schüler Zimmer.

Diese Verbindung habe zu Zuversicht geführt, sagt Deinzer. Er spricht auch von einer gewissen Freude, dass es endlich losgegangen sei. Auch, weil es zuvor weiterhin eine gute Betreuung durch die Lehrkräfte gegeben habe.

Dadurch, dass schnell ein Ersatztermin für die Prüfungen gefunden wurde, konnte die Schule reagieren und die Schüler auch online vorbereiten. Etwas mehr Zeit zum Lernen stand so auch zur Verfügung. "Langfristig kann man sagen, dass die Pandemie zu einem digitalen Schub geführt hat", weitet der Schulleiter den Blick auf den Unterricht im Allgemeinen. "Wir haben aber auch gemerkt, dass Unterricht im Klassenraum unverzichtbar ist."

Die gestellten Aufgaben wurden angepasst. Der Stoff des letzten Halbjahres fiel aus den Anforderungen raus, weil sich manche Schüler im Lernen zu Hause leichter tun als andere. Darauf hat man Rücksicht genommen.

Von einer etwas seltsamen Stimmung spricht Norbert Schell, Schulleiter des Gymnasiums in Herzogenaurach. Dennoch sagt er: "Es läuft aber unter den gegebenen Rahmenbedingungen alles normal." Trotz der Bemühungen und dem durchdachten Ablauf betonen beide Schulleiter, dass sie die Situation, in der heuer das Abitur geschrieben wird, alles andere als günstig empfinden.

In Herzogenaurach haben gestern 120 Schüler ihre Prüfung gemeinsam in der Schulturnhalle geschrieben. Die Tische standen in entsprechendem Abstand bereit, Einlass gab es von drei Seiten, der aber wegen des Sicherheitsabstands eine halbe Stunde gedauert hat. In Höchstadt wurden die 62 Schüler auf fünf Klassenräume verteilt, weil die Sicherheit in der Aischtalhalle nicht zu gewährleisten gewesen wäre.

So scheinen die Abiturprüfungen, die kommenden Dienstag und Freitag fortgesetzt werden, gut abgelaufen zu sein - immer mit dem Vorsatz "den Umständen entsprechend". Nur eines fehlt: "Man will sich umarmen", sagen die Schüler in Höchstadt, und der Schulleiter in Herzogenaurach: "Man kann sich nicht in den Arm nehmen."