von unserem Mitarbeiter 
Klaus-Peter Gäbelein

Am 2. Februar ist Lichtmess. In der katholischen Kirche ist "Maria Lichtmess" ein Tag, der bis 1912 im Kalender als Feiertag angezeigt war. Aber nicht nur im Festtagskalender der Kirche, auch im bäuerlichen Leben war der Lichtmesstag bedeutsam. Es war der Tag, an dem früher die Dienstboten ihren Arbeitsvertrag verlängerten. Bis in die Nachkriegszeit gab es auf dem Land, vornehmlich im landwirtschaftlichen strukturierten Bayern, Mägde und Knechte, ohne die das bäuerliche Leben undenkbar gewesen wäre.
Christliches und Weltliches gaben sich an diesem Tag einmütig die Hand. Da ist einmal das überlieferte frühchristliche Brauchtum von "Maria Reinigung" am 40. Tag nach der Geburt des Erlösers und die "Darstellung" des Knaben im Tempel.
Die christliche Kirche hat zum Gedächtnis an den Anspruch des greisen Simeon, der das kleine Jesuskind "ein Licht zur Erleuchtung der Heiden" genannt hat, die Weihe des Lichts angeordnet. An diesem Tag der "Lichtmesse" weihte und weiht der Priester das für das ganze Jahr in Kirche und Haus benötigte Wachs.
Mit dem Lichtmesstag begann bei unseren Vorfahren das Leben am Bauernhof. Der "Winterschlaf" war beendet und es ging "nauswärts", das heißt, man besann sich wieder die eigentlichen Aufgaben am Hof und in der Flur. Schließlich konnte man ab dem 2. Februar wieder bei Tageslicht gewisse Arbeiten bei Tageslicht erledigen. Dass man auch noch nach 16 Uhr "An Lichtmess bei Tag zu Nacht ess(en konnte)" hat sich in Redensarten bis heute gehalten und man hat früher tatsächlich noch bei Tageslicht die Abendmahlzeit eingenommen.
Am Land in Franken war der Lichtmesstag vielerorts der "Schlenkel- oder Schlenkertag". Man schlenkerte da von einem Arbeitgeber, sprich von einem Bauern zum andern oder einfacher gesagt, man wechselte den Arbeitsplatz. Ein Handschlag genügte und man hatte seine neue Arbeitsstelle besiegelt.
Und dabei blieb es auch bis zum nächsten Lichtmesstag. Ohne Knecht und Magd, ohne fremde Angestellte oder "Dienstboten" hätte das Leben in der Landwirtschaft nicht funktioniert, denn mechanische und technische Hilfsmittel kamen kaum zum Einsatz. Peter Bucher, der singende Landwirt aus Hammerbach, Jahrgang 1938, erinnert sich, dass sein Onkel bis in die 50-er Jahre je einen Knecht und eine Dienstmagd beschäftigt hatte. "Der Peter ist inzwischen gestorben, aber die Anne lebt heute noch und ist inzwischen über 80 Jahre alt."
"Und in Hammerbach arbeiteten auf einem anderen Hof zwaa Maden (Mägde) und auch bei den Thomann war eine Magd beschäftigt. Sie verdienten 50 Mark im Monat, hatten Essen und Logis frei und bekamen unterm Jahr, zum Beispiel an der Kirchweih, und an Lichtmess zusätzlich Geschenke", weiß Bucher.
Von einem "guten Bauern" gab es manchmal ein Paar Schuhe, einen Kleiderstoff oder Wäsche und ein zusätzliches Taschengeld für die Arbeitskräfte in der Landwirtschaft. "Bei uns senn die Stoffe oder Geschenke von am 'Rumtroocher' kafft worn", erinnert sich Bucher. Als "Rumtroocher" bezeichnete man die Hausierer, die "fliegenden Händler".
Weil die Dienstboten um die Lichtmesszeit nicht nur Geld bekamen, sondern auch arbeitsfrei hatten, gab es in den größeren Orten die Lichtmessmärkte, damit man das Geld auch umsetzen und an den Händler bringen konnte. Vielerorts, so auch in der Hugenottenstadt Erlangen, wurde diese Tradition wieder belebt und am Schlossplatz gibt es für die nächsten Tage wieder den Lichtmessmarkt.
Der Lichtmesstag war früher auch im bäuerlichen Jahr ein Tag, an dem gewisse, teilweise niedere Arbeiten ausgeführt worden sind. Es wurde nicht immer nur gefeiert. "Nach dem Kirchgang wurde bei uns der Taubenschlag ausgemistet", sagt Bucher.