Das Wasser des Weihers ist tiefschwarz und scheint unendlich tief. Eingeweihte wissen, dass der Dechsendorfer Weiher allerdings gar nicht so tief ist. "Aber eben auch nicht so flach, wie manche meinen", erklärte Sören Brandmähl-Kraus. Der DLRGler steht auf dem Rettungsboot und schaut in Richtung von 14 Schwimmern, die sich inmitten des Weihers befinden. ...und das um 22 Uhr. Doch statt zu schimpfen, ruft Brandmähl-Kraus, dass die Kette der Schwimmer zu weit links sei.
"Das sind alles Rettungsschwimmer aus unserem Ortsverband und befreundeten Ortsverbänden." Diese bringen brennende Fackeln durch den Weiher zum Hauptufer, um dort den Holzstapel anzuzünden. Es ist Johannisfeuerzeit. Zusammen mit Peter Leonhard und einem weiteren Boot mit zwei Mann Besatzung stellen sie die Sicherheit für die Schwimmer her. Denn wie erwähnt ist eben nicht jede Stelle flach. Fünf Fuß 40 ist zwar der Durchschnitt, was gut 1,70 Meter entspricht, an verschiedenen Stellen ist der Weiher aber über zwei Meter tief. Nicht viel - Durchlaufen geht jedenfalls nicht.
Leonhard, der das Rettungsboot steuert, hält sich dezent im Hintergrund, die gut 1500 Besucher am Festplatz der DLRG sehen das Boot nur schemenhaft. Die Schwimmer wissen aber jederzeit, dass sie um Hilfe rufen können, denn es ist gar nicht so einfach, mit bis zu vier Fackeln in den Händen das gut 300 Meter entfernte Ufer zu erreichen.
Das Schwimmen ist der Höhepunkt der zweitägigen Festivität am Weiher. Am Abend zuvor hatte es Schlachtschüssel gegeben. Blut- und Leberwürste zur Eröffnung der Veranstaltung.
Am längsten Tag des Jahres wird natürlich Eigenwerbung betrieben. Die Kinder (und Erwachsenen) haben die Chance die Rettungsfahrzeuge anzuschauen, mit dem Boot quer über den künstlichen See zu brausen. Der benachbarte Segelclub nutzt die Chance vor Zuschauern zu kreuzen, was nicht immer der Fall ist.
In den Mittagsstunden wird dann immer heftig diskutiert: "Schwimmen sie oder nicht?" Denn einige Male hatte eine zu große Blaualgendichte dem Vorhaben ein Strich durch die Rechnung gemacht. Brandmähl-Kraus erklärt, dass dies auch der Grund sei, warum nur noch die Rettungsschwimmer durch den Weiher schwimmen. "Früher war auch der Nachwuchs dabei, nur das können wir heute nicht mehr machen."
An der Faszination hat dieser sehr einzigartige Weg zum Holz entzünden nichts verloren. Es scheint der olympische Gedanke zu sein, der hier zählt. Als die Schwimmer nach gut 20 Minuten am Ufer sind, wird sich um das Holz unter dem Applaus der Gäste aufgebaut. Ein kurzes Zurufen, ein Insider-Spruch und die Fackeln werden in den Stapel geschmissen.
In weniger als zwei Minuten steht dieser in Flammen. In nicht einer Stunde wird das Holz, was man bereits Tage zuvor gesammelt hatte, am Morgen mühevoll aufgeschichtet hatte, zu Asche verbrannt. Die Schwimmer selber sind schnell vom Feuer verschwunden. Die Duschen rufen, trotz Neopren wird sich aufgewärmt und von Algen befreit. Dann wird noch ein wenig Johannis gefeiert.