Mythen und Legenden ranken sich um das sagenumwobene Inselreich "Atlantis". Existierte es wirklich? Oder war es nie mehr als eine Utopie? Wer weiß. Für das Herzogenauracher Erlebnisbad "Atlantis" hingegen gilt: Es ist keine Utopie, es existiert seit 25 Jahren und bringt seitdem Badespaß für die ganze Familie. Für die Besucher und für die meisten jüngeren Herzogenauracher gehört das Freizeitbad einfach zu Herzogenaurach, als wäre es schon immer da gewesen. Für Bürgermeister German Hacker (SPD) ist das Atlantis ein wichtiger Standortfaktor. Die Besucherzahlen sprechen eine deutliche Sprache, nahezu 12 Millionen Gäste werden es in diesem Jahr werden, wie Bäder-Chef Jürgen Bauer bekanntgab.

Das Freizeitbad, das am 22. Juli 1989 eröffnet wurde, hat durchaus eine interessante Geschichte. Das Projekt wurde damals in Herzogenaurach über drei Jahre heiß diskutiert, als im Januar 1985 ein Planvorschlag im Stadtrat vorgelegt wurde. Geplant war ein Bad mit einem Sport- und einem Wellenbecken, es sollte rund 18 Millionen Mark kosten und 1988 eröffnet werden.

Der damalige CSU-Bürgermeister Hans Ort setzte sich mit seinen Vorstellungen durch. Er wollte Nägel mit Köpfen machen, was sich im Nachhinein als richtig erwies: Heute spricht man von einem Erfolgsmodell. Bei der Schlüsselübergabe am 22. Juli 1989 war von der ursprünglichen Planung nur noch ein Teil übrig geblieben. Dennoch kostete der Bau rund 27 Millionen, statt der geplanten 18 Millionen Mark.

Der Bau sorgte damals im Städtchen für viel Wirbel und war begleitet von heißen politischen Diskussionen. Die Gegner des Projektes beschmierten sogar das Rathaus und das Freibad mit Anti-Parolen. Gefordert wurde eigentlich ein neues Hallenbad für Schule und Sport, denn das 1958 errichtete Hallenbad an der Carl-Platz-Schule, hatte seine Kapazitätsgrenzen erreicht.

Die Diskussionen mit den Schwimmsportlern, insbesondere mit dem damaligen DLRG-Vorsitzenden Wolfgang Schneider, führten schließlich dazu, die ursprüngliche Planung komplett zu überdenken. Herausgekommen ist dabei ein Kompromiss, Sport und Spaß wurden unter ein Dach gebracht. So entstand ein Sauna-Dorf mit Außenbereich, ein 34 Grad warmes Außenbecken, eine Gaststätte und für die jungen Besucher entstand ein Wasserspielpark. Dort könne sie über Laufstege, Kletternetze, Kriechröhren und Wasserrutschen klettern. Im Kleinkindbereich kann gerutscht, geplanscht, gebaut und gespielt werden. Vor allem locken auch die 110 Meter "Black Hole" und die 126 Meter lange "Crazy River" Rutsche.

Dass ein Bad oder ein Erlebnisbad nicht nur aus Becken, Rutschen, Spielbereich und Wasserspielen besteht ist im Grunde verständlich, denn hinter alldem steckt jede Menge Technik. Davon konnten sich Bürgermeisterin Renate Schroff (SPD), Altbürgermeister Hans Lang (CSU), Stadträte und die ehemaligen Bäderchefs Wolfgang Schneider und Werner Philipp bei einem Rundgang überzeugen. Der stellvertretende Betriebsleiter Konrad Wagner und Jürgen Bauer führten die Besucher in die Katakomben des Freizeitbades. Ein fremder Besucher würde von selbst nur mehr schwerlich wieder ans Tageslicht finden. Ein für Laien undurchschaubares Gewirr an Rohren, Leitungen, Aggregaten, Lüftungen, Schaltschränken, Kabeln Filteranlagen und Pumpen halten das Atlantis am Laufen.

Was im Bad so einfach aussieht, wenn urplötzlich Wasser aus einem großen Eimer von oben kommt oder auf einmal eine Fontäne wie von Geisterhand los zischt, hat seine Ursache in den riesigen Kellerräumen unterhalb des Bades. Schließlich muss der Programmablauf des Bades ebenso funktionieren, wie die Wellenmaschine, Lüftung und Wasseraufbereitung sowie die Heizung der gesamten Anlage.

Durch die Attraktionen und ständigen Ertüchtigungen zählt der Herzogenauracher Atlantis nicht umsonst zu den beliebtesten Freizeitbädern in Franken. Für die Gäste der Führung war am Ende der zweistündigen Führung auch klar, dass eine solche Anlage für wenig Geld nicht zu haben ist und die größten Investitionen für den normalen Badegast überhaupt nicht sichtbar sind. Denn der Besucher erwartet ein sauberes Bad, in dem nicht einfach "nur" geschwommen werden kann, sondern er will auch Unterhaltung und Spaß.