Es ist Aschermittwoch, kurz nach elf Uhr am Vormittag. Oder soll man Morgen sagen? Der Sitzungssaal ist geöffnet, Tanja Jagemann hat Getränke und ein bisschen Gebäck vorbereitet, und auch ihr Chef ist schon da. Der, Bürgermeister German Hacker, blickt auf die Uhr. 11.05 Uhr. "Hoffentich kommen die auch." Das Stadtoberhaupt ist ausgeruht und entspannt. Ihn scheint der Fasching nicht weiter angegriffen zu haben.


Gemütlicher Spaziergang

Drei Minuten später der nächste Blick auf die Armbanduhr. "Die werden doch nicht verschlafen haben?" Dann der Blick aus dem Fenster und die erleichterte Feststellung: "Ah, da vorne sind schon ein paar."

Gemeint sind die Damen und Herren und Kinder vom Karnevalsclub Herzogenaurach (KCH), die im Zeitlupentempo durch den Schlosshof gen Rathaus-Eingang spazieren. Sie spielen die Rolle des müden Narren am Aschermittwoch hervorragend. Aber nicht nur deshalb lassen sie sich Zeit. Denn vor 11.11 Uhr tritt ein wahrer Narr seinen Dienst erst gar nicht an.

Als Vorsitzender Gerd Engert im Sitzungssaal dann zum Bürgermeister spricht, ist es bereits 11.12 Uhr. Aber nach 110 langen Tagen Fasching war ihm diese eine Minute Verspätung sicherlich gegönnt. Wenngleich Engert einräumte, dass es Kollegen im Verein gab, die diese Zeit tatsächlich komplett aktiv waren. Allein Sitzungspräsidentin Margit Bräunlein war bei Veranstaltungen von 17 Vereinen, wie sie sagte. Die Leistung der Narren rang auch dem Bürgermeister ein Lob ab. Immerhin habe die närrische Zeit diesmal fast ein Drittel des Jahres ausgemacht.


Junger Elferrat auf großer Bühne

Insgesamt war der KCH bei mehr als 30 Außenterminen in ganz Franken. Unter anderem auch in Veitshöchheim, wo einer aus dem Nachwuchs sogar als Elferrat auf der Bühne stehen durfte. Beim großen fränkischen Nachwuchs-Fasching, der Fastnacht in Franken für die Kleinen sozusagen, durfte der elfjährige Korbinian Petsch Mittelfranken im Elferrat vertreten. Unter dem Titel "Wehe wenn sie losgelassen" wurde die Veranstaltung auch im Fernsehen gezeigt.

Hacker dankte dem KCH bei der Schlüsselübergabe dafür, dass sie ihm mit einem Kostüm für das närrische Treiben am Faschingsdienstag auf dem Marktplatz aus der Patsche geholfen haben. Er versteckte sich in einem großen geschneiderten Kürbis. "Mich hat fast niemand erkannt", sagte er und nahm auch schmunzelnd Stellung zum FT-Bericht.


Brauchtum

Mit sechs Cent im Portemonnaie trat Vorsitzender Engert dann zum Geldbeutelwaschen an. Erst mit diesem symbolischen Akt ist der Fasching auch wirklich beendet. Weil der Schusterbrunnen noch abgeschaltet ist, tat eine Wanne mit lauwarmem Wasser ihre Pflicht.

Für einen indes geht die fünfte Jahreszeit noch ein paar Tage weiter. Dieter Bräunlein muss nämlich noch zwei fränkische Tanzturniere besuchen. Da sitzt der Herzogenauracher in der Jury.