Der Abschnitt der Staatsstraße 2708 bis nach Wörlsdorf hatte zuletzt wirklich alles zu bieten. Bauleiterin Swana Gruschwitz musste sich mit dem kompletten Paket auseinandersetzen: "Löcher, Spurrillen - halt alles, was man sich vorstellen kann." Seit gut einer Woche laufen die Bauarbeiten, die in der Fachsprache der Straßenbauer als "Oberflächenbehandlung" gelten. Zeit für eine Halbzeitbilanz.

Jens Laußmann, der Leiter der Kronacher Servicesstelle beim Staatlichen Bauamt Bamberg, ist zufrieden: "Wir arbeiten hier mit einer Bauweise, bei der genügend Erfahrungen vorliegen, und einer Firma, die sich mit so was gut auskennt." Insofern dürfte Ende der Woche die Straße wieder für den Verkehr freigegeben werden. "Aber nur wenn das Wetter mitspielt", ergänzt Swana Gruschwitz. Bei Regen kann die neue Bitumenschicht zum Beispiel nicht aufgebracht werden. Weil die vergangene Woche aber trocken war, hat die Bauleiterin für die äußeren Bedingungen eine kurze, aber vollumfängliche Bezeichnung: "Das war schon top."

Mit rund 200000 Euro Baukosten und rund zwei Wochen Sperrung ist die Oberflächenbehandlung keine Angelegenheit, die tief in den Bestand der Straße eingreift: Die oberste Schicht der Fahrbahn wird abgefräst und dann mit einer neuen Mischung aus Bitumen und Splitt versehen. Klar, sagt Jens Laußmann, werden dabei auch die gröbsten Unebenheiten ausgeglichen. Ziel der Maßnahme sei es, den Verkehrsteilnehmern wieder eine "homogene Oberfläche" bei der Straße zur Verfügung zu stellen. Aber alles nur in den Grenzen der bestehenden Straßenführung. "Uns geht es darum, die Gebrauchstauglichkeit dieser Straße zu erhalten", erklärt der Bauoberrat. Denn einige Jahre wird die Staatsstraße schon noch auf ihrer Alt-Trasse zwischen Neustadt und Mitwitz gebraucht werden.

Irgendwann, bestimmt...

Aber irgendwann soll alles besser werden. Das fordert Neustadts Oberbürgermeister, Frank Rebhan (SPD), ja schon seit Jahren - und stößt damit beim Staatlichen Bauamt auch auf Verständnis. Das jedenfalls versichert Jens Laußmann ausdrücklich: "Wir haben diesen Streckenzug im Auge." Eigentlich sogar mehr als das, denn Laußmanns Kollegen sind mit der Erstellung ihrer Vorentwürfe zum Ausbau der Staatsstraße 2708 schon relativ weit voran gekommen. Noch in diesem Jahr dürfte vorliegen, wie sich die Planer die zwei wichtigsten Abschnitte nach einem Ausbau vorstellen. Diese sind im Norden das Stück zwischen dem "Heubischer Kreisel" und Horb sowie im Süden zwischen Mitwitz (Landkreis Kronach) und Wörlsdorf.

(K)ein Fall für den Hellseher

Wobei sich Jens Laußmann nicht als Hellseher profiliert, wenn er prophezeit, dass der Ausbau der Staatsstraße keine einfache Angelegenheit wird. Das fängt schon mit der baurechtlichen Seite an: Für die Maßnahme braucht es auf jeden Fall ein Planfeststellungsverfahren, das erfahrungsgemäß nicht unter einem Jahr bis zum Abschluss braucht. Dann erst können der Grunderwerb und in Folge die Umsetzung erfolgen. Normal werden heute Staatsstraßen mit einer Fahrbahnbreite von 6,50 Metern gebaut, was bei Jens Laußmann vorab einen leicht skeptischen Blick auslöst. "Die Geologie hier ist ja nicht ganz einfach", sagt Laußmann und zeigt vor sich auf den Straßenverlauf von Wörlsdorf Richtung Fürth am Berg. Links geht es steil den Hang hoch, rechts verläuft nicht weit von der Straße weg die Steinach. Noch ein bisschen komplizierter ist die Situation direkt hinter dem "Heubischer Kreisel", wo es rund um das "Grüne Band" eine ganze Reihe geschützter Landschaftsbestandteile gibt. Deshalb ist die Staatsstraße in vielen Abschnitten - wie eben auch zwischen Fürth am Berg und Wörlsdorf - gerade mal sechs Meter breit.

Jens Laußmann hat extra die Karte mit den Ergebnissen der aktuell gültigen Verkehrszählung aus dem Jahr 2015 mitgebracht. Da zeigt er genau auf den Abschnitt, auf dem derzeit gearbeitet wird. Dort ist eine Verkehrsbelastung von 3161 Fahrzeugen binnen 24 Stunden notiert, darunter 181 Lastwagen. "Wir haben hier die stärkste Belastung im gesamten Abschnitt zwischen Neustadt und Mitwitz", sagt Jens Laußmann. Insofern sehe man sich in der Straßenbauverwaltung durchaus gefordert, die Situation an der Landkreisgrenze zu verbessern. Mit Blick auf die Ergebnisse der Verkehrszählung sei schließlich klar: "Die Bedeutung der Staatsstraße ist für diese Region nicht unerheblich."

So verläuft die Umleitung

Weil im direkten Umfeld des rund zwei Kilometer langen Bauabschnittes keine geeigneten Straßen zur Verfügung stehen, ist die Umleitung weiträumig ausgeschildert. Sie führt in beiden Richtungen über Mitwitz, Sonnefeld, Kleingarnstadt, die Blumenroder Kreuzung und Fechheim nach Fürth am Berg.