Geschäft Als Manfred Thein im März 2018 im Alter von 77 Jahren starb, hatte er die Nachfolge seiner Metzgerei bereits geregelt. 2016 war es, als er den Betrieb an Irida Speigel und damit an eine seiner treuesten Mitarbeiterinnen übergab. Auf einer Karte schrieb Manfred Thein folgende Widmung: "Ich bin stolz, dass Du mein Lebenswerk übernimmst!"

"Diese Karte hatte ich immer hier im Geschäft", erzählt Irida Speigel, "aber am Montag habe ich sie mit nach Hause genommen." Und heute, an Silvester, wird der Laden in der Kasernenstraße 9 zugeschlossen. Für immer. Damit verschwindet einer der traditionsreichsten Firmennamen aus dem Stadtbild.

Eine mehr als 80-jährige Geschichte kann die Metzgerei Thein vorweisen. Gegründet von Wilhelm Thein wurde sie 1971 von Sohn Manfred übernommen. Die Zentrale und auch die eigenen Produktionsstätten befanden sich immer in der Kasernenstraße - weitere Geschäfte gab es in der Mohrenstraße, im Kalenderweg und im ehemaligen Schlücke-Einkaufsmarkt in der Callenberger Straße.

Irida Speigel, die von Freunden und langjährigen Wegbegleitern einfach nur "Iri" genannt wird, gehört seit über 30 Jahren zum Thein-Team. Entsprechend schwer fällt ihr jetzt der Abschied, zumal er nicht selbstgewählt ist: Das Haus in der Kasernenstraße wurde vom Eigentümer verkauft, und in den Plänen des neuen Eigentümers ist kein Platz mehr für die Metzgerei Thein.

"Ein großer Verlust für Coburg"

"Mir tut es vor allem für unsere vielen Stammkunden leid", sagt Irida Speigel - und als der Tageblatt-Reporter am Dienstag gerade mal eine Viertelstunde im Geschäft zu Besuch ist, bekommt er in der Tat sehr schnell einen Eindruck von der familiären Atmosphäre und den vielen engen Kundenbeziehungen. "Wo soll ich denn dann künftig meine Hackfleischsemmel für die Mittagspause herbekommen?", fragt ein sichtlich verstörter Mann. Kurz später betritt eine ältere Dame im Pelzmantel den Laden. "Das ist ein großer Verlust für Coburg", sagt sie und gibt ein letztes Mal eine größere Bestellung auf: mehrere hundert Gramm von verschiedenen Wurstsorten, dazu noch ein paar frische Wienerle sowie drei Becher mit den leckeren Salaten, die es beim Thein ebenfalls täglich gibt. "Gibt es eine Spezialität, die Sie hier ganz besonderes mögen?", möchte der Tageblatt-Reporter wissen. "Am meisten schätze ich diese fantastische Verkäuferin", sagt die ältere Dame und deutet auf Irida Speigel. "Sie berät individuell und nimmt sich auch immer viel Zeit für jeden Kunden."

Ein letztes Mal wird sich Irida Speigel am heutigen Silvestertag um ihre Kunden kümmern. Ab 11.15 Uhr gibt es - ganz traditionell - Linsensuppe. Um 12 Uhr wird der Laden geschlossen.

So ein kleines bisschen Hoffnung hat Irida Speigel allerdings, dass es irgendwann vielleicht doch weitergeht. Sie hält Ausschau nach einem neuen Ladenlokal, an dem die Thein-Geschichte weitergeschrieben werden könnte. Denn Manfred Thein hat ihr 2016 nicht nur alle Rezepte anvertraut, sondern auch die Namensrechte an der Metzgerei überschrieben.