Die Gladiatoren an diesem Abend tragen keine gefährlichen Waffen und martialische Rüstungen. Die Gladiatoren an diesem Abend ziehen mit Geigen und Celli, Flöte und Akkordeon ein in die Mehrzweckhalle Heubischer Straße. "Einzug der Gladiatoren" hat Julius Fucik eines seiner scheinbar unverwüstlich populären Stücke genannt.
Beim Jubiläumskonzert zum 130-jährigen Bestehen des "Musizierkreises gehobener Unterhaltungsmusik" wird dieser "Einzug der Gladiatoren" gleichsam zur klingenden Klammer einer bunten Melodienfolge. Gut verpackt in diesem Melodienstrauß: ein klingendes Geburtstagsgeschenk für den seit vielen Jahren in Neustadt lebenden Komponisten Herbert Kosubek.


Von Johann Strauß bis Emil Waldteufel



Genau zwei Tage nach seinem 88. Geburtstag erlebt Kosubek in der ersten Reihe der fast ausverkauften Mehrzweckhalle einen hörbar inspiriert agierenden Musizierkreis. Norbert Luche, auf den im zweiten Teil des Abends noch eine besondere Ehrung wartet, führt sein Ensemble mit Umsicht und Einfühlungsvermögen, mit klug dosiertem Schwung und feinem Gespür für die stilistischen Besonderheiten der ausgewählten Werke von Johann Strauß bis Emil Waldteufel, von Paul Lincke bis John Philipp Sousa.
Dazu liefert Christine Luche in ihrer Moderation aufschlussreiche Informationen zu den Komponisten und ihren Werken.

Schwelgerische Töne


Schon im ersten Teil überzeugt der Musizierkreis immer wieder durch schwelgerische Klänge und Fülle des Tons und übersetzt Norbert Luches gestalterische Akzente stets aufmerksam und beachtlich homogen auch in den agogischen Nuancen. Luche und der durch zwei Profis aus dem Philharmonischen Orchester des Landestheaters verstärkte Musizierkreis wissen ganz genau, worauf es bei Strauß, Waldteufel und Co. ankommt - auf flexibel umgesetzte Tempoänderungen, auf geschickt eingebaute Rubati, aber eben auch auf effektvoll ausgespielte Beschleunigung in der Coda.


Virtuos: Konzertmeister Johannes Endres



Mehrfach dürfen sich Instrumentalisten aus den Reihen des Musizierkreises solistisch präsentieren. Ausdrucksvoll singt Danielle Maheux auf der Oboe die Romanze "Dolce pianti" von Walzerkönig Johann Strauß, während Konzertmeister Johannes Enders in Ferdinand Poliakins "Le Canari" den Kanarienvogel virtuos trillern und tirilieren lässt. Nach Poliakins "Le Canari" bekommt Herbert Kosubek dann sein Geburtstagsgeschenk - ein klingendes Geburtstagsgeschenk.

Seit 1946 in Neustadt


"Blütenzauber" hat Kosubek einen Valse Musette genannt, den der Musizierkreis und Dagmar Weiß am solistisch hervortretenden Akkordeon klangschön intonieren. Applaus für den Musizierkreis, Applaus natürlich aber auch für den Komponisten, der seine musikalische Ausbildung einst in Dresden erhalten hatte, in den Wirren nach Ende des Zweiten Weltkrieges 1946 nach Neustadt verschlagen wurde, wo er auch seine Frau kennenlernte. Eine gelungene Überraschung, denn bis kurz vor dem Konzert wusste Kosubek noch gar nicht, dass an diesem Abend ein Werk von ihm erklingen würde.


Goldene Ehrennadel für Norbert Luche



Eine ganz besondere Ehrung eröffnet dann den zweiten Teil des Abends. Seit 30 Jahren ist Norbert Luche Dirigent des Musizierkreises - "das gab es noch nie in der Geschichte des Vereins", wie Vorsitzender Karl Mechtold betont, bevor er Luche die goldene Ehrennadel anheftet. Mit dieser goldenen Ehrennadel am Revers dirigiert Luche Fuciks "Einzug der Gladiatoren" und verwandelt das Publikum bei Paul Linckes "Berliner Luft" dann in einen eifrig mitsingenden Chor.


"Trio Bassico"



Die Konzerte des Musizierkreises leben auch ein wenig von ihrem Abwechslungsreichtum. Dazu trägt das "Trio Bassico" bei. Mit dem Radetzky-Marsch, der Canzonetta aus Mozarts "Don Giovanni" und einem Fandango beweist das Trio, dass der Kontrabass sehr wohl auch solistische Akzente setzen kann.

Zwei Zugaben


Die Märsche von John Philipp Sousa kommen gewöhnlich im wuchtigen Blechbläsergewand daher. Dass Sousas Musik auch im Salonorchesterklang überzeugt, beweist zum Ausklang sein Marsch "El Capitan". Damit freilich ist dieser Abend noch längst nicht zu Ende.
Musizierkreis und Zuhörer haben vielmehr nach ausdauerndem Beifall noch Energie genug für zwei Zugaben - Fuciks "Einzug der Gladiatoren" und Linckes "Berliner Luft".



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