Das Herzogtum Coburg, im Norden Bayerns an der Grenze zu Thüringen gelegen, kann in seiner Geschichte nicht nur mit Burgen und Schlössern punkten, sondern auch mit malerischen Landschaften, üppiger Natur und fischreichen Wasserflächen, so auch mit dem ehemaligen Wildpark Mönchröden. Man muss zurück bis in das Jahr 1149 blicken, als der Ritter Herrmann von Stärker auf einem Hügel an der Röden ein Benediktinerkloster gründete, welches er mit Dörfern, Waldgebieten, Teichen und Seen ausstattete.

Dorf begraben

Die zwei großen Seen im Tal der Röden dienten dem Kloster zur Teichwirtschaft und Fischzucht und wurden von den Quellen der umschließenden Berge des Dorfes Mönchröden (ehemals Rothine) gespeist. Der große See, damals als schönster See der Gegend beschrieben, reichte, nur durch einen Damm vom kleinen See getrennt, bis zur Neustadter Heide.

Bei der Flutung dieser großen Wasserfläche wurde auch ein Dorf mit Namen Kulmone, das seinen Ursprung wahrscheinlich schon im 3. oder 4. Jahrhundert hatte und am Fuße des Berges Kulm angesiedelt war, begraben. Beide Seen verfügten über großen Fischreichtum. Man berichtet von Hechten und Karpfen, die an die 30 bis 40 Pfund wogen. Dieser Fischreichtum hatte für das Kloster große wirtschaftliche Bedeutung, mussten doch nach dem Abfischen zur Weihnachtszeit alle Verwaltungsbeamten von Regierung und Ämtern, Lieferanten, Arbeitskräfte und Handwerker mit Fischen beschenkt bzw. entlohnt werden.

Wieder Zucht und Ordnung im Klosterleben

Die ungefähr 20 Mönche des Klosters ließen es sich gut gehen, und so glich das Leben im Kloster mehr dem eines Adeligen als dem eines bescheidenen Mönches. Das blieb auch der Obrigkeit nicht verborgen und man schickte aus dem Egidienkloster Nürnberg Ulrich Wöchner als Abt in die Abtei "Rothine". Dieser brachte wieder Zucht und Ordnung ins Klosterleben. Beflügelt durch die Reformation im Coburger Land kam das geistliche Leben auf dem Lindenrangen, wo sich die Klosteranlage befand, zum Erliegen. Er wurde kein neuer Abt eingesetzt und 1531 wurde das Kloster förmlich aufgelöst.

Die Klosteranlage und all ihre Besitzungen gingen in den Besitz der Landesherren, also der Herzöge von Sachsen-Coburg, über. Zu den Besitzungen gehörte auch das waldreiche Gebiet um das Dorf Mönchröden. Als passionierter Jäger ließ dort Herzog Ernst I. um 1806 ein Wildgatter errichten, um seiner großen Leidenschaft, der Jagd, nachgehen zu können, und lud häufig zu Hofjagden mit "Hohen Herrschaften" ein. Die Jagdgäste waren unter anderem die Königin von England, der Zar Nikolaus von Russland, der Zar von Bulgarien neben hohen Forstbeamten, Staatsräten und angesehenen Persönlichkeiten. Oftmals wurde die glänzende Jagdgesellschaft von der Herzogin und ihren Hofdamen begleitet. Es gab ein Teehaus für die Damen und Jagdhütten zur Einkehr. Auch waren Fahr- und Reitwege angelegt worden, auf denen die adeligen Jäger zu ihren Hochständen und Aussichtskanzeln gelangten. Ausschließlich dem Adel war es erlaubt, dort zu jagen.

Ernst II. führt die Gepflogenheiten seines Vaters fort

Im damaligen Wildpark lagen auch der Häslichsgrund und der Kehrgraben, zwei breite Täler eingebettet in Berge, aus denen zahlreiche Quellen sprudelten. Es ist geschichtlich fundiert, dass dort bereits die Mönche zahlreiche Teiche angelegt hatten, die durch das Quellwasser gespeist wurden und ihnen so Fischzucht und Teichwirtschaft ermöglichten.

Nach dem Tod von Herzog Ernst I. übernahm 1844 sein älterer Sohn Ernst II. die Regentschaft und führte die Gepflogenheiten seines Vaters mit Jagdgesellschaften fort. Als Herzog Alfred, ein Enkel von Queen Victoria, 1893 das Erbe seines kinderlos gebliebenen Onkels übernahm, verlor der Wildpark seine Bedeutung für den Coburger Hof.

Heute ist der Wildpark und der Häslichsgrund mit seinen glasklaren Quellwassern ein beliebtes Wander- und Naherholungsgebiet und erlebt in Zeiten des Corona-Lockdowns eine Nostalgie an Beliebtheit und Attraktion.

Ingrid Ott, Heimatpflegerin für Tradition und Brauch des Landkreises Coburg