Einen ziemlich Wilden hat der Kunstverein nach Coburg geholt. Besser, Sie treten ein paar Schritte zurück. Christopher Lehmpfuhls Ölbilder brechen aus sich heraus, im unmittelbaren Sinne. Manchmal fingern bis zu zwei Zentimeter dicke Krusten und Spitzen aus Ölfarbe in den Raum.

Dabei ist die neue Ausstellung so harmlos überschrieben mit "Das Licht und die Landschaft". Sicher, große Kontraste, Landschaften, australische, bergige, tobende Wasser, aber auch viele städtische Szenerien, in Coburg werden vor allem Häuser und Straßen Berlins gezeigt, da vor allem auch gigantische Baulöcher.

Und nirgends Menschen. Als ob Lehmpfuhl uns zeigen will, was die Kruste dieser Erde hinter unserem ordnenden, artig glättenden Blick tatsächlich bereit hält: eruptive Strukturen. Manchmal scheinen die riesigen Gemälde monsterhaft, albtraumhaft in der Gewalt ihrer Linienführung.
Was ist Innen, was das Äußere bei diesem expressiven modernen Impressionisten? Das gilt sogar für die ganz kleinen Formate.

Nicht dass Lehmpfuhl uns dabei distanzierende Abstraktheit gönnen würde. So lässt er uns nicht entkommen. Er bleibt konkret, bringt das Wesentliche einer Szenerie zur Ein-Sicht. Zu seiner Einsicht selbstverständlich, in der ein blühender Magnolienbaum fern jeder Lieblichkeit zum giftig quirlenden Blütenstrudel wird. In die Alster darf man auch nicht zu lange schauen, sie zieht hinab. Wer schon einmal bei nicht ganz gefälligem Wetter vor den Kreideabstürzen am Kieselstrand von Rügen saß, der spürt die Urgewalt, der Lehmpfuhl sich und uns aussetzt. Von der sonnigen Altstadt Wismars erwarten Sie mittlerweile keine Idylle mehr.

So blickt der Berliner Maler in der ganzen Welt herum, er ist ein Weltreisender, von Arizona bis nach China. Und so greift er zu, auch das im unmittelbaren Sinne, nämlich seit Jahren ohne Pinsel. Mit den bloßen Fingern modelliert er eher. Faserige Farblinien, wie eingekratzt, bringen noch größere Intensität.

An die frische Luft hat es Lehmpfuhl auch längst getrieben, er malt selbst bei Minusgraden draußen. Wobei es mit ein paar Tuben Farbe bei ihm nicht getan ist. Für die "Graue See" bei Rügen sind bestimmt wieder einmal 30 bis 40 Kilogramm Ölfarbe drauf gegangen.

Christopher Lehmpfuhl wurde 1972 in Berlin geboren. 1984/85 auf Weltreise nach Mexiko, Arizona, Neu Seeland, Australien, Malaysia, Nepal, Ägypten; 1985 bis 1992 erhielt Lehmpfuhl Malunterricht bei Wolfgang Prehm, Abitur 1992 in Berlin, 1992 bis 1998 Studium der Malerei an der Hochschule der Künste Berlin in der Klasse von Klaus Fußmann, dann Meisterschüler,. Immer wieder Malreisen in die ganze Welt, Lehraufträge, Kunststipendium der Baye rischen Akademie der Schönen Künste. Dozent an der Akademie für Malerei Berlin .

Kunstverein Coburg Christopher Lehmpfuhl - Das Licht und die Landschaft. Malerei. Ausstellungseröffnung heute um 16 Uhr im Pavillon im Hofgarten. Der Künstler ist anwesend. Musikalische Umrahmung durch Christian Reissinger, Klavier. Bis 21. April, Dienstag bis Samstag von 14 bis 17 Uhr, Sonn- und Feiertage auch von 10 bis 12.30 Uhr. Es stehen mehrere Kataloge und Kunstbücher zur Verfügung.