Es muss nicht immer die dichte Blütenfülle und der gezüchtete knallige Farbklecks der Blüten sein, der einer Rose ihren Charme verleiht. Wer auf Robustheit setzt, Insekten und Vögeln den Tisch für Herbst und Winter decken möchte und vor allem auch die Früchte selbst gerne in der Küche "veredelt", ist mit Wildrosen oder Rosen mit Wildrosencharakter gut bedient.
"Von den 150 geschätzten Arten stammen fast 100 aus Asien, 18 aus Nordamerika, der Rest verteilt sich auf Europa und Afrika", erklärt der Coburger Gartenbau-Fachberater Thomas Neder in seinem Gartentipp für den Monat September.
Schon die Babylonier nutzen den Duft der Wildrosen, indem sie Blütenblätter in Fett tauchten und zu duftenden Salben verarbeiteten. Rosenöl wurde in Persien erfunden und war auch im antiken Rom sehr geschätzt.
In der "Capitulare de villis", der Landgüterverordnung Karls des Großen, wurde der Rosenanbau auch für das heutige Franken empfohlen. Die "Rosa gallica Officinalis" wurde als Apothekerrose bei Wunden und Entzündungen eingesetzt.

Hohe ökologische Bedeutung

Die ökologische Bedeutung ist besonders bei den heimischen Wildrosenarten wie der Heckenrose (Rosa canina) sehr groß. Alleine zehn Wildbienenarten sammeln im Frühsommer ihre Pollen. Im Winter dienen die Hagebutten vielen Vögeln und Säugetieren zur Ernährung. Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Rosen 19 Säugetier- und 27 Vogelarten in der kalten Jahreszeit mit Futter versorgen. In Summe finden über 100 Kleinlebewesen im Wildrosenstrauch Nahrung. Dank ihrer bestachelten Zweige dienen sie zudem als exzellentes Vogelschutzgehölz, die den gefiederten Freunden einen sicheren Zufluchtsort vor Greifvögeln und Katzen bieten.
Die Pflanzen wirken erst dann richtig, wenn sich ihre fruchtbehangenen Triebe in grazilen Bögen ausbreiten dürfen. Zur Pflege reicht ein dezenter Erhaltungsschnitt, bei dem überaltete Triebe dicht über dem Boden entfernt werden, um dem Nachwuchs Platz zu machen. "Ein kräftiges Zurückschneiden würde ihnen nur ihre natürliche Schönheit nehmen", rät der Fachberater.

Ein Hotel für die Spatzen

Wer ein greifvogelsicheres "Spatzenhotel" - bestehend aus dicht verwachsenen Trieben, schaffen möchte - lässt einfach der Natur freien Lauf. Schutz suchende Vögel werden es zu schätzen wissen. Dank ihrer Winterhärte kann bei der Wildrose auf einen Winterschutz weitgehend verzichtet werden. Lediglich im ersten Jahr der Pflanzung ist in kalten Wintern ein Schutz aus Fichtenreisig und ein Anhäufeln zweckmäßig.
Wegen ihres teilweise hohen Vitamin C Gehaltes von bis zu 1000 bis 2000 Milligramm pro 100 Gramm Fruchtfleisch erlangen die Wildrosen seit kurzem wieder eine große Renaissance. Außer einem hohen Anteil an Vitamin C enthalten sie die Vitamine A, B, E und K, Fruchtsäuren und Spurenelemente. Seit einiger Zeit werden besonders Vitamin-C-reiche Züchtungen gezielt angebaut. Kerne und Haare der Früchte werden für die Verwertung entfernt. Hagebutten werden für Marmelade, Rumtopf oder Chutney verwendet. Auch die Blätter werden nach alten Rezepten zu Rosenmarmelade verarbeitet.
Thomas Neder wirbt auch für den Hagebuttentee:; "Der hilft aufgrund des hohen Vitamin-C-Gehalts vor allem gegen Erkältungen." In Chile gilt Kaffee aus gerösteten Hagebuttenkernen als bewährtes Mittel gegen Magenschmerzen.

Die wichtigsten Rosensorten

Echte Wildrosen: Neben interessanten heimischen Arten, gibt es natürlich eine ganze Reihe Wildrosenarten aus fernen Gegenden. Im Sinne des Naturschutzes sind die bei uns heimischen Arten am wertvollsten. Dies braucht aber die Verwendung der einen oder anderen bei uns nicht heimischen Art nicht auszuschließen, denn auch deren Blüten werden von Insekten besucht und auch die Früchte schmecken den Vögeln.
Rosa canina (Heckenrose): Die heimische Heckenrose ist ein passender Strauch für eine größere Wildgehölzhecke in der die roten Hagebutten bis zum Winterbeginn leuchten, vielen Vögeln eine gute Ernährungs- und Nistbasis bieten und auch zu köstlicher Marmelade verwertet werden können. Rosa canina ist sehr anspruchslos und wird bis zu 3 m hoch. Die Früchte bringen es bis auf 100mg Vitamin C /100g Fruchtfleisch.
Rosa dumalis (Blaugrüne Rosen oder Vogesenrose: Sie ist sehr eng mit der heimischen Wildrose Rosa canina verwandt. Gelegentlich wird sie auch als eine Varietät betrachtet. Rosa dumalis wird etwa zwei Meter hoch und hat wenige spitze Stacheln. Die hellrosa bis dunkelroten Blüten erscheinen von Juni bis Juli. Ab Ende August bis Anfang September erscheinen drei bis vier Zentimeter lange flaschenförmige Hagebutten. Die Rose gilt als sehr winterhart (bis minus 35 Grad). Rosa dumalis wurde zur Züchtung der besonders vitaminreichen Sorte PiRo3 verwendet.
Rosa glauca (Hechtrose): Sie ist in Europa heimisch und kommt von den Pyrenäen bis zu den Karpaten vor. Auffallend sind ihre bläulich bereiften Blätter, die etwas Abwechslung in das "grüne Allerlei" der Laubgehölze bringen. Sie wirken so, als hätten sie ein Tauchbad in Rotwein hinter sich. Im Herbst färben sich die Blätter in ein attraktives gelb bis orangerot. Die Blüten sind eher unscheinbar klein und dunkelrosa. Die karmesinroten Früchte stehen in Büscheln von 5 bis 15 Früchten und besitzen einen hohen Schmuckwert. An den Standort ist sie sehr anspruchslos und toleriert Fröste bis etwa minus 35 Grad.
Rosa moyesii (Mandarin Rose): Die 1890 in China entdeckte Mandarin Rose ist eine der schönsten Wildrosenarten für Parks. Um ihre volle Schönheit zu entfalten, pflanzt man sie am besten freistehend. Die Früchte wachsen zu beeindruckenden sieben Zentimetern heran. Sie bringen es bis auf 2000 Milligramm Vitamin C pro 100 Gramm Fruchtfleisch. In England wird das Fruchtfleisch gerne zu Chutney verarbeitet. Die Mandarin Rose wächst bis zu drei Meter hoch und ist anspruchslos. Wunderschöne dekorative Früchte bilden auch ausgelesene Sämlinge der Mandarin Rose, wie Rosa moyesii "Fenja" und Rosa moyesii "Geranium". "Geranium" ist vom Habitus etwas kompakter als die Art, die Früchte sind glatter und etwas größer.
Rosa rugosa (Kartoffelrose): Die Kartoffelrose stammt aus Nordost- und Ostasien. Die Zweige des bis zu zwei Meter hohen Strauches sind mit vielen Stacheln besetzt und bilden Ausläufer, die manchmal etwas stören können. Im Gegensatz zur Mandarinrose neigt sie auf kalkhaltigen Böden zu Chlorosen (Blattvergilbungen). Sie bevorzugt leicht saure Böden. Die Blüten gibt es in rot und weiß. Auf den duftenden Blütenreigen folgen dicke Früchte, die ergiebig Fruchtmark für Marmelade oder Rumtopf liefern. Die Blütenblätter eignen sich zum Kandieren und für Rosenbowle. Sie kann als Vorpflanzung einer Hecke oder auch einzeln verwendet werden.
Rosa villosa (Apfelrose):
Den Namen Apfelrose verdankt Rosa villosa ihren drei bis vier Zentimeter großen apfelförmigen Früchten, die dekorativ mit kurzen Borsten besetzt sind und wunderschön dunkelrot leuchten. Sie reifen relativ früh. Der etwa zwei Meter hohe fast stachellose Strauch ist in Mittel- und Südeuropa heimisch. Die rosafarbene Blüte duftet leicht harzig.