Im vergangenen September war der Obst- und Gartenbauverein Wiesenfeld nach einer einstimmigen Entscheidung des Vorstands aus dem Kreisverband Coburg für Gartenbau und Landschaftspflege ausgetreten. Im Rahmen der Hauptversammlung im Gasthaus "Lindenhof" wurde von den Mitgliedern nun die Entlastung für diese Entscheidung erteilt.

"Dieser Austritt war als Zeichen gedacht, gegen den Neubau eines Verkehrslandeplatzes zwischen Wiesenfeld und Neida. Wir sind gegen den Neubau und uns missfiel insbesondere die Art und Weise, wie sich der Vorsitzende des Kreisverbandes, Landrat Michael Busch, verhält, sodass eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit ihm nicht mehr gegeben war", erläuterte Vorsitzender Stephan Schlechtweg die Beweggründe für diesen ungewöhnlichen Schritt. Dabei betonte er, dass der Austritt zeitlich begrenzt sei: "Die Abkehr ist befristet - solange Michael Busch Vorsitzender ist oder im Kreisverband eine andere Funktion innehat." Auch ein persönliches Gespräch im Landratsamt, initiiert durch den Kreisvorsitzenden, brachte keine Entspannung der Lage. Im Gegenteil: "Der Landrat hat sich am Anfang des Gesprächs genauso gegeben, wie es heute in den Tageszeitungen von Herrn Jacobi (FDP) dargestellt wurde." Kreisrat Peter Jacobi hatte dem Landrat ein Kommunikationsproblem und "Schrei-Attacken" vorgeworfen, nachdem dieser im nicht-öffentlichen Teil der jüngsten Kreistagssitzung einen Finanzierungsvertrag für den geplanten Verkehrslandeplatz aus Sensibilitätsgründen nur den jeweiligen Vorsitzenden der Kreistagsfraktionen zugänglich machen wollte (Tageblatt vom 20.03.2015).

Obst- und Gartenbauverein Wiesenfeld kann weiterhin im Bezirks- und Landesverband bleiben

Stephan Schlechtweg ist indes froh, dass sein Verein in der Angelegenheit sein Gesicht wahren konnte: Nach mehreren Gesprächen mit den Vorsitzendes des Bezirks- und Landesverbandes darf der Obst- und Gartenbauverein Wiesenfeld zwar dem Kreisverband Coburg den Rücken kehren und alle Aktivitäten einstellen, verbleibt aber weiterhin im Bezirks- und Landesverband. Wichtig für die Mitglieder: Sie verbleiben damit weiterhin kostenfrei in der Sammelunfall- und Haftpflichtversicherung. "Unsere Entscheidung hat jedenfalls ein Zeichen gesetzt und wir haben Staub aufgewirbelt", ist sich der Vorsitzende sicher.


Wittmann: Ihr bestraft nicht den Landrat, das geht zu Lasten der 10.000 Mitglieder des Kreisverbandes

Siegfried Wittmann, der Ehrenvorsitzende des Kreisverbandes, bedauerte den Schritt des Wiesenfelder Ortsvereins: "Ihr habt die letzten 20 Jahre den Kreisverband massiv unterstützt und wenn Ihr Euch jetzt zurückzieht, dann bestraft Ihr nicht den Landrat, denn er ist ja nicht der Kreisverband. Das geht zu Lasten der 10.000 Mitglieder." Dass der Bau des Verkehrslandeplatzes durch die Aktion beeinflusst werde, denkt er nicht. "Der Flächenverbrauch ist auch bedingt durch das Bevölkerungswachstum in Bayern, da braucht es Infrastruktur. Meiner Meinung nach ist das Ding gelaufen." Dennoch hofft er: "Findet wieder Euren Weg zurück."

Zum aktuellen Stand rund um das Thema Verkehrslandeplatz informierte die Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Weißer Berg, Dagmar Escher. Alleine das sogenannte "gespannte Grundwasser" in Neida werde für zahlreiche Probleme sorgen, wenn der Flugplatz kommt; dann drohten Risse an den Häusern, Absinken der Straße, steigende Hochwassergefahr. Die Angst der Anwohner vor einer Enteignung versucht sie zu mildern und hatte noch den dringenden Rat: "Bitte auf keine Gespräche mit den Werbern für den Grundstücksverkauf einlassen, einfach den Kontakt verweigern."

Nach dem erfolgreichen Bürgerbegehren mit etwas mehr als 9000 gültigen Stimmen steht nun für den "Wahlsonntag" am 14. Juni das Bürgerbegehren an, auch Briefwahl ist möglich. "Wir machen weiter bis zur letzten Sekunde, das ist mein Aufruf", erklärt Stephan Schlechtweg, während seine Frau Brigitte zur oft unterschätzten Bedeutung der Naturressource "Boden" referiert. "Eine Handvoll Ackerboden beinhaltet mehr Mikroorganismen, als Menschen auf der Erde leben. Boden ist nicht vermehrbar und bei Verlust nicht wieder herstellbar", erklärt Brigitte Schlechtweg.

Nach der erfolgreichen Entlastung des Vorstands auch zur Frage des Austritts aus dem Kreisverband wurden sämtliche Amtsinhaber bei den Neuwahlen in ihren Ämtern bestätigt. Neu als Beirätin kam Sibylle Lüdtke hinzu; zur Kassenprüferin wurde Dagmar Escher gewählt. Auch zahlreiche Ehrungen standen auf der Tagesordnung.