Über die Zukunft des Wochen- und Bauernmarktes diskutierten Händler, Politik und Kunden bei den Altstadtfreunden. Die Ergebnisse einer groß angelegten Umfrage gibt es im November, im März will eine Unternehmensberatung ihre Vorschläge präsentieren.

Die Händler auf dem Coburger Wochenmarkt sowie die des Bauernmarktes im Steinweg fühlen sich von der Stadt nicht angemessen wahrgenommen und unzureichend unterstützt. Mitunter mag das an fehlender Kommunikation auf beiden Seiten liegen, zum anderen haben sich Einkaufsverhalten und Lebensgewohnheiten verändert. "Noch ist es möglich umzusteuern und den Wochenmarkt mittwochs und samstags zu erhalten", sagte Alper Hasirci. Der Sohn von Marktkaufleuten und parteilose Stadtrat zeichnete am Donnerstagabend das Bild von wenigeren Markthändlern und wenigeren Besuchern. "Dabei hat der Wochenmarkt doch einen Stellenwert für die Stadt."

Der Verein Altstadtfreunde hatte zur Podiumsdiskussion "Der Wochenmarkt - Das Herz unserer Stadt" ins "Münchner Hofbrau" eingeladen. Auf dem Podium waren die Sprecherin der Marktbetreiber, Claudia Hartan, Alper Hasirci und Stadtpressesprecher Louay Yassin vertreten. Die Vorsitzende der Altstadtfreunde, Christa Minier, hat die Vision, dass "der Coburger Wochenmarkt zu einem Geheimtipp werden muss".

Ungleiche Behandlung kritisiert

Den Marktkaufleuten sauer aufgestoßen ist die ungleiche Behandlung von Gastronomie und Einzelhandel einerseits und den Markthändlern andererseits, meinte Claudia Hartan. Wegen der Corona-Pandemie hatte die Außengastronomie schnell erweitert werden können und dem Handel wurde die Sondernutzungsgebühr für den öffentlichen Raum erlassen. "Wir Marktkaufleute sind etwas abgeblitzt. Unsere Standgebühren wurden nicht erniedrigt." Mit einem Viertel oder der Hälfte weniger Standgebühr wäre man schon zufrieden.

Mehr Kunden an den Marktständen bedeuten nach den Worten von Alper Hasirci mehr Leben in der Stadt, mehr Umsatz für Einzelhandel und Gastronomie. Die Regionalität des Angebots, ökologisch kurze Transportwege und qualitätsvolle Nahrungsmittel zeichneten den Wochenmarkt aus. Udo Bohl vom Verein Coburger Bauernmarkt war sich mit seinen Kollegen vom Wochenmarkt einig, dass marktnahe Kurzzeit-Parkplätze für die Kunden fehlten. Auch Parkplätze für die Fahrzeuge der Händler in kurzer Entfernung seien Mangelware. Noch ein spezifisches Problem des Bauernmarktes: "Wir müssen im Steinweg 40 Meter Kabel ausrollen, damit wir Licht und Kühlung anschließen können. Da stolpern die Passanten ‚drüber."

Weiter wurde kritisiert,dass die Stadt keine Werbung für den Wochenmarkt mache und es keine Verlinkung von der städtischen Website auf die der Markthändler gebe. Auch wünscht man sich wieder einen Ansprechpartner in der Stadtverwaltung, der sich wie früher intensiv um die Belange der Markthändler kümmert.

"Es gibt 450 Direktvermarkter im Landkreis Coburg", stellte Simone Vetter vom Amt für Landwirtschaft fest. "Warum sind die nicht in der Mehrzahl auf den Bauernmarkt in Coburg?" Grünen-Stadträtin Ina Sinterhauf regte ein größeres Warenangebot an, CSU-Stadträtin Antoinetta Bafas bescheinigte dem Wochenmarkt eine Zukunft und FDP-Kollege Michael Zimmermann plädierte für eine Erreichbarkeit der Innenstadt mit dem Auto.

Umfrageergebnisse sollen bald veröffentlicht werden

Nicht alles sei negativ zu sehen, so Sandra Barthelmes. Sie ist seit fast 40 Jahren mit Obst, Gemüse und Blumen auf dem Wochenmarkt vertreten. So habe das kostenlose Stadtbusfahren an den Samstagen mehr Menschen in die Stadt gebracht. Sammeltaxis für Marktkunden seien hilfreich und weniger veranstaltungsbedingte Verlegungen. Barthelmes schlug vor, inhabergeführte Geschäfte sollten sich im Wechsel mit einem Wochenmarktstand präsentieren. Das sorge für Kundenfrequenz.

Louay Yassin, Pressesprecher der Stadt, verweis auf die Umfrage der Stadt bei Marktkunden und Händlern seit August. Der Unternehmensberater Thomas Egger habe den Wochenmarkt und die Stadt unter die Lupe genommen und die Situation als gut eingestuft. Die Ergebnisse der Umfrage - über 800 Antworten seien eingegangen - würden bald veröffentlicht. Im März nächsten Jahres will der Unternehmensberater seine Vorschläge präsentieren. An der Stellplatzfrage für die Händler werde gearbeitet.

Christa Minier, Vorsitzende der Altstadtfreunde, formulierte eine weitergehende Forderung, wie die Innenstadt belebt werden könne. Dauerparker fänden Platz in den Parkhäusern, dann könnten Kurzzeitparker ihr Fahrzeug in den Straßen abstellen. Ein Elektrobus im Shuttleverkehr zwischen Anger und Parkhaus Post würde besonders für ältere Menschen das Transportproblem ihrer Einkäufe lösen. Mehr Zuzug in der Innenstadt erreicht man nach Ansicht der Altstadtfreunde mit dem Angebot großer und bezahlbarer Wohnungen, mit mehr Kindertagesstätten, mit mehr Grün in der Stadt sowie einer Jugendherberge. Weiter plädierte Christa Minier für eine Leerstandsabgabe für Gewerbeimmobilien.