Neustadt hat viele Persönlichkeiten, Künstler und Prominente hervorgebracht. Einer von ihnen war der Oberlehrer i. R. Fritz Biedermann, der kurz vor seinem 89. Geburtstag am 15. Juni 1984 starb. Geboren wurde Biedermann vor 125 Jahren am 7. Juni 1895 in Coburg. Dies könnte Anlass sein, wieder einmal einige seiner Werke in den Mittelpunkt zu rücken.

Eine "Fritz Biedermann-Ausstellung" gab es im November 1982 sowie als Gedenkausstellung im Februar 2012 im Neustadter Rathaus. 2012 war ein Querschnitt seiner Werke, besonders aber Zeichnungen, Aquarelle und Gemälde mit Neustadter Motiven zu bewundern. Fritz Biedermann gelang es, eine persönliche Handschrift zu entwickeln. "Heimatliche Landschaften vertiefte er so, dass sie von großer Ausdruckskraft sind", heißt es in einem früheren Presseartikel. Mit besonderer Liebe und Leidenschaft befasste er sich mit der Pastellmalerei. Von verschiedenen Behörden und Institutionen, so auch von der Stadt Neustadt, sind ein Teil seiner Bilder erworben worden.

Biedermanns Sohn Herold, der lange Jahre an der Bodelstadter Schule im Itzgrund ebenfalls als Lehrer wirkte, hinterließ der Stadt Neustadt vor zehn Jahren über 80 Werke seines Vaters.

Biedermann war ein vielseitig begabter und interessierter Mensch. Mit zwölf Jahren kam er nach Neustadt. Seine Talente kristallisierten sich schon früh heraus: Turnen und Zeichnen. Und mit diesen beiden Hobbys blieb er zeitlebens verbunden - privat und auch beruflich. Er begeisterte sich schon als junger Mann für das künstlerische Schaffen. Dafür sorgten seine Neustadter Zeichenlehrer, unter anderem Professor Max Derra sowie die Kunstmaler Ernst Dorn und Sepp Kugler. 1923 beschickte Biedermann Ausstellungen im Coburger Kunstverein und nach dem Zweiten Weltkrieg in der Ehrenburg. Nach 1945 vervollkommnete er seine Fertigkeiten. Auf zahlreichen Ausstellungen des Coburger Kunstvereins erzielte er beachtliche Erfolge. Nicht umsonst wurde er 1977 zum Ehrenmitglied des Coburger Kunstvereins ernannt.

Wie der Vater so der Sohn

Übrigens: Auch Fritz Biedermanns Sohn Herold war ein ausgezeichneter Hobbymaler, der viele Gemälde mit Natur- und heimatlichen Motiven rund um Bodelstadt geschaffen hat.

Auch zu Fritz Biedermanns zweiter Leidenschaft, dem Turnen, ist einiges zu sagen. Als Junglehrer war er an der Fachzeichenschule Weidhausen tätig. Während dieser Zeit engagierte er sich auch als Turnlehrer. Außerhalb der Schule engagierte er sich im dortigen Turnverein, wurde bald Gaujugendturnführer und Ehrenoberturnwart des Vereins. 1924 begründete er den Marienverein und die damit verbundene Schwesternstation in Weidhausen. Ein Jahr später war er maßgeblich an der Gründung der freiwilligen Sanitätskolonne beteiligt.

1934 wurde Fritz Biedermann nach Neustadt versetzt. Nach wenigen Jahren stand er als Vorsitzender und Oberturnwart in der Turngemeinde Neustadt an führender Stelle. Als einer der ersten Neustadter erwarb er das goldene Reichssportabzeichen und den Lehrschein der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft. Zusätzlich wirkte er auch als Fachwart für Turnen und Schwimmen im Gau Bayerische Ostmark.

Immer wieder verquickten sich das Malen und das Turnen bei Fritz Biedermann.

Der Zweite Weltkrieg brachte den Oberstleutnant Fritz Biedermann an verschiedene Kriegsschauplätze. Gefangen war er in Rouillon, einer kleinen französischen Gemeinde, etwa vier Kilometer westlich von Le Mans gelegen. Während der Gefangenschaft entstanden Zeichnungen vom Alltagsleben im Gefangenenlager. Diese Werke Biedermanns sind auch im Besitz der Stadt Neustadt.

In der Heimat zurück setzte er seine Lehrerlaufbahn fort und half beim Aufbau des öffentlichen Lebens in Neustadt. Er gründete die Wasserwacht, die sich nach und nach zu einer starken Ortsgruppe entwickelte. Viele Jahre lang war er Vorsitzender der Ortsvereinigung Neustadt des Bayerischen Roten Kreuzes und des Marienvereins. In diese Zeit fiel auch der Bau des Rotkreuz-Heimes in der Thüringer Straße. Damit war sein Engagement noch lange nicht zu Ende (siehe Infokasten). Als hohe Anerkennung für seine zahlreichen Verdienste wurde ihm 1965 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

Bei der Eröffnung der "Fritz Biedermann-Ausstellung" am 1. November 1982 im Neustadter Rathaus bezeichnete der damalige Oberbürgermeister Ernst Bergmann Fritz Biedermann als einen "Maler des Neustadter Kessels", da er viele Landschaften und einzelne Motive aus diesem Bereich in seinen Werken umsetzte. Seine Vielseitigkeit in der Malerei spiegelte sich aber auch in vielen Porträts, Stillleben und Blumenbildern wider. Der Künstler selbst sagte über sich: "Ich bin ein Realist und will mit meinen Werken nur das Schöne zeigen."