Mit einer würdevollen Feier wurde die 90. Wiederkehr der Weihe der katholischen Pfarrkirche St. Ottilia begangen. Bei einem Gottesdienst am vergangenen Samstagabend konnten allerdings nur 20 Gemeindemitglieder teilnehmen. Dies war den Abstandsregelungen geschuldet, die aufgrund der Corona-Auflagen eingehalten werden müssen.

Pfarrer Peter Fischer erinnerte in seiner Predigt unter anderem an die bewegten Zeiten, die das 1930 geweihte Kirchlein durchlebt und überstanden hatte. So verwies er auf die Wirren des Zweiten Weltkrieges und dass danach viele Flüchtlinge und Heimatvertriebene aus Böhmen, Schlesien, dem Sudetenland und anderen Regionen kamen. Dadurch seien viele Katholiken nach Neustadt gekommen, die in St. Ottilia ihr "neues Gotteshaus" gefunden hätten. Außerdem habe St. Ottilia auch die friedliche Wende in den Jahren 1989/1990 miterlebt. Und nun müssten sich die Kirche und die gesamte Gesellschaft mit der Corona-Pandemie auseinandersetzen und arrangieren.

Kirchweihständchen auf der Orgel

Am Sonntagnachmittag waren die Gemeindemitglieder zu einem "Orgelkirchweihständchen" eingeladen. Auch dazu konnten sich nur 20 Zuhörer treffen, die sich mit Freude die von Organistin Claudia Götz gespielten Stücke anhörten. Auf dem Programm standen Werke von Johann Sebastian Bach, Théodore Dubois und Karl Jenkins sowie Kirchenlieder wie "Eine große Stadt entsteht" und "Ein Haus voll Glorie schauet". Besonders einfühlsam aber war das Stück "Die kleine Bergkirche", das Manfred Krämer gekonnt mit seiner Tenorstimme gesanglich begleitete. Inhaltlich passte dies sehr gut zum Jubiläum, da sich die meist älteren Zuhörer noch sehr gerne an die Zeiten ihrer Kindheit erinnerten, als sie in dieser Kirche regelmäßig den Gottesdienst besuchten und St. Ottilia am Sonntag beim Hauptgottesdienst "aus allen Nähten platzte". Zum Gedenken an den langjährigen Mesner von St. Ottilia, Roman Seidl, der in diesem Jahr verstorben ist und der nach dem Krieg mit seiner Familie aus Böhmen nach Neustadt gekommen war, spielte Claudia Götz am Ende noch das Stück "Es war im Böhmerwald". Das war schon sehr rührend. Große Anerkennung erfuhr Claudia Götz für ihr gelungenes "Orgelkirchweihständchen" mit einem dankbaren Applaus. Als besondere Überraschung überreichte sie, wie schon am Vorabend nach dem Gottesdienst, den Besuchern einen Kirchweihkrapfen "to go", der von ihr liebevoll in einem schön gestalteten Papierbeutel verpackt war.