Hans Rebelein, der Geschäftsführer des Kreisverbandes Coburg im Bayerischen Bauernverband (BBV), würde am liebsten eine Petition an den Landtag schicken, um dort noch einmal auf die Problematik durch die schnelle Ausbreitung der Biber in den Flüssen und Bächen im ländlichen Raum aufmerksam zu machen. Denn für die Landwirte im Coburger Land hat sich der umtriebige Nager zu einem handfesten Problem entwickelt, für das noch keine Rechte Lösung gefunden worden ist.

Bei der traditionell am Rosenmontag stattfindenden "politischen Schlachtschüssel" des BBV-Kreisverbandes zeigt es sich nicht zum ersten Mal: Neben den Hans Rebelein bekannten "Hotspots" mit vielen Schadensmeldungen aus Meeder, Wiesenfeld und Gauerstadt beschäftigt der Biber auch die Landwirte im Seßlacher Raum und im Itzgrund. Jürgen Angermüller, Landwirt aus Merlach (Stadt Seßlach), weiß um die Problematik: "Bei Maisfeldern, die an Flussufern liegen, kann ein Biber schon mal größere Flächen ummachen." Da könne der Schaden durchaus auch mal so groß sein, wie wenn eine Wildschweinrotte im Maisacker gewesen wäre.

Es geht nicht ohne Regeln

Wenn es nach dem Bauernverband geht, bräuchte es für den Biber klare Regeln. "Wir müssen dem Tier bestimmte Biotope zur Verfügung stellen. Aber auch Flächen ausweisen, wo er nichts zu suchen hat", sagt BBV-Kreisobmann Martin Flohrschütz. Aber so einfach ist das halt nicht. Denn noch, sagt Landrat Sebastian Straubel (CSU/Landvolk), gibt es die rechtliche Ausgangslage nicht her, dass ein Biber außerhalb gewisser Schutz- und Ruhezonen bejagt werden darf: "Der Biber ist hoch geschützt, die entsprechenden Vorgaben sind da - und wir haben sie umzusetzen." Wobei das Coburger Land nach Einschätzung des Landrats schon weit gekommen ist, was die Koexistenz von Biber und Landwirtschaft angeht. Im Landratsamt gibt es eine Biberberaterin, zudem draußen in den Kommunen auch noch ehrenamtliche Biber-Berater. Diese Konstellation sei "hoch anerkannt", betont Straubel.

Aber was zu viel ist, ist zu viel. "50 bis 60 Tiere", schätzt Bürgermeister Bernd Höfer (CSU), leben alleine im Gemeindegebiet Meeder. Deshalb wäre er sofort mit dabei, wenn aus der Region der Wunsch nach einer klaren Regelung für die Biberbestände an die Staatsregierung gehen würde. Landkreis, Kommunen und nicht zuletzt die Landwirte - allen entstünden durch die aus den Fugen geratene Biber-Population Kosten, meist bleibe man darauf sitzen.

Grundsätzlich geht Martin Mittag (CSU) auf dieser Linie mit: "Wir brauchen Biberzonen. Und wir brauchen biberfreie Zonen." Aber der Landtagsabgeordnete hat seiner Aussage nach schon 2019 einen Vorstoß einen Vorstoß in diesem Richtung unternommen und ist nicht weit gekommen. "Äußerst dürftig", umschreibt es Mittag vorsichtig, seien die Reaktionen von Seiten der Kommunen und der Landwirtschaft gewesen. Mittags Wunsch, mal eine Übersicht über die geschätzte Biber-Population im Coburger Land zu bekommen, blieb jedenfalls unerfüllt. Deshalb frage er sich schon, was eine Petition an den Landtag bewirken solle. Denn nur immer mehr Geld für die Entfernung von Biber-Bauten zu verlangen, werde das Problem nicht lösen. Martin Mittag: "Wir brauchen ein Konzept." Eines, das vorschreiben müsse, wo es Hegezonen für den Biber gebe - und wo die Zonen seien, aus denen Tiere ohne großen bürokratischen Aufwand entnommen werden können. So wie beim Rotwild stellt es sich Hans Rebelein vor: "Da gibt es Reviere. Und wenn die Tiere diese verlassen, können sie erlegt werden."

Was kostet denn die Biber-Plage?

Schließlich dürfe man die finanzielle Seite nicht vergessen, sagt Martin Flohrschütz. Auf die Frage, was denn der Landkreis so im Jahr für all die Aktionen rund um den Biber ausgebe, wagt der Landrat eine vorsichtige Schätzung: Die Summe werde wohl im niederen fünfstelligen Bereich liegen. Wobei die Kosten für die Landwirte da gar nicht mit eingerechnet sind, ergänzt Gerhard Ehrlich, der langjährige BBV-Kreisobmann: "Wie viele Stunden wir rumlaufen und unsere Wiesen saubermachen, interessiert keinen Menschen." Dabei sei es gewiss nicht die Aufgabe der Landwirtschaft, die Schäden durch umgestürzte Bäume und abgenagte Äste aufzuarbeiten. "Da hört für mich die Sozialverpflichtung der Landwirtschaft auf", sagt Ehrlich. Aber der ehemalige Kreisobmann sieht auch hausgemachte Probleme. Vielleicht sei man einfach auch zu naiv, meint Gerhard Ehrlich und verweist auf die typisch nordbayerische Zurückhaltung, um Probleme öfter mal in München anzusprechen: "Wir sind viel zu vorsichtig, wenn es darum geht, Schäden zu melden." Uneingeschränkte Zustimmung gibt es da von Martin Flohrschütz: Gerade, was die Arbeit mit dem vielen Totholz auf den landwirtschaftlichen Flächen angehe, habe der größte Teil seiner Landwirtskollegen kapituliert. Naja, mehr noch, sagt der Kreisobmann: "Sie haben die Schnauze voll."

Im Schatten des Krieges

Überschattet wird die Diskussion zu landwirtschaftlichen Themen vom Krieg zwischen Russland und der Ukraine - zwei Regionen, mit denen die Coburger Landwirtschaft durch jahrzehntelang erfolgreiche Austauschprogramme eng verbunden ist. Tobias Stelzner, der 2020 noch mit einer Delegation in Russland war, zeigte sich überzeugt davon, dass der Angriff Putins auf das Nachbarland von der eigenen Bevölkerung nicht für gut geheißen werde: "Die Menschen dort finden das hochdramatisch. Man darf dieses Volk nicht wegen seines Diktators verurteilen."

Die Fakten zum Biber

Population: Derzeit geht das Landratsamt davon aus, dass rund 300 Biber im Landkreis Coburg leben. Größere Lebensräume - und damit Probleme - gibt es in Wiesenfeld, Meeder, Weitramsdorf, Seßlach und Lautertal.

Kosten: Die jährlichen Ausgaben für die das Bibermanagement, inklusive der Präventionsmaßnahmen belaufen sich auf etwa 25000 Euro. Weitere 6000 Euro sind im vergangenen Jahr in den Ausgleich von Schäden geflossen.