Daniel S. und Tobias T. müssen ins Gefängnis. Am Freitagnachmittag sind sie vor dem Landgericht Coburg der gefährlichen Körperverletzung schuldig gesprochen worden. Daniel S. muss eine Haftstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verbüßen, Tobias T. geht vier Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Wegen eines brutalen Übergriffs, der sich am 18. Oktober 2020 ereignet hat.

Sie sind über einen Mann hergefallen. Wie Richterin Jana Huber sagte, sei das Opfer wehrlos gewesen und spüre noch immer seelische und körperliche Folgen der Tat spüre. Durch einen Nasenbeinbruch könne der Mann noch immer schwer Luft holen, zudem habe er Angst, alleine nachts in die Stadt zu gehen.

Brutaler Übergriff nach Feierabendbier: Angeklagter "wie ein Tier"

In den frühen Morgenstunden zieht Daniel S. nach einem gemütlichen Spieleabend mit seinem Bruder los in den Steinweg, um noch etwas zu trinken. Dort ist auch Tobias T., der sich nach einem Arbeitstag bei ein paar Bier entspannen will. Für das, was beide am Ende ihrer Kneipentour gemeinschaftlich getan haben, werden Daniel S. und Tobias T. mit mehrjährigem Freiheitsentzug bestraft.

Im Prozess hat sich im Wesentlichen bestätigt, was den beiden in der Anklageschrift vorgeworfen wurde. Nach einer bereits geschlichteten verbalen Ausein­andersetzung in einem Lokal im Steinweg sind sie laut Anklageschrift im Lohgraben erneut auf den Geschädigten getroffen, haben ihn verfolgt und zu Boden geschlagen. Selbst als ihr Opfer bereits bewusstlos am Boden lag, sollen beide Angeklagte ihn weiter mit Schlägen und Tritten traktiert haben, bis ein außenstehendes Ehepaar in die Situation eingriff und die beiden Täter von weiteren Attacken abhielt.

Daniel S. hat zu Beginn des Prozesses Erinnerungslücken bekundet, die Taten aber im Großen und Ganzen gestanden. Er leide unter ADHS und sei deshalb - besonders dann, wenn er stark alkoholisiert sei - leicht reizbar und impulsiv. Sein Verteidiger Albrecht von Imhoff bezeichnete diesen Zustand als ein "Tier, das hervortritt" und bezwungen werden müsse.

"Versehentlich über den Geschädigten gestolpert"

Tobias T. wollte sich zunächst nicht zur Tat äußern, gab dann aber an, sich an die Tat selbst ebenfalls nicht zu erinnern und womöglich über den Geschädigten "versehentlich gestolpert" zu sein, was eventuelle DNA-Spuren an seinen Schuhen erklären könnte.

Die Augenzeugen zeichneten jedoch ein anderes Bild: Die Ehefrau, die in das Geschehen eingegriffen hatte, erzählte, dass sie sich schützend auf den Geschädigten gelegt habe, um Tritte von Tobias T. abzuwehren. Und auch der Ehemann sprach davon, dass sowohl Daniel S. als auch Tobias T. zugetreten hätten. Sowohl Staatsanwalt Ingo Knecht-Günther als auch Vorsitzende Richterin Jana Huber gingen deshalb davon aus, dass T. versuchte, mit seinen Angaben seine eigene Beteiligung an der Tat zu verschleiern.

Wäre es nach Staatsanwalt Knecht-Günther gegangen, hätten beide Angeklagten eine deutlich höhere Haftstrafe verbüßen müssen. Er plädierte auf versuchten Totschlag, denn die Handlungen der Angeklagten seien potenziell dazu geeignet gewesen, den Geschädigten zu töten. Auch hätten die Angeklagte erst von ihrem Opfer abgelassen, als das Ehepaar dazwischen ging - und das auch, nachdem der Geschädigte deutlich hörbar "Muss ich jetzt sterben?" schrie. Auch nach der Tat hätten sich die Angeklagten nicht um den Geschädigten gekümmert oder dessen Wunden versorgt. Deshalb forderte er für beide eine Haftstrafe in Höhe von fünf Jahren und sechs Monaten.

"Muss ich jetzt sterben?", schrie der Mann am Boden

Verteidiger von Imhoff warf ein, dass die Tritte selbst seinem Mandanten nicht zuzuordnen seien und plädierte deshalb auf gefährliche Körperverletzung.

Auch T.s Verteidiger Andreas Günther plädierte auf gefährliche Körperverletzung und berief sich darauf, dass sein Mandant durch die starke Alkoholisierung nicht in der Lage gewesen sei, die Gefährlichkeit seiner Taten einzuschätzen. Das Gericht sah es als gegeben, dass beide Täter zugetreten hatten, denn auf den Schuhen beider Angeklagten hätte sich sowohl Blut als auch DNA des Opfers befunden. Auch geht Richterin Jana Huber davon aus, dass die Angeklagten "in Tötungsabsicht" gehandelt haben - doch da die Angeklagten nach dem Eingreifen des Ehepaars nicht noch weitere Versuche unternommen hätten, den Geschädigten zu töten, sei von einer gefährlichen Körperverletzung die Rede.

Trotz der hohen Promillewerte - Daniel S. hatte maximal 2,8 Promille im Blut, Tobias T. 2,09 Promille - konnte Richterin Jana Huber bei der Strafbemessung keine mildernden Umstände berücksichtigen, da eine besondere Schwere der Tat vorliege. Sie sah das ähnlich wie Judith Arnstein, die den Geschädigten in der Nebenklage vertrat. Arnstein sprach von einer grundlosen "Hetzjagd" auf ihren Mandanten. Hinzu komme, so die Nebenklage, dass der Geschädigte auch nicht wisse, warum er angegriffen wurde und sich somit auch noch immer die Frage stelle, was er "hätte anders machen können".

Neben den Haftstrafen müssen beide Angeklagte dem Geschädigten Schmerzensgeld von jeweils von 5000 Euro zahlen und sich einer Entzugstherapie unterziehen, da der Sachverständige bei beiden Angeklagten von einer Alkoholabhängigkeit sprach und die Taten auch in Zusammenhang mit Alkohol begangen wurden.