Einen erstaunlich langen Atem hat das zweite Hochwasser, das sich binnen weniger Tage im südlichen Landkreis Coburg ausgebreitet hat. Gestern Abend war es jedenfalls immer noch nicht abzusehen, wann die Kreisstraße CO 1 hinüber nach Hemmendorf wieder für den Verkehr freigegeben werden kann. Angst um den Zustand der Straße brauchen die Verkehrsteilnehmer aber nicht haben, versichert Jürgen Alt, der im Landratsamt für den Fachbereich Tiefbau verantwortlich ist: "Wenn eine Straße mal eine gewisse Zeit lang nasse Füße bekommt, dann macht das nichts."

Wobei der Landkreis, der in der Zeit nach der Gebietsreform in den 70er Jahren die Baulast für die Straße übernommen hat, bei Lahm-Hemmendorf von der Vorleistung der Gemeinde profitiert. Diese hat die Verbindung hinüber nach Unterfranken einst als Betonstraße ausgebaut und der Landkreis später nur eine Asphaltschicht drüber gelegt. Diese Kombination macht stabil, weiß Bauingenieur Alt: "Da tut sich wenig im Untergrund, deshalb haben wir hier nur wenig Probleme." Nur das Bankett hat der Landkreis vor einigen Jahren mit Rasengittersteinen stabilisiert, damit es nicht ausgewaschen wird, wenn das Wasser talabwärts über die Straße fließt.

Sie wissen, wann sie rausmüssen

Mit der Straßenlast einher geht auch die Verantwortung für die Sicherheit der Straße, die meist als erste Verbindung im Coburger Land gesperrt wird, wenn es ein Hochwasserereignis gibt. Das ist dann ein Fall für Edelbert Schöpplein und seine Mannschaft der Straßenmeisterei. "Im Winterdienst ist das überhaupt kein Problem", sagt der Landkreis-Meisterei mit Verweis auf den Dienstplan. Der sieht während der Winterdienstphase von November bis März vor, dass eh immer von 2 Uhr bis 22 Uhr Personal zur Verfügung steht. Es kann also - wie zuletzt Straßenwärter Daniel Carl - immer schnell jemand in den Itzgrund fahren und Sperrbaken aufstellen. "Wenn die Hälfte der Fahrbahn überspült ist", zitiert Jürgen Alt aus der rechtlichen Vorgabe, "müssen wir sperren". Um das vorhersehen zu können, hat Edelbert Schöpplein seine bewährten Kontakte beim Wasserwirtschaftsamt und sogar der Polizei, die auch ab und an mal anruft und vor einer kritischen Lage im Itzgrund warnt. Und natürlich: das Internet. In Tagen wie diesen hat der Landkreis-Straßenwärter die Homepage des Hochwassernachrichtendienstes (www.hnd.bayern.de) immer Blick. "Bei 3,40 Metern Pegelstand in der Schenkenau müssen wir uns spätestens auf den Weg machen", sagt Schöpplein.

Und plötzlich ist sie da, die Itz

Aber am Ende macht die Itz trotzdem, was sie will. Daniel Carl hat's erst am vergangenen Mittwoch erlebt, als er seine Absperrungen aufstellen wollte. Trotz über 3,70 Meter Pegelstand lag die CO 1 gegen 19 Uhr noch sauber und trocken da. Einmal kurz eine Runde über Rossach (wo die Kreisstraße CO 12 auch schnell unter Wasser steht) gedreht, da traute eine halbe Stunde später der Straßenwärter seinen Augen kaum: "Das stand schon über die Hälfte der Straße unter Wasser." Also: Schnell die Absperrbarriere aufgestellt - auch wenn das manch Autofahrer ganz und gar nicht interessiert. Carl ist's dann wurscht: "Das müssen die Leut" selber wissen." Denn rechtlich ist der Landkreis außen vor, wenn Verkehrsteilnehmer trotz aufgestellter Warnschilder eine Straße benutzen und sich im Hochwasser festfahren. Gegeben hat's das schon - "und nicht nur einmal", weiß Jürgen Alt.

Mit in die Verantwortung des Landkreises fällt nicht nur die Kreisstraße an sich. Auch der Steg, der früher die Schüler und heutzutage Massen an Sonntagsausflüglern bei Hochwasser sicher das Itztal zwischen Lahm und Hemmendorf queren lässt, wird vom Landkreis unterhalten. Da schlagen bei Jürgen Alt zwei Herzen in der Brust. Aus Sicht des Tiefbau-Fachbereichsleiters löst die Zuständigkeit ein Seufzen sowie ein "leider" aus, weil sich "immer wieder eine nicht unerhebliche Kostenfrage stellt". Demnächst wieder, weil das Geländer an einer Stelle ausgebessert werden muss. Aber Jürgen Alt wohnt halt auch im Itzgrund. Und als Einheimischer weiß er natürlich, dass der Steg "super Dienste leistet", wenn die Itz mal wieder übers Ufer getreten ist. Deshalb freut er sich, dass ein Abriss der Fußgängerverbindung derzeit "überhaupt nicht" zur Diskussion steht. Das sei schon mal anders gewesen, aber da seien die Itzgründer derart auf die Barrikaden gegangen, dass der Landkreis seine Pläne in den Schredder wandern ließ. Gut so, meint Alt - jetzt sogar offiziell, aber lachend, als Fachbereichsleiter: "Wer den Steg abreißen will, der muss auch mich mit abreißen."