Er ist vier Seiten lang und mit Themen gespickt, die derzeit die Bauern im Coburger Land beschäftigen: Der Brief, den Martin Mittag (CSU) als Landtagsabgeordneter auf Bitte des Kreisverbandes Coburg im Bayerischen Bauernverband an den bayerischen Ministerpräsidenten, Markus Söder (CSU), weitergereicht hat. Es geht um die Existenzkrise der Schweinehalter, die Besteuerung des Dieselkraftstoffs und die strengen Regeln der Düngeverordnung für Landwirte in trockenen Gebieten wie dem nördlichen Bayern.

Martin Flohrschütz, der Coburger Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), sagt's frei heraus: Er hätte den Brief an den Ministerpräsidenten auch gerne persönlich überreicht. Aber er sei zum Festakt "100 Jahre Coburg bei Bayern" nicht eingeladen gewesen, berichtet der Kreisobmann auf Tageblatt-Nachfrage. Ein bisschen verwunderlich sei dies aus seiner Sicht schon, aber für Flohrschütz ist das inzwischen wieder Schnee von gestern: "Ich bin kein Ehrenamtlicher, der sich jetzt lautstark darüber beschwert, dass er nicht eingeladen wurde."

Es wird ein bisschen dauern

Aber ihre Probleme wollen die Coburger Landwirte unbedingt in München schildern - alleine schon deshalb, weil die Vertreter der bayerischen Landesregierung auch im mit Bundesrat sitzen und sich dort für die Belange der heimischen Bauern stark machen können. Da sei so ein Brief durchaus wichtig, sagt Martin Flohrschütz: "Steter Tropfen höhlt den Stein." Das in weiten Teilen ziemlich fachspezifische Schreiben endet mit einem Wunsch des Kreisobmanns: "Wir würden gerne bei einem persönlichen Gespräch in München die vorgetragenen Herausforderungen diskutieren und gemeinsam Lösungen finden."

Ob dieses Gespräch dann gleich beim Ministerpräsidenten direkt stattfindet, da ist sich selbst Martin Mittag als CSU-Landtagsabgeordneter nicht so sicher. Er werde auf jeden Fall Kontakt mit der Staatskanzlei aufnehmen, versichert Mittag. Aber die größeren Chancen sieht er bei Michaela Kaniber (CSU), der bayerischen Landwirtschaftsministerin. Zwar "vielleicht nicht gleich die nächsten 14 Tage", aber mittelfristig glaubt der Abgeordnete durchaus an die Möglichkeit, dass die Coburger Landwirte ihre Sorgen in der Landeshauptstadt vortragen können. Damit wäre auch Martin Flohrschütz schon mal zufrieden: "Wenn es mit dem Ministerpräsidenten nicht klappt, dann wenigstens mit der zuständigen Ministerin."

Das muss man differenziert sehen

Allerdings verweist Martin Mittag darauf, dass die Sache mit der Landwirtschaftspolitik so einfach halt nicht sei. Insbesondere dann, wenn es deutschland- oder gar europaweite Entscheidungen gebe, wo die bayerische Staatsregierung nur wenig Einfluss habe. Aber klar: Als Regierungspartei in Bayern sehe sich die CSU in der Pflicht, die Belange der Landwirtschaft entschlossen zu vertreten, verspricht der Abgeordnete. Wobei Martin Mittag vorab ein bisschen um Verständnis bei den lokalen Landwirtschaftsvertretern wirbt. Selbst auf bayerischer Ebene gebe es extreme Unterschiede, was die Produktionsbedingungen und Erwartungen der Bauern angehe. Ein Beispiel dafür ist die unterschiedliche Niederschlags-Intensität und damit in Folge die Nitratbelastung des Grundwassers zwischen dem regenreichen Süd- und dem trockenen Nordbayern.

Die Kernforderungen aus dem Brief am Markus Söder

Schweinekrise: Trotz steigender Verbraucherpreise sind die Erzeugerpreise für Schweinefleisch dramatisch eingebrochen. Die Folge: Immer mehr Betriebe geben auf. Deshalb fordert Martin Flohrschütz, die verbliebenen Schweinezüchter zu stützen: "Die Politik darf bei den Auflagen für die Schweinehaltung nicht noch ständig die Schrauben anziehen."

Agrardiesel: Martin Flohrschütz sagt: "Die Besteuerung des Dieseltreibstoffs durch Mineralöl- und Kohlendioxidsteuer trifft viele Landwirte hart." Dies betreffe insbesondere Biobetriebe, die für den Verzicht auf Pflanzenschutzmittel auf mechanische Unkrautbekämpfung setzen. Sprich: Viel mit ihren Traktoren auf dem Feld unterwegs sind. Helfen könnte nach Ansicht des BBV, wenn der Freistaat Bayern die Entwicklung von Schleppern, die mit nachwachsenden Rohstoffen betrieben werden können, finanziell stärker unterstützt.

Düngeverordnung: Hier fühlen sich die Landwirte in den Trockengebieten Frankens bei der Umsetzung der verschärften Düngeverordnung alleine gelassen. "Keiner weiß, wie es richtig geht", fordert Martin Flohrschütz eine bessere Abstimmung zwischen der Wissenschaft und den Praktikern aus der Landwirtschaft. Zudem müsse der Freistaat mehr Geld bereitstellen, um die wirtschaftlichen Nachteile für Landwirte in Trockenregionen auszugleichen.