Für Hans-Peter Schönecker, den Fachmann für diesen Bereich bei der Coburger Kreisgruppe im Landesbundes für Vogelschutz (LBV), ist die Sache klar: Die Storchensaison 2021 hat begonnen. Denn Ende der vergangenen Woche hat der Storchenbeauftragte einen Anruf bekommen. Da hieß es: "Ein Storch sucht Futter auf der Wiese in Wildenheid nahe dem Autohaus Wegner." Und siehe da, der Storch ist da. Hans-Peter Schönecker hat ihn sogar gleich bei seiner ersten Kontrollfahrt des Jahres fotografieren können.

Gut: Schon zum Jahreswechsel wurde vermutlich der gleiche Vogel schon einmal in Neustadt gesehen, doch die danach folgende Winter-Witterung gefiel dem Storch offensichtlich nicht. Er machte sich noch mal vom Acker, wie Schönecker von seinen örtlichen Storchen-Beobachtern erfahren hat. "Nach dem 8. Januar hat er ja noch eine sogenannte Winterflucht wegen der Schneelage eingelegt", berichtet der Vogelfachmann. Wird es ihnen zu kalt, können Störche bis zu 300 Kilometer am Tag fliegen und sich dabei wärmere Schlafplätze suchen.

Keine Angst, er hält schon was aus

Aber jetzt ist der Storch wieder da und dürfte nach Lage der Dinge auch nicht wieder wegfliegen. Beim LBV gehen sie fest davon aus, dass der Storch hierbleiben und auf seine Partnerin warten wird - selbst wenn das Wetter unbeständig ist. "Er muss seinen Horst besetzt halten und verteidigen", weiß Hans-Peter Schönecker.

Große Probleme dürfte selbst der vorhergesagte strenge Frost dem Vogel nicht bereiten. Störche können ihr Gefieder gut aufplustern und dadurch warm bleiben. Wichtig ist es, dass es keine geschlossene Schneedecke gibt, die dem Vogel den Weg zur Nahrung versperrt. Genug davon dürfte es noch geben: Störche (sie können nicht riechen) sind nicht sehr wählerisch und dürften gerade aufgrund der aktuellen Hochwasserlage genug Mäuse oder anderes totes Getier in den Flussauen finden.

In Bad Rodach: Alles Frauensache!

Ganz überraschend kommt es für einen Fachmann wie Hans-Peter Schönecker nicht, dass sich schon die ersten Störche im Coburger Land herumtreiben. Der LBV-Storchenbeauftrage hat extra in seinen Aufzeichnungen nachgeschaut und dabei festgestellt, dass 2019 (am 10. Februar) und 2020 (bereits am 30. Januar) die Bad Rodacher Störchin jeweils die erste Rückkehrerin im Coburger Land war. In diesen Fällen war das leicht zu erkennen. Die Vogeldame ist - anders als der Neustadter Storch - beringt und kann über seine Kennung "DER AJ032" leicht identifiziert werden. Dass in Bad Rodach der weibliche Vogel immer zuerst am Platz ist, bezeichnet Hans-Peter Schönecker hingegen als ungewöhnlich: "Erfahrungsgemäß kommen als erstes die männlichen Störche zurück, um den Horst zu sichern."

Im Itzgrund: Nur die Ruhe!

Ein bisschen unübersichtlicher ist die Lage im Itzgrund. Dort haben sich heuer die Storchenpaare in Meschenbach und Scherneck dazu entschlossen, über den Winter hinweg das Coburger Land gar nicht zu verlassen. Immer wieder wurden und werden sie bei der Nahrungssuche neben der Bundesstraße 4 gesehen - für Hans-Peter Schönecker zählen sie deshalb natürlich nicht zu den Rückkehrern. Der Storch, der seit selbst für Vogelkundler überraschend vielen Jahren immer wieder erfolgreich seinen Schlot bei der Kaltenbrunner Brauerei Schleicher verteidigt, wäre hingegen ein klassischer Rückkehrer. Bis er kommt, dürfte es aber noch gut 14 Tage dauern. Der Itzgrund-Storch kehrt nämlich fast immer genau in den Tagen nach dem 20. Februar zurück - da ist er fast so pünktlich, dass man seinen Kalender nach ihm stellen könnte.

Sie haben einen Storch gesehen? Bitte melden!

ie Gruppe der ehrenamtlichen Storchenbeobachter im Coburger Land kann immer Verstärkung gebrauchen. Wir einen Vogel entdeckt, kann jederzeit per Mail seine Meldung an Hans Peter Schönecker machen; hans.peter.schoenecker@t-online.de oder hans.schoenecker@lbv.de. Telefonisch ist der Coburger Storchenbeauftragte unter der Rufnummer 0171/8405565 zu erreichen.