Im Aufwind: Therme Natur Bad Rodach

Auch beim einzigen Thermalbad im Landkreis Coburg ist man vom Chaos mit explodierenden Preisen und coronakranken Mitarbeitern im Bausektor nicht verschont geblieben. Deshalb ist beim Neubau der neuen Blockhaus-Sauna nicht alles so gelaufen wie erhofft. Aus geplanten 240.000 Euro Baukosten sind 320.000 Euro geworden - allerdings auch deshalb, weil das Dach der Sauna für die Installation einer Photovoltaik-Anlage vorbereitet wurde. Beim Zeitplan sieht Thermen-Geschäftsführer Lutz Lange Licht am Ende des Tunnels: "Wir werden zeitnah eröffnen." Wie jetzt: zeitnah? Auf Tageblatt-Nachfrage wird Lange genauer: "Wir hoffen, dass wir noch vor Ostern eröffnen können." Die Zeit der Corona-Zwangspause mit jeweils 158 geschlossenen Tagen aufgrund behördlicher Anordnungen in 2020 und 2021 haben sie in der Therme Natur auch genutzt, um bauliche Veränderungen in Angriff zu nehmen. Aus dem Bistro im Badbereich ist eine "Frischerestaurant" geworden, sagt Lutz Lange. Baukosten hier: rund 75.000 Euro. Hier wenigstens sei man im Kostenrahmen geblieben und habe dennoch eine "völlig neue Qualität" für die Thermenbesucher geschaffen, ergänzt der Geschäftsführer. Ein Lob der Touristiker aus der Region Coburg-Rennsteig gibt es für die Unterstützung aus der Landes- und Bundespolitik. Lutz Lange: "Es wurden Rahmenbedingungen geschaffen, dass kein Betrieb kaputtgehen musste."

21.151 Besucher hatte die Therme Natur im August 2021. Das war ein Wert, der fast an die bisherigen Rekordmonate aus der Vor-Corona-Zeit - Oktober 2019 (mit 21.287 Besuchern) und Oktober 2018 (21.206) - heranreichte.

Unsicher: Terrassentherme Bad Colberg

Stand jetzt: Die zur Median-Gruppe gehörende Therme hat für den Publikumsverkehr geschlossen. Was aber nicht heißt, dass man sich in Bad Rodach darüber freut, dass ein Mitbewerber auf unbestimmte Zeit vom Markt verschwunden ist. Im Gegenteil, sagt Lutz Lange, Geschäftsführer der Therme Natur: "Für uns ist das schlecht, denn wir hatten mit der Partnerkarte 2-für-1 ein hochattraktives Produkt." In der Branche läuft die Rechnung einfach: Jede Therme mehr bringt einer Region auch mehr Besucher. Das hat man südlich des Rennsteigs schon einmal zu spüren bekommen: als die Masserberger Therme geschlossen wurde. "Da sind in der Umgebung die Gästezahlen nach unten gerutscht", berichtet Lutz Lange. Um die Beherbergungsbetriebe im benachbarten Thüringen zu unterstützen, hat das Bad Rodacher Thermalbad seine Partnerschaft ausgeweitet: Inhaber einer Gästekarte für Bad Colberg/Heldburg bekamen über einen Gutschein zehn Prozent Rabatt auf die Drei-Stunden-Karte. Und weil das so gut ankam, weitet die Therme Natur ihr Angebot auf den gesamten Bereich des Tourismusvereins zwischen Untermerzbach und dem Rennsteig aus. Alle Anbieter touristischer Leistungen können ihren Gästen in einer Testphase bis zum 23. Dezember den Zehn-Prozent-Rabatt zur Verfügung stellen. Das ist ein Angebot, das ausschließlich für Übernachtungsgäste gilt. Ohne Gästekarte gibt es keinen Rabatt.

33,7 Prozent der auswärtigen Übernachtungsgäste haben bei einer Umfrage des Tourismusvereins Coburg-Rennsteig die Therme Natur in Bad Rodach als wichtigsten Grund für einen Besuch des Rodachtals angegeben. Danach wurden das Burgenmuseum (16 Prozent) und die Terrassentherme Bad Colberg (13 Prozent) genannt.

Im Trend: Coburger Land als Reiseziel

Martin Schmitz, Wirtschaftsförderer beim Landkreis Coburg, ist zufrieden: "Unsere Strategie geht auf." Seit einigen Jahren fließt nicht wenig Geld aus den kommunalen Kassen in die Tourismusförderung. Mit Erfolg: Das Coburger Land, das einst fast ausschließlich vom Geschäftstourismus lebte, hat sich zu einer Destination für Urlaubstourismus gemausert. Das liegt auch daran, dass es den landkreis- und länderübergreifenden Tourismusverein Coburg-Rennsteig gibt. Martin Finzel, Vorsitzender der Initiative Rodachtal, empfindet die jetzigen Strukturen im Fremdenverkehr genau richtig: "Wir haben eine Größe, mit der wir schlagkräftig sind." Laut einer Erhebung von Coburg-Rennsteig hat es durch die Touristen in der Zeit vor Corona eine Wertschöpfung von 345 Millionen Euro in der Region gegeben. Bei einer Umfrage hat gut ein Viertel der Touristen angegeben, pro Tag zwischen 76 und 100 Euro auszugeben, ein weiteres Viertel sogar noch mehr. Spätestens ab den Osterferien rechnet Dr. Jörg Steinhardt, Geschäftsführer bei Coburg-Rennsteig, mit einem Re-Start im Tourismus. Die Zahl der zuletzt eingegangenen Anfragen jedenfalls stimmt ihn optimistisch: "Die Reiselust ist geblieben." Mit großem Vorsprung steht bei den Gästen der Wunsch nach Erholung ganz oben. "Und da", sagt Björn Cukrowski von der IHK zu Coburg, "ist die Therme Natur ein Impulsgeber für die gesamte Region."

666.365 Übernachtungen hat es im Corona-Jahr 2020 im Bereich des Tourismusvereins Coburg-Rennsteig gegeben. Das waren fast genau 300.000 weniger als vor der Pandemie. Zahlen aus dem Jahr 2021 für das Vereinsgebiet sollen demnächst vorliegen, Bad Rodach hat sie schon: 148.000 Übernachtungen gab es, in etwa die gleiche Menge wie 2020.

Da geht noch mehr: Coburg-Rennsteig

Als Hotelier im "Goldenen Anker" in Coburg sieht Jörg Platsch langfristig gute Chancen für die Tourismusregion Coburg-Rennsteig: "Wir können eine Alternative zu den althergebrachten Reisezielen werden." Dafür brauche es aber das Engagement aller Leistungsanbieter im gesamten Vereinsgebiet. Mit einem erweiterten und gut kommunizierten Angebot könne sich die Region als interessantes Reiseziel etablieren. Was braucht es dafür? Lutz Lange von der Therme Natur wäre es "ein absolut anstrebenswertes Ziel", eine gemeinsame Gästekarte anzubieten. Bad Rodach und Bad Colberg/Heldburg haben so was schon und bieten dadurch ihren Gästen rund 70 zusätzliche Angebote und Ermäßigungen. Mit einer Gästekarte den Erholungsfaktor im Rodachtal mit der Puppen-, Glas- und Spielzeugwelt im nördlichen Vereinsgebiet zu verbinden - das wäre für Lutz Lange ein großer Schritt nach vorne. Langes Geschäftsführer-Kollegin Stine Michel hofft, dass das ab sofort gültige Gutschein-Angebot der Therme für Beherbergungsbetriebe zwischen Sonneberg und Untermerzbach ein Startschuss dafür wird: "Jetzt sind wir auf dem Weg, dass es mal eine Card geben wird, die Coburg-Rennsteig heißen wird." Wie lange man bis zum Ziel unterwegs sein wird, ist schwer zu sagen. Im Kreis der regionalen Touristiker geht man davon aus, dass ein Zeithorizont von drei Jahren realistisch sein könnte.

35,5 Prozent der Herbst- und Winterurlauber suchen in der Region zwischen Coburg und dem Rennsteig vor allem eines: Entspannung. Bei einer Umfrage des Tourismusvereins, an der sich 700 Gäste beteiligt haben, wurden danach "Aktivitäten" (23 Prozent) und der Besuch eines Weihnachtsmarktes (17,6 Prozent) genannt - das alles vor der Zeit der Corona-Pandemie.