Unterhalb des ehemaligen Schlosses entstand mit einem Kostenaufwand von 120000 D-Mark in den Jahren 1968/69 ein Mehrzweckhaus. Dieses löste den alten Bau aus dem Jahr 1951 ab und ist heute immer noch als "ehemaliges Rathaus" in der Bevölkerung bekannt. Auch wenn es seit mehr als zehn Jahren nicht mehr für Amtsgeschäfte genutzt wird, der Geldautomat seit einigen Jahren verschwunden ist und die Feuerwehr ihr eigenes Domizil hat, ist das Gebäude nicht in den Dornröschenschlaf gefallen.

Heute werden nach wie vor die Räume im oberen Stock von den unterschiedlichsten Vereinen genutzt. Durch den Einbau einer Zwischentüre konnte im Eingangsbereich ein separates Foyer geschaffen und ein Defibrillator installiert werden.

Jüngst wurde in Zusammenarbeit von Dorfgemeinschaft und Gemeinde eine Bücherbörse eingerichtet. Diese sorgt nun für weitere Belebung des Gebäudes. Denn künftig haben Leseratten die Möglichkeit, sich quasi rund um die Uhr das ganze Jahr kostenfrei mit Lesestoff zu versorgen. Nach dem System der offenen Bücherschränke, die es in vielen Gemeinden gibt, können dort auch Bücher, Zeitschriften und Co. als Spende abgegeben werden. "Durch diese Bücherbörse ist Hassenberg wieder um eine kleine Attraktion reicher", finden Ulrich Rampel und Katrin Engel von der Dorfgemeinschaft. Bürgermeister Michael Keilich freut es, dass Simone Engel aus der Dorfgemeinschaft ehrenamtlich die Bücherbörse betreut.

Als Hassenberg noch eigenständig war, hatte das Gemeinschaftshaus die Funktion einer Kanzlei mit Sitzungssaal, Amtsräumen des Bürgermeisters und Standesamt. Außerdem gab es verschiedene Nebenräume, einen Schulungsraum für die Feuerwehr und BRK-Bereitschaft, einen Feuerwehrgeräteraum und die Milchsammelstelle. Schließlich war auch eine Nebenstelle der Raiffeisenbank dort untergebracht. Bei der Einweihungsfeier bezeichnete der damalige Regierungsrat Ebner das Gemeindehaus als beispielhaft für den Landkreis Coburg. Zeitweise gab es dort auch eine Außenstelle der Deutschen Bundespost. Neben mehreren Ortsvereinen gehörte auch die Forstdienststelle Hassenberg zu den Nutzern.

Als mit dem 31. Dezember 1971 die Hassenberger Eigenständigkeit endete, gab der Sonnefelder Gemeinderat den damals 786 Einwohnern das Versprechen, das Rathaus in Hassenberg weiterhin zu nutzen. Diese waren etwas beunruhigt, schließlich lag der Ortsteil am weitesten von Sonnefeld entfernt. Bis 2009 waren dort als Verwaltungsmitarbeiter der Gemeinde Margit und Herold Hofmann tätig. Beide hatten für die großen und kleinen Belange der Hassenberger und Wörlsdorfer immer ein offenes Ohr. Die stets hilfsbereite Art und den pflichtbewussten Einsatz der beiden wussten die Einwohner stets zu schätzen.

Nächtliche Werbeaktion

Vor der offiziellen Eingemeindung, die zum 1. Januar 1972 erfolgte, befasste sich der Hassenberger Gemeinderat Anfang August 1971 mit den Plänen der Bayerischen Staatsregierung. Diese sahen vor, dass Hassenberg mit sechs anderen Steinachtalorten aus dem Landkreis Coburg aus- und in den Landkreis Kronach eingegliedert wird. Einstimmig lehnte das Hassenberger Gremium unter Bürgermeister Albert Weiß, den beiden Stellvertretern Harry Heumann und Emmeran Ottinger sowie den Gemeinderäten Arno Engelbrecht, Ernst Günther, Werner "Fritz" Reißenweber, Franklin Oberender, Edgar Wächter, Herbert Zellmer und Horst Schader dieses Vorhaben ab.

Auch das Ergebnis der Bürgerabstimmung im Oktober 1971 bekräftigte den Willen, "coburgisch" zu bleiben.

Das eindeutige Signal der Einwohner und des Gremiums war mehr als verständlich, denn zu Kronach bestand keinerlei Kontakt, während es eine jahrhundertelang gewachsene Bindung zum Coburger Land gab. Selbst eine nächtliche Werbeaktion, die heute noch vielen Älteren in Erinnerung ist, änderte daran nichts. Vor der geheimen Abstimmung der Hassenberger zum Anschluss nach Sonnefeld startete nämlich der damalige Mitwitzer Bürgermeister Hugo Kern samt einiger anderer Kommunalpolitiker eine Flugblattaktion, um das Zusammengehen von Sonnefeld und Hassenberg doch noch zu verhindern. Mit dem Flugblatt sollten die Hassenberger über die Konsequenzen einer Eingliederung nach Sonnefeld aufgeklärt werden. Schließlich vertraten viele aus dem Steinachtal, vor allem aus Mitwitz, den Standpunkt, dass das Steinachtal eine Großgemeinde werden soll. Weil hierfür eine Einwohnerzahl von mindestens 5000 nötig gewesen wäre, hätten sich die Bedingungen für dieses Ansinnen mit Hassenberg wesentlich verbessert.

Um die Hassenberger trotz des vorhandenen Gemeinderatsbeschlusses doch noch zu überzeugen, begab sich der Mitwitzer Bürgermeister samt weiterer Helfer auf "Verteiler-Tour", um jeden Briefkasten mit einem Flugblatt zu füllen. Dabei muss der Trupp sehr vorsichtig und ruhig vorgegangen sein, denn kein Hassenberger hatte die nächtliche Aktion bemerkt und wunderte sich am Morgen über den Zettel.

Trotz dieses engagierten Einsatzes hat es sicherlich lange Gesichter bei Bürgermeister Hugo Kern und seinen Helfern gegeben. Denn die Flugblatt-Aktion hat Geld und Einsatz gekostet und der Plan der Mitwitzer ging trotzdem nicht auf.