Man kann jetzt nicht unbedingt sagen, dass die heimischen Hersteller die erneute Absage der Nürnberger Spielwarenmesse als Präsenzveranstaltung wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen hat. Maximilian Müller von der Firma Festartikel Müller aus Neustadt jedenfalls hätte es eher gewundert, wenn sie nicht ausgefallen wäre: "Sind wir doch ehrlich - die Absage war die einzige Lösung." Und weil man damit habe rechnen können und müssen, war man im Neustadter Stadtteil Thann schon darauf eingestellt. "Wir haben uns in der Vorbereitung heuer eh nicht ganz so sehr ins Zeug gelegt", sagt der Geschäftsführer auf Tageblatt-Anfrage.

Es geht schneller und bequemer

Und überhaupt: Bei den Müllers hängt man das Thema "Spielwarenmesse" eh nicht so hoch. Die digitale Revolution hat es mit sich gebracht, dass der Hersteller für Festartikel heute seine Neuigkeiten auf anderen Wegen präsentieren kann. "Schnell und bequem", erklärt der Geschäftsführer, seien diese Online-Formate der Produktpräsentationen, da warte schon lange kein Händler mehr darauf, was es bei der Spielwarenmesse zu sehen gebe. "Nürnberg ist für uns lange nicht mehr so wichtig, wie es vor 20 oder 30 Jahren mal war", sagt Maximilian Müller. Da komme man durchaus manchmal auf den Gedanken, ob sich der finanzielle Aufwand für den Messebesuch im Vergleich mit dem wirtschaftlichen Ertrag überhaupt noch rechne.

Deshalb der Spielwarenmesse nach jahrzehntelanger Partnerschaft den Rücken zudrehen, wollen die Müllers aber trotzdem nicht. Freilich, sagt Maximilian Müller, gebe es in der Branche der Festartikelhersteller immer wieder mal Stimmen, die Spielwarenmesse sausen zu lassen. Aber am Ende treffe man sich halt doch jedes Jahr in Nürnberg. Warum? Müller lacht ein bisschen verlegen und erklärt: "Die ganze Branche ist dort. Und da will man halt auch nicht der eine sein, der nicht dort ist."

Gleiche Stadt, ein paar Straßenzüge weiter: die Firma Heunec. Dort nimmt Josephine Dransfeld die Absage gelassen entgegen, weil sie längst nicht mehr überraschend kam: "Die erneute Absage der Spielwarenmesse stimmt uns natürlich traurig, doch schlussendlich war diese Absage durch das Auftauchen von Omikron unvermeidlich." Der Schutz der eigenen Belegschaft gehe in pandemischen Zeiten vor. Eigentlich wundert sich Dransfeld sogar über den späten Zeitpunkt der Absage. Bei Heuec, einer der großen Aussteller bei der Messe, hatte man schon vor Weihnachten damit gerechnet, dass der weltweit führende Branchentreff abgesagt wird. Deshalb wird im Statement von Josephine Dransfeld auch leichte Kritik laut, was den Umgang mit der Omikron-Variante des Corona-Virus angeht: "In der Bewertung der Lage wurden aus meiner Sicht von Marktteilnehmern und Organisatoren verkehrte Schlüsse gezogen." Bei der Neuheitenpräsentation und der Pflege der Kundenkontakte setzt man bei Heunec nun auf andere Wege - das sind sowohl die digitale Plattform der Spielwarenmesse als auch eigenen Kanäle.

Schmitz ist optimistisch

Einer, der seit Jahren nicht auf der Spielwarenmesse fehlen durfte und umfassenden Blick auf die Branche hat, ist Martin Schmitz. Der Leiter der Abteilung Wirtschaftsförderung im Coburger Landratsamt bedauert die Absage des Nürnberger Messehighlights auf Nachfrage ausdrücklich. Schließlich sei aus den Berichten der Branchenverbände deutlich geworden, dass Spielwaren in der Zeit der Pandemie gefragt seien wie nie. Deshalb blickt der Wirtschaftsförderer auch optimistisch in die Zukunft, was die wirtschaftliche Lage der heimischen Hersteller angeht: "Die jüngsten Signale aus den Betrieben unseres Coburger Landes sind zuletzt recht gut gewesen." Nichtsdestotrotz: Ihm fehle jetzt im zweiten Jahr hintereinander die Tour, stets gemeinsam mit Landrat Sebastian Straubel (CSU/Landvolk), zur Spielwarenmesse: "Dort gab es den spannenden, gemeinsamen Blick nach vorne, wie er nur bei unseren Besuchen auf der Spielwarenmesse möglich war."

Haba hat eine eigene Messe

Gut vorbereitet war man offensichtlich auch bei Haba. Kaum machte die Nachricht der Absage am Donnerstagabend die Runde, kündigte das Familienunternehmen aus Bad Rodach - einer der international erfolgreichsten und damit auch größten Aussteller der Messe - tags darauf seine "Virtuelle Frühjahrsmesse" an. Termin: 2. bis 6. Februar, also genau an den Tagen, die ursprünglich für die Spielwarenmesse vorgesehen waren. Dort wird es, so berichtet Dana Hanf von der Haba-Presseabteilung, jede Menge Produktneuheiten zu sehen geben. Das alles unter dem Motto "Unsere Reise in die Zukunft geht weiter."