Angela Platsch ist rigoros. "Armut ist weiblich", sagt sie bestimmt. Und das, obwohl Mädchen und junge Frauen beste Schulabschlüsse vorweisen können und hochmotiviert in den Beruf einsteigen. Doch sobald sie Kinder bekommen, eine Familie gründen, wird es schwierig. Und gehen die Ehen in die Brüche, dann bleiben oft alleinerziehende Mütter zurück - mit alle den Problemen, die damit einhergehen.

Deshalb, da waren sich die Frauen vom Frauenstammtisch einig, sei Feminismus auch heute noch aktuell. Denn dabei geht es nicht um Männerhass, sondern um Gleichberechtigung und Menschenwürde, aber auch um das Recht von Frauen auf selbstbestimmtes Leben.


Arbeiten auf 450-Euro-Basis

Wie aber sieht das in der Praxis aus? Angela Platsch kennt eine Reihe von Frauen, die im Coburger Handel auf 450-Euro-Basis arbeiten.
"Die müssen auf Abruf bereitstehen und immer dann einsatzbereit sein, wenn der Arbeitgeber sie braucht - am Vormittag, am Nachmittag, am Abend." Oder aber an den verkaufsoffenen Sonntagen. Die sind im sogenannten Highlight-Kalender der Stadt extra aufgeführt und werden vom Stadtmarketing auch beworben - als Einkaufserlebnis für die ganze Familie. Wer aber denkt dabei an die Frauen, die an solchen Tagen für relativ wenig Geld Familienzeit opfern? "Viele kleinere Geschäfte können sich das gar nicht leisten und die großen hauptsächlich deshalb, weil sie ihre Mitarbeiterinnen eben auf 450-Euro-Basis arbeiten lassen", stellt Angela Platsch fest und wundert sich, dass bisher nur die Kirchen die Stimme erhoben haben gegen diese Form der Sonntagsarbeit.

Denn es gehe hier nicht um medizinische und Pflegeberufe oder etwa das Landestheater. "Wer einen solchen Beruf ergreift, weiß, dass der auch mit Arbeit am Samstag und Sonntag verbunden ist." Doch auch da gebe es ungerechte Bezahlung, ergänzt Nicole Drobuy. Sie arbeitet am Klinikum und verweist auf die im Jahr 2001 gegründete Service-GmbH. "Logistik, Fahrdienst, die Spülküche - alles läuft nur noch über die GmbH. Dort sind Leiharbeiter beschäftigt, die so schlecht verdienen, dass die jungen Männer zum Beispiel kaum in der Lage sind, eine Familie zu gründen." Ja, es trifft auch die Männer. Meist arbeiten aber Frauen in schlecht bezahlten Berufen. Zum Beispiel im sozialen Bereich. "Menschen in sozialen Berufen haben keine Lobby. Aber es gibt besonders dort Nachwuchsprobleme", stellt Angela Platsch fest.


Mittellos im Alter

Was es im Alter bedeutet, im Arbeitsleben schlecht verdient zu haben, erlebt Gisela Schmidt immer wieder. Sie ist ehrenamtlich bei der Coburger Tafel tätig. "Es sind vor allem Frauen, die zu uns kommen", erzählt sie, "weniger Männer." Besonders erschüttert habe sie die Geschichte einer Frau, die sich nie Brot gekauft habe. "Als ich sie darauf angesprochen habe, hat sie mir geantwortet, dass sie das nicht beißen, sich aber auch keinen Zahnersatz leisten könne." Den Frauen vom Stammtisch machen solche Geschichten klar, dass sie sich nicht zum letzten Mal mit dem Thema Feminismus beschäfti gt haben.