Die Staatsanwaltschaft Coburg wirft der Neustadterin Nadine S. eine Vielzahl an Taten vor: Unter anderem soll sie ihre Nachbarn beleidigt und angegriffen, auf das Auto eines Neustadter Rechtsanwalts mit einem Maßkrug eingeschlagen und einen Coburger Stadtrat per SMS drangsaliert und für tot erklärt haben.

Am zweiten Verhandlungstag berichtet auch der Neustadter Kai S. von mehreren Zwischenfällen mit der Angeklagten. Zuletzt soll sie ihn mit einem Schlüsselbund in den Nacken geschlagen haben, als er mit dem Fahrrad in Neustadt unterwegs war.

"Wie nach einem Bombenanschlag"

Vor Gericht gab Kai S. an, die Angeklagte in den 90er Jahren das erste Mal getroffen zu haben. Sie sei die Nachbarin seines Onkels und eine gute Freundin seiner Schwester gewesen. Zunächst habe er sie nur "vom Sehen her gekannt", gesprochen habe er erst mit ihr, als sie den Kontakt zu seinem Onkel gesucht habe.

Zwischen 2017 und 2018 hätte es dann das erste Mal mit der Angeklagten Probleme gegeben: Nadine S. sei an ihn her­angetreten, um ihn darum zu bitten, für sie ein paar Fotos zu machen. Das Fotomotiv: Der Neustadter Rechtsanwalt, dessen Auto laut Anklage von Nadine S. beschädigt worden war, dessen Anwaltskanzlei und die dort beschäftigten Mitarbeiter. Als Grund für die Bitte habe die Angeklagte angegeben, "etwas vorzuhaben".

Da er die Bitte noch an Ort und Stelle ausgeschlagen habe, sei die Angeklagte in den Tagen darauf gegen ihn vorgegangen, sagte Kai S. Zunächst habe sie den Hausflur in seinem Wohnhaus verwüstet, indem sie die dort platzierten Pflanzen "zertrümmert" habe. "Das sah aus wie nach einem Bombenanschlag", schilderte Kai S. In den Tagen darauf habe er zudem bemerkt, dass die Reifen seines Fahrrads komplett ohne Luft waren. Die Ventile waren ausgebaut und nirgendwo zu finden.

Mit dem Schlüsselbund geschlagen

Nachdem er die Vorfälle zur Anzeige gebracht habe, sei bis Anfang Februar 2020 Ruhe gewesen. Dann habe ihn die Angeklagte zu Hause aufgesucht, um ihm mitzuteilen, sie hätte "Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft Coburg gehabt" und wisse deshalb, dass er Anzeige gegen sie erstattet hätte. Sie habe gedroht, ihm nun "das Leben zur Hölle" machen zu wollen. In der darauffolgenden Woche habe sie ihn ständig angerufen - teils auch mit unterdrückter Nummer. Wenn er ans Telefon gegangen sei, sei die Angeklagte am anderen Ende der Leitung gewesen und habe die Drohung, sich an ihm rächen zu wollen, wiederholt, sagt Kai S. "Ich konnte nicht mehr schlafen und musste mein Handy ausschalten - als ich es wieder angemacht habe, hatte ich zig verpasste Anrufe von ihr", erklärt Kai S.

Etwas mehr als eine Woche später habe er auch die wiederholten telefonischen Kontaktversuche zur Anzeige gebracht. Er und der zuständige Beamte hätten insgesamt 59 Anrufe gezählt. Eine Woche später soll sich der Konflikt nach Kai S. Schilderung endgültig entladen haben, als er mit dem Fahrrad in der Neustadter Mühlenstraße unterwegs war. Aus dem Augenwinkel hatte er gesehen, dass er an Nadine S. vorbeigefahren war. Kai S. sagte, diese sei ihm daraufhin gefolgt und habe ihm mit ihrem Schlüsselbund ins Genick geschlagen. Er sei fast mit einem fahrenden Auto zusammengeprallt. Er habe einen Kratzer im Nacken erlitten, es habe "gezogen und gebrannt".

Nach den Ausführungen richtete die Angeklagte Nadine S. selbst Fragen an Kai S., in denen sie andeutete, der Geschädigte habe sich ihr gegenüber in der Vergangenheit beleidigend oder anzüglich geäußert und wolle ihr mit seinen Aussagen schaden. Richter Klaus Halves wies sie streng darauf hin, dass Fragen, die eine Falschaussage des Zeugen implizieren, nicht zulässig seien, und sie stattdessen eine Stellungnahme abgeben könne, wenn der Zeuge entlassen sei.

Die Verhandlung wird am 10. Mai in Coburg fortgesetzt.