Coburg
Wanderfalken

Wanderfalken-Nachwuchs in Oberfranken: Küken erobern Kinderstube

"Piep-Show" mit Wanderfalken: Beim LBV und bei den Vogelbeobachtern über die Webcams ist die Freude über die Küken groß.
 
Drei Küken sind frisch geschlüpft - eines ist noch nicht mal getrocknet.  Foto:  Wanderfalken-Webcam unter www.coburg.lbv.de
Drei Küken sind frisch geschlüpft - eines ist noch nicht mal getrocknet. Foto: Wanderfalken-Webcam unter www.coburg.lbv.de
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Alles wird genau beobachtet im Moment. Und so rief vor einigen Tagen ein Mann ins Telefon der LBV-Geschäftsstelle: "Das erste Wanderfalken-Küken ist geschlüpft!" Genau zehn Minuten zuvor hatte sich das erste Küken im Turm der Coburger Morizkirche mühsam aus dem Ei gekämpft. 33 Tage lang war das Ei ausgebrütet worden. Schon einige Zeit vorher war ein leises Piepen zu hören gewesen, dann hatte eines der vier Eier plötzlich ein kleines Loch. Das Wanderfalken-Weibchen half dem ersten Küken aus dem Ei. Über Nacht schlüpfte dann das zweite Küken und am Tag darauf kuschelten sich schon drei Federbällchen ins wärmende Gefieder der Mutter.

Dies alles ist in der neu installierten Webcam des LBV zu sehen, die man über die Homepage des Coburger Naturschutzvereines www.coburg.lbv.de abrufen kann. Dort finden sich auch Links zu Kurzvideos der wichtigen Ereignisse, wie das Schlüpfen oder die erste Fütterung der wenige Stunden alten Jungvögel.

Küken geschlüpft: Erst eins, dann zwei, dann drei

Nach intensiver Balz ab Ende Februar wurde am 7. März das erste Ei gelegt. Das eigentliche Brüten beginnt typischerweise nach dem dritten Ei, das am Morgen des 12. März gelegt wurde. Ein viertes Ei wurde gelegt. In seltenen Fällen folgt ein fünftes Ei, was in diesem Jahr nicht der Fall war.

Auch die Aufzuchtphase kann jetzt dank der vom LBV installierten Webcams live mitverfolgt werden. "Jetzt beginnt eine wirklich anspruchsvolle Zeit für die Altvögel. Denn der Nachwuchs wächst schnell und hat schon sehr bald richtig Hunger", sagt Bernd Leuthäusser, der für den LBV in vielen ehrenamtlichen Arbeitsstunden die Webcam-Installation organisiert und begleitet hat. "Die ersten zehn Lebenstage hudern die Altvögel den Nachwuchs, das heißt, sie nehmen ihn schützend und wärmend unter ihre Flügel oder die Bauchfedern. Angesichts der aktuellen Temperaturen natürlich besonders wichtig für die Überlebenschancen der Jungen." Es sei keineswegs sicher, dass alle Jungvögel die ersten Tage überleben.

Anschließend folgen circa zehn Tage, in denen sich der Nachwuchs im Horst tummelt - vom Weibchen sorgsam bewacht. Für das Futter ist in dieser Phase hauptsächlich der männliche Falke zuständig. Vom 21. bis 30. Tag wechseln sich Männchen und Weibchen beim Jagen, Bewachen und Füttern der Jungvögel ab. Nach etwa 30 Tagen, also ab Mitte Mai, beginnen die Jungen mit ersten Flugübungen, die schnell intensiver und raumgreifender werden. Die Bewachung wird dann überwiegend vom Männchen übernommen oder bereits ganz eingestellt. Ende Juli bis Anfang August wird sich der Familienverbund auflösen.

Investition in die Zukunft: Bitte um Spenden

Der LBV Coburg, der als gemeinnütziger Naturschutzverein die Installation sowie die laufenden Kosten der Webcam bisher allein trägt, bittet um Spenden und sucht noch Sponsoren, um die Webcam langfristig zu ermöglichen. "Wir freuen uns über jede finanzielle Unterstützung für die neue Webcam", sagt Frank Reißenweber, Vorsitzender des LBV Coburg.

Der Nistkasten in der Morizkirche wurde vor 20 Jahren installiert, die Vogelschützer mussten sich aber bis 2016 gedulden, bis er von den Wanderfalken endlich gefunden und angenommen wurde. Die Kirchturmspitze ist ein optimaler Platz für den Wanderfalken. Hier, ganz in der Spitze des Morizkirchturms, brüten die Wanderfalken in diesem Jahr schon zum fünften Mal in Folge.