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Coburg
Ausstellung

Wanderausstellung zur Weißen Rose in Coburg

Noch bis zum 27. September ist die Ausstellung zur Weißen Rose in Coburg zu sehen. Wir haben mit Neffe von Mitbegründer Alexander Schmorell gesprochen.
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Ausstellung zur Weißen Rose. Foto: Niklas Schmitt
Ausstellung zur Weißen Rose. Foto: Niklas Schmitt
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Fotografieren Sie nicht mich, fotografieren Sie lieber meinen Onkel, sagt Markus Schmorell, Neffe von Alexander Schmorell, einem der der Mitbegründer der Widerstandsgruppe Weiße Rose. Heldenverehrung ist dem Neffen fremd, der zweiter Vorsitzender der Weißen Rose-Stiftung ist. Dementsprechend ist die schon in den 1980er Jahren von Otl Aicher - der mit Inge Aicher-Scholl , der Schwester von Hans und Sophie verheiratet war - gestaltete Ausstellung auch konzipiert.

Einen eigenen Standpunkt

"Das Ziel ist, die Erinnerung an die Weiße Rose aufrecht zu erhalten", sagt Schmorell. Die Texte und Bilder zu den Mitgliedern stellen keine penetranten Fragen an die Besucher, fordern nichts. Die zahlreichen Schulklassen, die auch in Coburg die Ausstellung besuchen, fragt Schmorell hinterher: "Was ist euch wichtig gewesen" - und nicht, wie sie gehandelt hätten.

Für Schmorell ist das ein wichtiger Unterschied. Wenn er über seinen Onkel und die anderen Mitglieder der Weißen Rose spricht, hebt er weniger die Taten selbst hervor, als das, was dahinter steckte: "Was mir so gefällt, ist dass diese jungen Leute in einer schwierigen Zeit eine eigenen Standpunkt entwickelt haben."

Diese Standpunkte beruhten auf Werten und einem Gewissen. Diese kamen aber nicht von alleine. "Sie haben sich ziemlich gebraucht", erzählt Schmorell vom gemeinsamen Austausch, dem Begleiten von Entwicklungen und dem Respekt im Umgang auch mit anderen Meinungen innerhalb der Gruppe.

Hinzu kommt für Markus Schmorell noch die Wahrhaftigkeit, mit der die Standpunkte vertreten wurden. "So etwas wie einen Fake gab es nicht", erzählt er über seinen Onkel. Strategische Winkelzüge oder Lügen seien diesem, auch während der Verhöre, fremd gewesen.

Keine Heldenverehrung

Fremd sind Markus Schmorell auch die Vereinnahmungsversuche, denen die Mitglieder der Weißen Rose unterliegen. Sein Onkel etwa wird seit 2012 als Alexander von München als Neumärtyrer der russisch-orthodoxen Kirche verehrt. Dabei betont der Neffe, dass die Familie zwar durchaus ursprünglich aus dem russischen Ohrenburg kam, aber in religiösen Dingen sehr liberal war.

Sein Verhältnis ist ein anderes: "Ich stelle mir nicht die Frage, was hätte mein Onkel dazu gesagt." Womit Schmorell einen wichtigen Punkt auch der Ausstellung trifft. Denn es werden nur die Mitglieder mit Fotos, Biografien und manchen Zitaten vorgestellt.

Ein Heldenkult wird damit genauso vermieden wie Vorschriften zur eigenen Lebensführung. "Jeder muss für sich schauen", sagt Schmorell und meint damit selbst denken, selbst nachfragen, selbst handeln. Dafür können die Mitglieder der Weißen Rose, sagt Schmorell, als Beispiel dienen.

Persönlich gekannt hat Markus Schmorell seinen berühmten Verwandten nicht. Auch als Jugendlicher habe er sich wenig mit dem Widerstand beschäftigt. Allerdings räumt er auch ein, dass man, komme man aus einer solchen Familie, um eine Beschäftigung nicht herum komme.

Bescheidenheit statt Stolz

Dennoch, und das scheint noch heute seinen Umgang mit der Weißen Rose zu prägen, ist seine Familienzugehörigkeit für ihn kein Grund, stolz zu sein. Die Eltern hätten sehr darauf geachtet, dass sich die Kinder nicht für etwas besseres hielten.

Mit dieser Bescheidenheit begegnet Schmorell auch den Schülern. Auf die Frage, wie er die Trauer in der Familie erlebt habe, antwortet er mit einer lakonischen Ehrlichkeit: "Ich weiß es nicht."

Dann erzählt er aber weiter und von der Selbstverständlichkeit, die es für ihn hatte, dass es einen Schmorell-Platz gab - jede Familie hatte sicherlich einen eigenen Platz, dachte der Heranwachsende damals.

Einmal später wunderte er sich über das geschmückte Schild am besagten Platz. Es war der 13. Juli, dem Tag der Hinrichtung seines Onkels. Das war dann auch der Tag, an dem Markus zum ersten Mal von den Taten und dem Tod seines Onkels erfuhr.

Info:

Gruppe Die Weiße Rose war eine Gruppe von Studenten, die ab Juni 1942 insgesamt sechs Flugblätter vor allem in München verfasste und verteilte. Gegründet wurde sie von den Freunden Hans Scholl und Alexander Schmorell. Später stießen Hans Schwester Sophie sowie weitere hinzu. Eine wichtige Rolle spielte der Professor Kurt Huber.

Die Flugblätter hatten eine steigende Auflage von zuletzt bis zu 9000.Darin riefen die Mitglieder zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus und zur Beendigung des Krieges auf. Im fünften Flugblatt "Aufruf an alle Deutschen" heißt es: "Beweist durch die Tat, dass Ihr anders denkt!" und "Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit, den Ihr um Euer Herz legt."

Am 18. Februar 1943 wurden Hans und Sophie Scholl während der Verteilung des sechsten Flugblattes festgenommen. In Folge wurden insgesamt sieben Mitglieder enttarnt, verurteilt und hingerichtet, Alexander Schmorell am 13. Juli, im Alter von 25 Jahren. Weitere 60 Mitglieder wurden zu langen Haftstrafen verurteilt.

Ausstellung Die Ausstellung ist in der Posthalle, Lohgraben 4, gegenüber dem Seiteneingang zum Kaufhof im 1. Stock zu sehen. Geöffnet ist sie täglich bis zum 27. September von 14 bis 18 Uhr.