Der Coburger Convent (CC) ist ein Dachverband von studentischen Landsmannschaften und Turnerschaften, der sich alle Jahre zu Pfingsten in Coburg trifft. Die Gemeinschaft der pflichtschlagenden Studentenverbindungen sei sexistisch, frauenfeindlich, reaktionär sowie nationalistisch und huldige einem überkommenen konservativen Weltbild, so die Kritik. Etwa 60 Demonstranten zogen vom Bahnhofsvorplatz durch die Mohrenstraße und Spitalgasse zum Coburger Marktplatz. "Gemeinsam Zukunft gestalten statt Eliten bilden" war das Motto der Kundgebung.

Begleitet wurde der Demonstrationszug von einem mindestens genauso großen Polizeiaufgebot. Die etwa einstündige Veranstaltung verlief ohne Zwischenfälle. Die Besucher der Coburger Innenstadt, darunter auch viele Mitglieder von CC-Verbindungen, verhielten sich gleichgültig bis mäßig interessiert. Eher wurde die Kundgebung als Abwechslung im samstäglichen Einkaufsritual angesehen.

Kevin Klüglein, Vorstandssprecher der GrünenJugend Coburg, bezeichnete die im Coburger Convent zusammengeschlossenen Turner-und Landsmannschaften als "seit jeher sexistische Männerbünde". Frauen würden im CC als schmückendes Beiwerk der jungen und alten Herren angesehen. Der Fackelzug am Abend des Pfingstmontags erinnere an die Aufmärsche der NSDAP.

Auch an die "lieben Mitglieder des CC" wandte sich Theresa Scholz. Für die Vorstandssprecherin der Grünen Jugend Coburg sind die Werte des CC zu hinterfragen. Anstatt ewig in der Vergangenheit zu schwelgen, gelte es die aktuellen Probleme der Gesellschaft zu lösen. Dies seien der Klimawandel, der demographische Wandel und die immer größer werdende Schere zwischen Arm und Reich. Es könne nicht vom Couleur abhängig sein, ob man in eine Machtposition gelange.

Die grüne Bundestagsabgeordnete Lisa Badum aus Forchheim und Bezirksvorsitzende der Grünen Oberfranken attestierte dem Coburger Convent, als einzige Neuerung in seiner 150-jährigen Geschichte eine Homepage zu betreiben. "Ansonsten sind die Inhalte nach wie vor stark konservativ." Die Werte des CC widersprechen nach den Worten der Beisitzerin im Bundesvorstand der Grünen Jugend, Anne Steuernagel, einer freien und gleichberechtigten Gesellschaft. Geschichte werde im Verständnis des Bundes revisionistisch dargestellt, die Mensur zeuge von einem falschen Pflichtverständnis.

Für den Coburger Verein "Alternative Kultur" erklärte Jonathan Streuß, "der CC ist für uns ein Sinnbild für Sexismus, für elitäre und autoritäre Strukturen , die es schon 150 Jahre zu lange gibt". Angestrebt würde eine "rein männliche Elitenreproduktion" heißt es in einem verteilten Flugblatt. Joschua Wolf, Beisitzer der Grünen Jugend Main-Saale warb in seiner Rede für eine friedliche Welt voller Gleichberechtigung.