Es wird schon kein schlechtes Omen für die Zukunft am und im Tunnel "Füllbach" gewesen sein. Ausgerechnet beim letzten, aber symbolträchtigsten, Akt der Bauarbeiten hatten die Beteiligten mit einer Panne zu kämpfen. Beim Bagger, der die letzten Zentimeter Berg durchbrechen sollte, zerriss es einen Hydraulikschlauch. So mussten Tunnelpatin Barbara Daumiller-Zeil und die gut 200 Besucher der Durchschlagsfeier ein bisschen länger warten, ehe sich der mächtige Bohrer den Weg ins Freie bahnte.

Matthias Schober, der österreichische Bär und Schichtleiter, nahm die Verzögerung aber gelassen. "So was kann passieren, tut es aber normalerweise aber nicht. Es war aber auch sakrisch dunkel hinter dieser Wand", erklärte der 34-Jährige, nachdem er Daumiller-Zeil - der Frau des Bayerischen Wirtschaftsministers Martin Zeil - einen Blumenstrauß in die Hand gedrückt hatte. Der Feierlaune von Schober und Kollegen tat die kleine Panne aber sowieso keinen Abbruch. Beim Durchstich, dem mit dem Barbara-Tag (4. Dezember) wohl wichtigsten Moment bei Tunnel-Bauarbeiten, wird immer kräftig gefeiert - so oder so.


Nur "Tagesrandhalte" in Coburg?



Zentrales Thema der festlichen Reden war natürlich die Zukunft des Tunnels "Füllbach", der Coburg ab 2017 an die rund zehn Milliarden Euro teure Hochgeschwindigkeitstrasse zwischen Nürnberg und Berlin anbinden soll. Derzeit, das bestätigte der bayerische Bahn-Beauftragte Klaus-Dieter Josel, gehen die Pläne davon aus, dass in Coburg nur am frühen Morgen und späten Abend die Züge halten. "Tagesrandhalt" nennt man dies in der Bahn-Sprache. Aber: Bei der Bayerischen Staatsregierung ist man mit dieser Entscheidung alles andere als glücklich. "Wir können dies nicht akzeptieren", sagte gestern Stefan Schell (Referatsleiter "Schienenverkehr" im Wirtschaftsministerium). Und Schell sparte nicht an Pathos, um die Forderung nach mehr Zügen für Coburg zu untermauern: "Coburg liegt im Herzen dieser Bahn-Rennstrecke. Und ein Herz schlägt nur dann, wenn ihm oft genug Blut zugeführt wird." Erfreuliche Nachrichten hatte Schell aber auch: Die Bundesregierung habe dem Freistaat Gesprächsbereitschaft darüber signalisiert, wie man den Coburger Bahnhof und das Umfeld für die Herausforderungen der Zukunft (auf)rüsten kann.

Ganz zu scheint die Tür für eine Erweiterung der Verbindungen nach Coburg über den Tagesrandhalt hinaus zumindest nicht zu sein. Dies jedenfalls konnte man aus den Aussagen Josels schließen. Der Bahn-Beauftragte war nämlich gestern vor dem Tunnel-Durchstich zu internen Gesprächen beim IHK-Präsidenten Friedrich Herdan und kündigte an, diese "Fachgespräche" noch in diesem Jahr fortsetzen zu wollen.