Tief durchatmen musste Pfarrerin Gabriele Munzert am Beginn ihres letzten offiziellen Gottesdienstes in der Kirche "Zum Guten Hirten" in Dörfles-Esbach, um ihre Emotionen zu beherrschen. Am vergangen Sonntag wurde sie durch Dekan Stefan Kirchberger förmlich in die Ruhephase der Altersteilzeit verabschiedet.

Kirchberger erinnerte daran, dass Gabriele Munzert zwar von ihren kirchlichen Pflichten entbunden sei, aber dennoch weiterhin seelsorgerisch tätig sein darf. "Von wegen letzter Gottesdienst", kommentierte er humorvoll die Anwandlung der scheidenden Pfarrerin in Dörfles, ihren letzten Gottesdienst geleitet zu haben.

Mehrere Stationen

Vor sechs Jahren kam die in Bayreuth geborene Theologin nach Dörfles-Esbach. Nach ihrem Abitur, das sie in Nürnberg ablegte, folgten Studienaufenthalte in Neuendettelsau, Heidelberg, Tübingen und Erlangen. Nach ihrem Vikariat wirkte sie in Ahorn, Neuendettelsau, Coburg (Heilig-Kreuz) und zuletzt in Dörfles-Esbach. Hier teilte sie sich mit Pfarrerin Gabriele Töpfer die Pfarrstelle.

Eine "Halbtagskraft" war Gabriele Munzert allerdings nicht. Aufgrund ihrer Gabe, sich neuen Situationen schnell anzupassen und ohne lange Anlaufzeit auf die Menschen, die ihr anvertraut wurden, einzugehen, wurde sie gern als Vertretungspfarrerin eingesetzt, wenn wieder mal eine Pfarrstelle verwaist war. Dekan Kirchberger verglich Gabriele Munzert mit Figuren auf dem Schachbrett. "Sie war Bauer, Springer, Läufer, Turm, aber auch Dame zugleich", betonte Stefan Kirchberger und ergänzte: "Die Rolle des Turms hat sie nicht gerne übernommen, als Dame behielt sie den Überblick über allem und war nur ihrem König verpflichtet. Der König ist für Gabriele Munzert Gott", betonte Dekan Kirchberger. Er erinnerte daran, dass er Gabriele Munzert als junger Vikar 1988 in Ahorn kennengelernt habe. "Schon damals predigte sie nicht, sie erzählte die biblische Geschichte in modernen Worten", wusste Kirchberger zu berichten. Das Verhältnis zu Gabriele Munzert beschrieb er mit einer Fahrrinne, die damals geöffnet und nie wieder geschlossen wurde.

Keine Predigt, sondern eine hingebungsvolle Erzählung

Für ihren Abschiedsgottesdienst stellte sich die scheidende Pfarrerin die Frage, worüber sie reden solle. "Soll ich das sagen, was ich schon lange sagen wollte, aber nie gesagt habe? Soll ich über meine Erfahrungen aus über 30 Berufsjahren sprechen?", wandte sie sich an die Besucher des Gottesdienstes. Sie kam aber zu dem Schluss, über das zu sprechen, was sie immer getan habe: "Die Verkündung der frohen Botschaft". Sie wich auch jetzt nicht von ihrem Weg ab und predigte nicht, sondern erzählte hingebungsvoll - verbunden mit viel Gestik und Mimik - die Geschichte vom Zöllner Zachäus (Lukas 19, 1-10) und schloss mit den tiefgründigen Worten, die Jesus gesagt haben soll: "Die Gesunden brauchen keinen Arzt, sondern die Kranken."

Ihren Ruhestand wird die beliebte Pfarrerin gemeinsam mit ihrem Mann in ihrem Haus in Selbitz verbringen. "Die erste Zeit werde ich Dinge tun, die bisher liegengeblieben sind", beschrieb Gabriele Munzert in kurzen Worten ihr Leben als Ruheständlerin. Große Hoffnungen setzt sie auch darauf, dass das Coronavirus bald besiegt sei. "Dann werden wir einige Reisen unternehmen", verriet sie abschließend. Wortes des Dankes für ihr segensreiches Wirken in Dörfles-Esbach fand im Namen der politischen Gemeinde Torsten Dohnalek, für die Pfarrer aus dem Dekanat Coburg verabschiedete Pfarrerin Simone Röger ihre Kollegin. Gottes Segen für die Zeit nach Dörfles-Esbach erbat der Vertrauensmann des Kirchenvorstandes, Andreas Waltz. Die Pfarrstelle in der Kirchgemeinde bleibt nicht vakant. Pfarrerin Gabriele Töpfer wurde die Leitung der Kirchgemeinde als Vollzeitstelle durch Dekan Stefan Kirchberger übertragen.