Benjamin Fokken ist ein eher unauffälliger junger Mann. Der 23-jährige und durchaus korpulente Norddeutsche bezeichnet seine Körperstatur als "stabil" und wirkt auf den ersten Eindruck eher zurückhaltend, fast eingeschüchtert. Doch als er seine Geschichte zu erzählen beginnt, herrscht in dem großen Konferenzraum gebannte Stille - und das obwohl, oder gerade weil 300 Jugendliche aus ganz Deutschland seine Lebensgeschichte, die zugleich eine von Mobbing gekennzeichnete Leidensgeschichte ist, hören wollen.

Sie alle sind Medienscouts, die sich auf den teils langen Weg an die Ostsee gemacht haben, um in Rostock drei Tage lang der 3. Bundesjugendkonferenz Medien (BJKM) beizuwohnen - darunter auch neun Medienscouts des Coburger Albertinum-Gymnasiums in Begleitung ihres Lehrers Simon Taeger.


Wichtige Medienerziehung

"Diese Präsenz macht deutlich, welch hohen Stellenwert die Medienerziehung am Albertinum einnimmt", erläuterte Alfons Hrubesch das bemerkenswerte Engagement der Coburger Schüler. Dabei sind Hrubesch und der Opferschutzverband "Opferhilfe Oberfranken" (OHO), dessen Vorsitzender er ist, mitverantwortlich für die hohe Präsenz der oberfränkischen Medienscouts im hohen Norden. Zusammen mit den Medienscouts aus Kronach, Bayreuth und Forchheim waren die Coburger immerhin auch die einzigen "Bayern" in Rostock. Die OHO hat die Grundausbildung von mittlerweile über 150 Medienscouts in Oberfranken initiiert.

Die Zielsetzung der OHO und der Medienscouts, "Prävention ist der beste Opferschutz", war auch das Motto der gelungenen Konferenz in Rostock. "Die dreitätige Konferenz in Rostock war für uns reich an Erkenntnissen und wird unsere Arbeit als Medienscouts an den Schulen spürbar beeinflussen", ist sich demnach auch die Coburgerin Katharina Trapp sicher. Sie wurde wie all die anderen in Rostock anwesenden oberfränkischen Medienscouts von der OHO bereits im Vorfeld der Konferenz für die Rolle als "Medienberaterin" ausgebildet und steht seitdem im Sinne der "Peer-to-Peer-Education" (Schüler bilden Schüler aus) den Mitschülern als "Medienexpertin auf Augenhöhe" zur Seite.


"Wir müssen lauter als die Mobber sein"

Benjamin Fokkens Geschichte als Mobbing-Opfer, der sich eines Tages mittels eines selbst gedrehten You-Tube-Videos gegen seine Peiniger zur Wehr setzt und somit in kurzer Zeit die Aufmerksamkeit von Millionen auf sich zieht, ist ein besonders einprägsamer Augenblick der Rostocker Konferenz, der sowohl bei den Medienscouts als auch bei deren Lehrkräften Spuren hinterließ.

"Ich bin ich - und wir sind viele!" lautet somit nicht nur der Titel des Buches, in dem Fokken von seiner Leidenszeit berichtet, sondern auch die an die Medienscouts gerichtete Botschaft. Sie werden als Ansprechpartner in der Prävention und bei der Intervention von Cyber-Mobbing an ihrer Schule mit ähnlichen Schicksalen konfrontiert werden. "Wir müssen lauter als die Mobber und die Hasser im Netz sein", lautete demnach auch eine Botschaft, die von Rostock ausging.

Wie breit die Lebensgeschichten der virtuellen Welt gefächert sind, machte der Besuch von You-Tube-Star Cheng Loew am zweiten Tag der Konferenz deutlich. Der Kölner ist aufgrund seines "Lifestyles" Vorbild für unzählige Jugendliche und zählt somit zu den "Social Influencern" unserer Zeit, die auch aufgrund ihres scheinbaren Vorbildcharakters für Kinder und Jugendliche die neuen Lieblinge der Werbeindustrie sind.


"Mischt euch ein"

Doch so unterschiedlich die Lebensgeschichten von Fokken und Loew auch sein mögen, für die Medienscouts hatten beide denselben Auftrag: "Mischt euch ein, steht euren Mitschülern zur Seite und beweist digitale Zivilcourage!", so Cheng Loew in Rostock.

Diese Grundeinstellung zog sich wie ein roter Faden durch die Konferenz, die vor allem von zahlreichen Workshops geprägt war. Hier hatten die Jugendlichen bei Themen wie "Darknet", "Hatespeech", "Spielsucht" und "Fake News" auch ausreichend Gelegenheit, eigene Erfahrungen mit einzubringen und sich mit den Medienscouts der anderen Bundesländer auszutauschen und zu vernetzen. Ein gemeinsamer Besuch am Strand von Warnemünde verstärkte das "Wir-Gefühl" der 300 Medienscouts zusätzlich. "Rostock war spitze und ein wichtiger Impulsgeber für unsere Arbeit. Wir können es kaum erwarten, das Erlernte an unserer Schule umzusetzen", resümierte auch Albertinum-Schülerin Anna Höhn das dreitägige "Erlebnis" Bundesjugendkonferenz Medien.


Für Schutz und Prävention

Die OpferHilfe Oberfranken (OHO) ist ein 2016 gegründeter gemeinnütziger Verein, der sich dem Opferschutz und der Kriminalprävention verpflichtet. Dabei steht er vor allem den Personen zur Seite, die durch mit Strafe bedrohte Handlungen geschädigt worden sind. Das kann durch direkte Zuwendungen oder Hilfsmaßnahmen für bedürftige Kriminalitätsopfer geschehen, aber auch durch öffentliches Eintreten für die Belange der Geschädigten - sowohl im Einzelfall als auch im Allgemeinen. Der Erste Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins ist Alfons Hrubesch.