Einen Neujahrsempfang des Oberbürgermeisters gibt es auch heuer nicht. Aber die Gelegenheit, sich an die Coburger zu wenden, lässt sich Dominik Sauerteig (SPD) nicht nehmen. Seit Samstagnacht steht seine Neujahrsansprache online - und sie enthält deutliche Worte. Vom Dank an diejenigen, die nach der Flutkatastrophe im Ahrtal direkt zu Hilfe eilten (darunter auch Beschäftigte des städtischen Coburger Entsorgungs- und Baubetriebs nebst Kanalspülfahrzeug) geht Sauerteig laut Redemanuskript direkt über zu den "Montagsspaziergängen", die als Protest gegen die Corona-Maßnahmen deklariert sind. "Das Bild, wenn hunderte Menschen skandierend durch unsere Straßen und Gassen laufen und dabei ,Freiheit‘ rufen, hat mir mehrere Dinge klargemacht", sagt Sauerteig: "Erstens: Dass hier die Corona-Maßnahmen, die Leben schützen sollen, mit Diktatur gleichgesetzt werden, zeigt, dass viele nicht wissen, was Diktatur wirklich ist. Denn in einer Diktatur dürften diese Mitmenschen nicht mal - wie sie es nennen - spazierengehen."

Zum zweiten hat der OB für sich den Schluss gezogen, dass es mehr Kommunikation brauche. Gerade vor dem Hintergrund der Corona-Einschränkungen. "Hier sehe ich uns als Stadt genauso in der Pflicht wie die Parteien und Verbände." Demokratisches Miteinander und der Diskurs müssten "im Rahmen der Möglichkeiten und der Hygienekonzepte" gelebt werden. Sonst seien Entwicklungen wie in früheren Jahren Pegida und jetzt die Spaziergänge nicht verwunderlich. "Ich sage ein klares ,Ja‘ zur politischen Diskussion und Auseinandersetzung!", betont Sauerteig. Doch die rechtlichen Spielregeln müssten beachtet, die Schwächeren in der Gesellschaft berücksichtigt werden. "Wer in einer Gemeinschaft leben will, muss auf andere Rücksicht nehmen."

In der Kommunalpolitik werde "Bürgerbeteiligung" in Coburg ganz oben stehen, verspricht der OB. Ausweiten will er die öffentlichen Quartiersrundgänge, mit denen er im Jahr 2020 begonnen hatte, weil keine Bürgerversammlungen in geschlossenen Räumen möglich waren. Auch aus diesen Erfahrungen haben er und die Verwaltung offenbar gelernt: Die Besuche sollen nun terminlich besser verteilt werden, um die dort gesammelten Anliegen schneller abarbeiten zu können. Denn es ist noch nicht alles abgearbeitet, was da in Neuses oder im Heimatring vorgebracht wurde. Sauerteig bittet um Geduld und verspricht: "Die Anliegen sind nicht vergessen und werden nach und nach bearbeitet. Es waren wirklich sehr viele."

"Aufbruch" in viele Richtungen

Im Bereich Schlachthof und Güterbahnhof sei der "Aufbruch" mit Händen zu greifen, findet der OB. Die frühere Schlachthof-Kühlhalle ist fast fertig umgebaut, und Sauerteig zeichnete dort seine Video-Neujahrsbotschaft auf. Weiter im Süden entsteht das Globe, daneben wird die Pakethalle saniert, und auf den Rest des Geländes hat die Hochschule ein Auge geworfen. Die kulturellen Zentren und die Hochschule "werden Strahlkraft über Coburg hinaus" entwickeln, ist sich Dominik Sauerteig sicher.

Auch in Sachen Gesundheitsversorgung sei ein "Aufbruch" erfolgt, sagt der SPD-Politiker: Die Entscheidung, ein neues Klinikum auf dem früheren BGS-Gelände zu bauen, werde heuer durch den Grundstückskauf untermauert. Das verbindet der OB laut Redemanuskript mit einem Versprechen: "Alternativen für die dort angesiedelte Band-Szene behalten wir im Blick, wobei hier Landkreis und Stadt Coburg gleichermaßen in der Pflicht stehen."

Um die Ansiedlung von Ärzten werde sich die Stadt weiterhin bemühen, versichert Sauerteig. Zwei haben sich im Jahr 2021 aufgrund der Bemühungen der städtischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft in Coburg niedergelassen.

In Sachen Digitalisierung verspricht der OB ebenfalls einen Aufbruch: Die Stadt werde ihr Online-Angebot ausbauen, und die SÜC hätten zugesagt, bis zum Jahr 2030 das gesamte Stadtgebiet mit Glasfaser zu versorgen.

Aufbrechen will Sauerteig auch beim Klimaschutz und dem lokalen "Green Deal 2030". Dabei sollen die Bürger mitreden dürfen, genauso, wie beim Verkehrsentwicklungsplan. Es gelte, das "Miteinander der verschiedenen Mobilitätsformen" gemeinsam zu entwickeln, sagt Sauerteig.