Das Klinikum Coburg soll nicht mehr Lehrkrankenhaus der Julius-Maximilians Universität Würzburg sein. Klinikdirektorin Dagmar Astrid Wagner erklärte auf Anfrage dazu, zwar habe sie ein solches Gerücht auch gehört, "aber ich habe keine schriftliche Kündigung dazu vorliegen". Daher könne sie auch nichts über mögliche Gründe sagen. Die Universität Würzburg bestätigte auf Anfrage der Redaktion schriftlich die Kündigung.


Nicht vereinbar mit dem Vertrag zwischen der Uni Würzburg und Regiomed

"Es ist in der Tat so, dass eine Kooperationsvereinbarung zur Ausbildung von Medizinstudierenden im Praktischen Jahr (PJ) zwischen der Universität Würzburg und dem Coburger Klinikum als Teil des Regiomed-Klinikkonzerns existiert hat. Diese wurde nun von Seiten der Universität Würzburg gekündigt, womit das Klinikum Coburg in Zukunft nicht mehr Lehrkrankenhaus für Studierende der Medizinischen Fakultät sein wird. Grund für die fristlose Kündigung ist die am 7. März veröffentlichte Kooperationsvereinbarung von Regiomed mit der Universität Split (Kroatien) über die Ausbildung von Ärzten. Eine solche Kooperation ist mit dem Vertrag zwischen der Uni Würzburg und Regiomed nicht vereinbar und stellt einen Kündigungsgrund dar.

Zudem wurde die Kooperation in der Ausbildung von Medizinern unterzeichnet, ohne die Universität Würzburg oder deren Medizini-sche Fakultät zu konsultieren. Die aktuell am Klinikum Coburg tätigen PJ-Studierenden werden vom Dekanat der Medizinischen Fakultät unverzüglich kontaktiert. "Ihnen wird die Möglichkeit geboten, ihre PJ-Ausbildung an einem anderen Ausbildungsort fortzuführen", heißt es in der E-Mail der Pressestelle aus Würzburg.

Wie der Redaktion aus gut unterrichteten Kreisen mitgeteilt wurde, soll Krankenhausdirektorin Wagner das Ende der Zusammenarbeit mit der Universität Würzburg bei einer Betriebsversammlung am vergangenen Mittwoch bekannt gegeben haben. Damit endet eine fast genau 39 Jahre währende Zusammenarbeit zwischen der medizinischen Fakultät der Uni Würzburg mit dem Krankenhaus in Coburg. Am 1. April 1977 nahm das damalige Landkrankenhaus Coburg die Tätigkeit als Lehrkrankenhaus der Universität Würzburg auf.

Anfang des Monats hatte der Klinikverbund veröffentlicht, dass "in Kooperation mit der Universität Split (Kroatien) die Regiomed-Kliniken ein Studienangebot der Humanmedizin einrichten. Durch dieses sollen Nachwuchsmediziner vor Ort in Lichtenfels und Coburg ausgebildet werden und so talentierte ärztliche Fachkräfte an die Region gebunden werden". Am 7. März hatte Regiomed-Hauptgeschäftsführer Joachim Bovelet den Kooperationsvertrag mit der Universität Split unter-zeichnet. "Durch diese Kooperation legen wir richtungsweisend ein Projekt auf, wie dem zunehmenden Ärztemangel in der Fläche entgegen gewirkt werden kann", wird Bovelet auf der Regiomed-Homepage zitiert.

Durch dieses Angebot kann quasi an den Kliniken studiert werden. "Die Kliniken gehen hier eigene Wege", wurde hinter vorgehaltener Hand mitgeteilt. Diese Konkurrenz sei nicht nach dem Geschmack der Universitäten, die ihrerseits um die Zahl der Studierenden fürchteten. Auch werde so der hohe Numerus Clausus etwas ausgehebelt, und das Monopol der Universitäten. Die Hochschulen seien von der Angst getrieben, dass diese Alternative sich ausweite. "Die sind nun etwas beleidigt", so eine Äußerung. Zu hören war aus Regiomed-Kreisen, das Klinikum Sonneberg könne nun ebenfalls den Status des Lehrkrankenhauses verlieren. Dort ist die Uni Jena der Partner.

Ab Oktober 2016 werden 25 Studierende pro Jahr ihr Studium der Humanmedizin aufnehmen. In dem bilingualen Studienprogramm der Universität Split und des Regiomed-Konzerns absolvieren die Studierenden die ersten drei Jahre ihres Studiums in Split. In Kroatien werden die Studierenden auf Englisch unterrichtet. Im vierten Studienjahr wechseln sie nach Oberfranken. Dort verbringen sie die letzten drei Studienjahre.

"Der Begriff Lehrkrankenhaus", so ein profunder Kenner, "wird vielfach überschätzt. Das ist kein großer Verlust." In der Vergangenheit hatten sich die Universitäten die Ausbildungsplätze an den Kliniken viel Geld kosten lassen. Das sei dann peu à peu zurückgefahren worden. Schließlich hätten sich die Kliniken "um die Studenten gerissen, in der Hoffnung, sie später als Ärzte halten zu können", was sich in der Regel nie erfüllt habe. Vorteil eines Lehrkrankenhauses: Ärzte, die am akademischen Lehrbetrieb teilnehmen, müssen sich regelmäßig fort- und weiterbilden.

Auf der Internetseite der Uni Würzburg waren am Gründonnerstag als Lehrkrankenhäuser der Universität noch vermerkt: Klinikum Aschaffenburg, Klinikum Coburg, Leopoldina-Krankenhaus der Stadt Schweinfurt, Juliusspital Würzburg, Missionsärztliche Klinik GmbH Würzburg, Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim und das Klinikum Rothenburg ob der Tauber.