Zwischen Nürnberg und Coburg liegen nicht nur gut 110 Kilometer - offensichtlich auch Welten. Da kann es vorkommen, dass ein Etablissement nicht gleich als solches erkannt wird. Zumindest behaupteten ein 21-jähriger Angeklagter aus Nürnberg und sein 22-jähriger Freund vor dem Amtsgericht Coburg, sie seien nach einer Sauftour "versehentlich" in einem Puff in der Vestestadt gelandet. Dort hatte es dann Ärger gegeben. Eine Bierflasche war Richtung Bordellbetreiber geflogen. Der Wirt beschuldigte den Angeklagten, diese geworfen zu haben. Der stritt alles ab.

Andere Preise als in Nürnberg


Der 21-Jährige blieb bei seiner Version, die auch darin bestand, nicht zu wissen, wo er und sein Freund gelandet waren: "Wir dachten es wäre ein Striplokal", behauptete er anfangs noch mit einem siegessicheren Grinsen. Das verging dem Informatiker aber am Ende der Verhandlung - als Richter Wolfram Bauer ihm eine Geldstrafe von 6570 Euro wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung aufbrummte.

Der Angeklagte und sein Freund befanden sich am späten Abend des 6. August 2011 in besagter Lokalität, und hatten bereits für zwei Bier zwölf Euro hingelegt.

Ihre Verwechslung wollen die beiden erst bemerkt haben, als die Frauen nicht das taten, was sie verlangten. "Wir wollten, dass die Frauen tanzen", sagte der Angeklagte. Doch das war nicht drin. Stattdessen tanzte der kräftige Wirt an. Daraufhin kam es zu einem Streit, auch weil der Angeklagte einen Teil seines Geldes für das nicht ausgetrunkene Bier zurückforderte. Dem Wirt reichte es: Er soll laut Aussagen des Angeklagten und seines Kollegen handgreiflich geworden sein. Der Bordellbetreiber setzte die Betrunkenen an die frische Luft. Als der 53-Jährige dann die Tür des Etablissements schließen wollte, schlug eine halb volle Flasche Bier neben ihm ein.

"Ich habe die Flasche nicht geworfen", sagte der 21-Jährige vor Wolfram Bauer aus. Ein Polizist, der vor Ort gewesen war, gab jedoch an, dass der Angeklagte in jener Nacht zugegeben habe, der Flaschenwerfer zu sein. Auch der Wirt sagte das so.

Der Beschuldigte blieb jedoch bei seiner Version, die auch sein 22-jähriger Freund bestätigte. "Verarschen Sie mich nicht", sagte Wolfram Bauer. Der Richter schenkte dem Bordellbesitzer letztlich mehr Glauben; und verurteilte den 21-Jährigen zu der hohen Geldstrafe, die noch nicht rechtskräftig ist.
Im Übrigen gab der Wirt zu Protokoll, dass die jungen Männer sich in jener Nacht sehr wohl in der richtigen Lokalität wähnten. Sie hätten sich nämlich auch darüber beschwert, dass die Zimmer zu teuer seien: Schließlich habe man in Nürnberg nur 30 und keine 100 Euro wie in Coburg zu bezahlen.