Max Lorenz setzt sich ganz selbstverständlich neben Werner Noack - keine Frage. Die beiden haben sich angefreundet. "Beim Kaffeetrinken", sagt Max und lacht. Nach der Veranstaltung schiebt er Werner mit seinem Rollstuhl nach draußen. Das vertraute Verhältnis, das sie haben, ist offensichtlich. Auch die anderen Menschen mit Behinderung aus der Wefa Ahorn, die zur Abschlussveranstaltung des P-Seminars ins Gymnasium Alexandrinum gekommen waren, sitzen entspannt zwischen den Schülern, hören zu, diskutieren mit. Inklusion wird hier gelebt - nicht nur von der Q12, in der das Thema im Rahmen eines Projektseminars behandelt wurde.
"Wir sind eine Inklusionsschule", erläutert Direktor Herbert Brunner und beginnt ein Gespräch mit Gabriele Zahn. Sie hat eben, wie alle anderen Partner des Projekts aus der Wefa, eine ausgedruckte und geheftete Biografie bekommen, die die Schüler formuliert und mit Fotos illustriert haben. "Wenn irgend etwas nicht stimmt, müssen Sie es sagen", wendet sich der Kursleiter Winfried Bohley an die Gäste. Es kommt keine Beschwerde.
Und dann wird es theoretisch: Die Schüler der Q 12 erläutern, was sie im P-Seminar mit dem Thema "Der Mensch mit Behinderungen im Alter" gelernt haben. Zum Beispiel dass Inklusion mehr bedeutet als Integration, weil inkludierte Menschen vollständig und gleichberechtigt an allen gesellschaftlichen Prozessen teilhaben und sie mitgestalten können. Die Referenten gehen auf den pädagogischen Aspekt der Inklusion ein, beschäftigen sich mit Versorgungsstrukturen, Barrierefreiheit und basaler Stimulation.
Angelika Krause ist das alles viel zu viel Theorie. Sie möchte lieber über ihre Befindlichkeit als behinderter Mensch reden. "Wie steht es denn um die Barrierefreiheit in Coburg?", fragt Winfried Bohley. "Nicht so gut", kommt die Antwort von Paulina Szpurgis. Sie verweist darauf, wie schwierig es für Rollstuhlfahrer oder gehbehinderte Menschen ist, in Gaststätten und dort auf die Toiletten zu kommen. Matthias Emmer vom Vorstand des Diakonischen Werks räumt ein, dass sich in den zurückliegenden Jahren baulich schon vieles getan habe. Aber: "Die Vermittlung von Informationen der Stadt in Schaukästen oder im Internet ist für Menschen mit Behinderung eher ungünstig."

Viel gelernt


Die Schüler hatten im Rahmen des P-Seminars auch bei der Stadt und den Parteien nachgefragt, was in Coburg noch getan werden könnte, damit Bürger mit Handicap noch besser am Leben teilhaben können. Was ist dabei herausgekommen? "Eigentlich haben wir kaum konkrete Antworten bekommen", sagt Mia Beyersdorf. Lediglich Bündnis 90/Die Grünen hätten konkrete Vorstellungen. "Aber deren Anträge werden oft untergebuttert, mussten wir feststellen."
Und was hat den Schülern die Beschäftigung mit dem Thema gebracht? Laura Theimer fand es gut und überraschend, wie aufgeschlossen die Menschen in der Wefa sind. Ihr hat besonders gefallen, dass sie einen Eindruck von der Arbeit dort bekommen hat. Und sie hat gelernt, Jan Schreiber im Rollstuhl zu schieben, was ihr die Hemmungen genommen habe, gesteht sie ein. Jana Stahl hat jetzt, so sagt sie, eine vorurteilsfreie Sicht auf Menschen mit Behinderung. Paulina Szpurgis habe ihr dabei geholfen. Sarah Thim hat von Gabriele Zahn gelernt, dass jede und jeder in der Welt etwas bewegen kann, egal ob gehandicapt oder nicht.
Mia Beyersdorf findet es gut, dass sie mit den Partnern aus der Wefa so gut kommunizieren kann. "Es ist toll, dass sie ihre Zeit für uns geopfert und damit in unsere Bildung investiert haben." Philipp Lehnert war beeindruckt davon, wie offen alle waren, sagt er. "Sie haben sich total schnell auf uns eingestellt."
Einen Satz, den Matthias Emmer in die Diskussion einbrachte, können am Ende der Veranstaltung alle unterschreiben: "Es ist normal, verschieden zu sein."