"Stop, einen Augenblick bitte", sagt der stämmige Mann mit der Sonnenbrille. Er ist schwarz gekleidet, trägt einen Mundschutz und weiße Einweghandschuhe. In den Händen hält er eine orangefarbene Papiermaske. "Einmal bitte aufziehen", sagt er höflich, aber bestimmt. Die Kundin befestigt die Bügel ihres Mundschutzes hinter ihren Ohren und betritt den Obi auf der Lauterer Höhe. Der Sicherheitsmitarbeiter klickt seinen Zähler – nur 150 Kunden dürfen sich gleichzeitig im Baumarkt aufhalten. Jeder mit Maske, auch ein Einkaufswagen ist Pflicht – deren Anzahl ist genau abgezählt. Die restlichen Menschen warten in einer kleinen Schlange vor dem Eingangsbereich. Die ist mit Bauzäunen vom Parkplatz abgegrenzt. Die Meisten halten mehr Abstand als gesetzlich vorgeschrieben – Drängler gibt es keine.

Improvisierter Mundschutz

Im Inneren ein ähnliches Bild: Disziplin, Abstand und zielstrebiges Einkaufen. Auch Oliver Zimmer weiß genau, was er braucht. Der 30-jährige Lautertaler sucht ein Schweißblech für den Unterboden seiner Vespa.

"Den Einkaufswagen brauche ich eigentlich gar nicht", sagt er. Seine Stimme klingt gedämpft – das blaue Tuch über seiner Nase ersetzt den Mundschutz, den der Sicherheitsdienst am Eingang ausgibt. "Nach dem, was man so liest, ist ein Schutz schon sinnvoll. Das Vermummungsverbot ist ja auch erst mal aufgehoben worden", sagt er und zeigt auf sein Tuch.

Für ihn bedeutet der Besuch im Baumarkt ein Stück zurückgewonnener Normalität. Er kann sich vorstellen, dass auch andere Geschäfte problemfrei wieder öffnen können – disziplinierte Menschen vorausgesetzt. "Die Läden selbst sind ja nicht das Problem. Vielmehr geht es darum, dass volle Fußgängerzonen vermieden werden. Ich denke aber, dass das in kleineren Städten wie Coburg

weniger zum Problem wird", erklärt er.

Auch Sergej Hermann ist optimistisch, wenn er an die Öffnung anderer Geschäfte denkt: "Ich denke, das ist kein Thema. Hier funktioniert's doch auch." Den ausgegebenen Mundschutz hält er für sinnvoll – ein bisschen unbequem sei das Pappgestell aber trotzdem.

Nach den Wochen der geschlossenen Baumärkte hat sich bei dem 28-Jährigen der Materialbedarf angestaut. Er will auf seiner Privatbaustelle vorankommen. "Ich bin motiviert", sagt der 28-Jährige lachend. Ein Blick auf seinen Einkaufswagen lässt daran keine Zweifel: Vier 25-Kilosäcke voller Zement sollen helfen, seine Terrassenbaustelle fertig zu stellen.

Felix Baumann hat ebenfalls ein privates Projekt. Die Farbeimer, die der 40-Jährige in seinem Wagen durch die Gänge schiebt, braucht er für seine eigenen vier Wände. In vielen Fällen zieht er den Einkauf vor Ort vor. Online fehle die Beratung – in einem Geschäft könne er sich besser informieren.

Klare Ordnung im Kassenbereich

Als es für die drei Männer ans Bezahlen geht, müssen sie sich an den Abstandsmarkierungen am Boden orientieren. Die einzelnen Schlangen sind mit provisorischen Trennwänden abgegrenzt. Nachdem die Dame hinter der Plexiglasscheibe das Geld entgegengenommen hat, geben die drei ihre Einkaufswagen am Ausgang ab. Dort desinfiziert das Sicherheitspersonal die Griffe und parkt die Wägen im Eingangsbereich. Die Schlange ist verschwunden – der ganz große Ansturm nach dem "Shutdown" ist ausgeblieben.