Der Weihnachtsbaum hat sich, laut landläufiger Meinung, aus dem Paradiesbaum entwickelt, der bei den mittelalterlichen Paradiesspielen am 24. Dezember verwendet wurde. Der gläserne Christbaumschmuck wurde seit der Mitte des 19. Jahrhunderts vor allem durch Heimarbeiter in Thüringen angefertigt, hat aber auch in Neustadt Tradition. An die will Ralf Hömerlein anknüpfen, der vor kurzem mit der Oberfränkischen Glas in Neustadt einen Traditionsbetrieb übernommen hat.
Einer Legende zufolge stammt die Idee, farbige Kugeln aus Glas für den Christbaum herzustellen, von einem armen Lauschaer Glasbläser, der sich im Jahr 1847 die teuren Walnüsse und Äpfel nicht leisten konnte. Erhalten ist das Auftragsbuch eines Glasbläsers, in dem 1848 zum ersten Mal ein Auftrag über sechs Dutzend "Weihnachtskugeln" in verschiedenen Größen vermerkt ist. Bereits im Jahr 1880 importierte der US-Amerikaner Frank Winfield Woolworth die ersten Christbaumkugeln in die Vereinigten Staaten. Dadurch wurde die Produktion in der thüringisch-fränkischen Region stark ausgeweitet.
Am 15. November 1948 gründeten die beiden Neustadter Kaufleute Fritz Rempel und Werner Luthardt die "Oberfränkische Glas und Spielzeug KG, Fritz Rempel Company". Das junge Unternehmen handelte hauptsächlich mit Christbaumschmuck aus Lauscha. Fritz Rempel ließ sich auch durch die Grenzziehung, die Ost- von Westdeutschland trennte, nicht entmutigen und auf seine Initiative hin wurde 1956 mit dem Bau einer Glasbläsersiedlung begonnen. "Bereits auf der ersten Spielwarenmesse 1949 war unser Unternehmen vertreten", berichtet der frühere Inhaber Ralf Rempel.
Durch den hohen Exportanteil der Firma hat die Messe in Frankfurt auch heute noch eine große Bedeutung. Mitbegründer Werner Luthardt schied 1970 aus der Firma aus, dafür trat der Sohn von Fritz Rempel, Ralf ein. 1972 erfolgte der Umzug in die Eisfelder Straße 54, dem noch heute bestehenden Firmensitz. Seit dieser Zeit wurde auch selbst produziert.
Seit 1. Januar 2012 ticken die Uhren in der "Oberfränkischen Glas" ein wenig anders. Mit Ralf Hömerlein hat ein junger Mann die Zügel in die Hand genommen. Nach langen Verhandlungen konnte sich Ralf Rempel mit Hömerlein auf den Verkauf "seines Babys", wie er gern seine Firma nannte, einigen. Eine Entscheidung, die wohl richtig war. Denn Rempel wollte mit Erreichen seines 63. Lebensjahres die Firma abgeben. Seine soziale Verantwortung gegenüber teils langjährigen Mitarbeitern, Zulieferern und Saisonkräften verbot es ihm, den Schlüssel ins Schloss zu stecken und die Firma einfach abzuschließen.
Hömerlein, der viele Jahre als studierter Betriebswirt im Angestelltenverhältnis als Geschäftsführer unter anderem bei dem Deko-Artikel Hersteller Drescher in Schwebheim tätig war, erfüllte sich mit dem Kauf der "Oberfränkischen Glas" seinen Traum von der Selbstständigkeit. Das gut geführte mittelständische Unternehmen in Neustadt liegt genau auf seiner Wellenlänge. "Ich kann auf das hochwertige und umfassende Sortiment mit über 5000 Formen zurückgreifen, aber auch neue Formen und Farben auf den Markt bringen". Und auch hier will er neue Wege gehen.
Bislang war der Hauptabnehmer der Neustadter Firma, der amerikanische Markt. Hömerlein will verstärkt aber auch den europäischen Markt, hier insbesondere Österreich, Schweiz und Deutschland erschließen. Das erfordert neue Vertriebswege und "vor allem werden wir einen eigenen Katalog über unsere Produkte erstellen, so dass unser Außendienst dem Kunden auch etwas vorlegen kann", so Hömerlein.
Ein guter Start war für den neuen Inhaber die Frankfurter Messe "Christmas World" im Januar. Über Ralf Rempel lernte er die zahlreichen Kunden persönlich kennen, was er dankbar angenommen hat, ebenso wie die weitere vorübergehende Mitarbeit von Rempel in der Neustadter Firma.
Kurz vor Heiligabend wurden die Mitarbeiter vom Verkauf der Firma in Kenntnis gesetzt und ihnen der neue Chef vorgestellt. "Es war zu spüren, dass die Mitarbeiter erleichtert waren, dass die Firma weiter geführt wird", so Hömerlein, der schon in den ersten Wochen die gesteigerte Motivation erkennen konnte. "Einige kamen direkt an meinen Schreibtisch und brachten Vorschläge mit, wie was geändert oder verbessert werden könnte. Das hat mir sehr imponiert."
Hömerlein will auch weiterhin auf hochwertige Produkte setzen und damit das bestehende Potenzial in Europa ansprechen. "Ich habe gelernt, Prozesse anders anzugehen und werde Veränderungen nach und nach umsetzen, ohne die Mitarbeiter zu überfordern", zeigt der 44-Jährige auf.
Dankbar ist Ralf Hömerlein auch der Neustadter Wirtschaftsförderin Sandra Franz, die sich bei dem Verkauf der Oberfränkischen Glas sehr engagiert eingebracht hat. "Ein solches Engagement ist ein großes Plus für die Stadt Neustadt", betonte Hömerlein. che