Denn statt leuchtendem Bigband-Lack tritt mit Sydney Ellis die ursprüngliche, unmittelbare Musik der Afroamerikaner ins Rampenlicht, rauh, hart im Jahrhunderte überlieferten Schmerz, mit unerschrockenem Temperament und Witz und Wut sich hinweg schwingend über die Düsternis bis in den alles durchdringenden Lebensjubel.

Da muss man mit als Zuhörer, erst Recht, wenn Sydney Ellis bei diesem neuerlichen Auftritt hier in der Region vor allem die rock'n rollige, rockigere Fortführung des Blues toben lässt.


Diese erstaunliche Stimme

Waren es vor zwei Jahren auf der Ernstfarm eher die dunklen, stimmlich in sämtlichen Nuancen ausgemalten Geschichten, die Sydney Ellis zelebrierte, so ließ die erstaunliche Stimme diesmal auch ihre elektronisch betonte "Yes Mama"-Band in den Vordergrund treten mit immer wieder ausgefeilten Soli an Orgel und E-Gitarre.
Yes Mama, übrigens! So viel Leben in dieser zierlichen, schönen, scheinbar zeitlosen Gestalt.


Späte Karriere

Warum steht sie nicht auf den großen Bühnen, auf denen diese anderen, nicht unbedingt besseren amerikanischen Röhren stehen? Sydney Ellis brachte erst schnell mal fünf Kinder zur Welt, bevor sie sich mit 44 Jahren in die Musik stürzte. Mit 65 lebt sie, durch die Welt ziehend, offensichtlich kompromisslos den Blues.


Stationen

Sydney Ellis wurde 1947 in West Virginia geboren und wuchs in Cleveland, Ohio, auf. Ab 1991 trat sie als Frontsängerin diverser Bands in Los Angeles auf, bevor sie ihre eigene Band gründete. Seit 1995 tourte sie durch 25 Länder mit unterschiedlichen Programmen, ursprünglichem Blues und Soul, Jazzigem nur von Piano begleitet, bis zu großen Gospelkonzerten. Über das Internet sind fünf CDs zu beziehen.