Alte "Siemauer Häuser" in einem Buch abzubilden, ist normal kein Problem. Aber mit dem Wissen, dem Können und dem Werkzeug,das Johannes Gutenberg im 15. Jahrhundert zur Verfügung stand, ist es schwierig. Diese Aufgabe stellte sich die BUND-Jugend im Ortsverband Untersiemau. Mit dieser Aktion sollte der Beginn des 25. Jubiläums der Gruppe eingeläutet werden.

Die Organisatoren Otto Ruppert und Peter Schumann fanden mit dem Maler und Kunsterzieher Robert Reiter aus Haarth und dem Dichter Ingo Cesaro aus Kronach zwei namhafte Künstler, die den jungen unerfahrenen "Künstlern" Anleitungen und Hilfeleistungen geben konnten. Die katholische Kirchengemeinde Untersiemau stellte ihren Saal zur Verfügung.

Die Arbeitsschritte für den dreitägigen Kurs lauteten: Text erstellen, Text setzen, Text drucken, radieren und drucken sowie zum Schluss noch binden. Der Text wurde im ältesten Druckverfahren hergestellt, dem Hochdruck. Mit den losen Lettern, die Ingo Cesero mitbrachte , wurden die Buchstaben zu Wörtern und Sätzen zusammen gefügt, der Zeilenabstand mehrmals geprüft und jede Seite mit der "Nudel" ( Farbroller) im Hochdruckverfahren hergestellt. Mit diesem Verfahren war es möglich, mehre Seiten mit dem selben Text zu bedrucken.

Verwendet wurde nasses Papier, das die selbst hergestellte Farbe auf Leinölbasis besser aufnahm. Im Saale waren Wäscheleinen gespannt, um diese Blätter zu trocken. Dieses Verfahren wurde noch bis in die 1970 Jahre für die Herstellung von Büchern verwendet.

Für die Herstellung der Grafiken musste ein anderes Verfahren, der Tiefdruck, gewählt werden. Von den Ansichten der Häuser wurden seitenverkehrte Kopien gefertigt. Darauf kam eine durchsichtige Asttralon-Folie. Mühselig , fingerfertig und zeitaufwendig wurden mit einem Diamantstichel die Konturen der Bilder in die Folie geritzt und gedrückt. Es entstanden einmalig schöne Motivtafeln.

Die erhöhten Striche wurden geschwärzt und kamen in die Handdruckpresse. Diese manuell hergestellten, künstlerischen Tiefdrucke haben als Erkennungszeichen einen durch den Druck ins gefeuchtete Papier geprägten Plattenrand, die sogenannte Facette. Nach jedem Druck wurden die Tafeln neu eingeschwärzt . Da auch bei jedem Druck die Konturen schwächer werden, konnten nur sehr wenige Originale der Grafiken mit der verwendeten Handdruckpresse erstellt werden.

Diese uralte Druckpresse benutzt Robert Reiter für seine Grafiken heute noch. Aufgrund der Feuchtigkeit der verwendeten Papiere entsteht bei der anschließenden Trocknung eine unterschiedliche Schrumpfung der Bögen. Und jeder Druck kann eine andere Tönung aufweisen. Daher wird auch jedes Buch ein Unikat werden. Heinz Stammberger