Am zweiten Tag der Hauptverhandlung im Prozess gegen eine 47 Jahre alten Seßlacher, der im Dezember vergangenen Jahres seine Mutter getötet haben soll, zeichnete sich ab, dass es wohl mehr als die bisher angesetzten drei Verhandlungstage geben wird. Um die Beweisaufnahme abschließen zu können, müssen noch einige Zeugen gehört werden.

Der wegen Totschlag angeklagte Mann, der unter einer psychischen Erkrankung leidet, war zum Tatzeitpunkt nicht schuldfähig. Derzeit befindet er sich in einem Bezirksklinikum. Für ihn geht es um eine Sicherungsverwahrung.

36 Schläge mit Gegenständen

Das gerichtsmedizinische Gutachten hatte ergeben, dass der Mann seine Mutter mit einer Glasschale und einem Hammer erschlagen haben muss. An den mindestens 36 Schlägen, die vor allen Dingen gegen den Kopf ausgeführt wurden, war die Frau innerhalb weniger Minuten gestorben. Der Sohn ließ sie im Wohnzimmer liegen.
Wie schon am ersten Verhandlungstag bestätigte heute eine weitere Zeugin den seltsamen Charakter des Angeklagten: "Es bestand eine Wahnsinnsangst bei vielen Leuten in Seßlach!" Aber auch das extreme Verhältnis von Opfer und Täter beschrieb sie ausführlich. Sie berichtete, dass der Mann sehr aggressiv war.

Der Mann wollte niemanden im Haus oder auf dem Grundstück haben "Er hat uns angeschrien, dass wir das Grundstück nicht betreten sollen." Weil seine Mutter diese Konfliktsituationen offensichtlich vermeiden wollte, habe sie sich in den letzten Jahren auch immer mehr zurückgezogen. "Sie hat immer gesagt, dass sie als Mutter doch da sein muss, aber sie hatte immer Angst", erklärte die Zeugin. Am meisten wohl davor, dass der eigene Sohn sie aus dem Haus treiben wollte.

Dass der Mann wohl tatsächlich großes Interesse daran hatte, Eigentümer des Hauses zu werden, bekunden notarielle Schriftstücke, die die jeweiligen Interessen des Sohnes oder der Mutter vertraten. Bereits 2011 hatte der Sohn einen Notar beauftragt, der Mutter den Vorschlag zu unterbreiten, dass sie ihm unbedingt das Haus überschreiben möge.

Die Mutter ließ seinerzeit durch ihren Notar antworten, dass eine Überschreibung auf gar keinen Fall infrage käme und das Erbe nach ihrem Tod per Testament geregelt sei. Etwas später hatte ein von ihr beauftragter Notar ein Schriftstück an den Sohn verfasst, in dem er diesen aufforderte, mehr Rücksicht auf die Mutter zu nehmen und sie nicht weiterhin ständig grundlos zu belästigen. In dem Dokument heißt es weiter sinngemäß: Sei er weiterhin seiner am Herz erkrankten Mutter gegenüber derart respektlos, bliebe der Frau nichts anderes übrig, als ihn aus dem Haus zu werfen und ihm keine finanzielle Unterstützung mehr zukommen zu lassen.
"Es ist nicht verwunderlich, dass das so eingetreten ist, weil sich die Lage zusehends verschlimmert hatte", erklärte die Nachbarin, der dieses Verhalten des Sohnes nicht verborgen geblieben war.

Um ein schärferes Bild vom Zustand und eine Prognose zur Gefährlichkeit des Angeklagten erhalten zu können, wurden noch Zeugen geladen. Eine Ärztin aus der Klinik, in der der Seßlacher sich gerade befindet, eine Frau, die der Angeklagte während einer Zugfahrt belästigt haben soll und ein Polizeibeamter werden für den 16. Oktober erwartet. Auf der Vernehmung einer anderen Nachbarin, die sich derzeit krank in einem Münchner Klinikum befindet, besteht der Angeklagte vehement.

Da die Frau nicht transportfähig ist, wird die Kammer möglicherweise zur Zeugenvernehmung nach München reisen müssen, sofern der dortige Arzt die Frau überhaupt als vernehmungsfähig einstuft. Die Verhandlung wird am 16. Oktober, um 14.30 Uhr fortgesetzt.