Karsten Schieseck, der Verteidiger des 21-Jährigen Coburgers Jerry J., der wegen Totschlags der 16-jährigen Linda H. im März zu elfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden war, hat Ende Juni Revision eingelegt. Rechtsanwalt Schieseck kündigte nach dem Urteil an, er wolle die schriftliche Urteilsbegründung abwarten, ehe über eine mögliche Revision entschieden werde. Sein Mandant war vom Schwurgericht am Landgericht Coburg nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt worden und nicht - wie von Schieseck gefordert - nach Jugendstrafrecht. Genau darum geht es jetzt im Revisionsantrag der Verteidigung. Die Staatsanwaltschaft, so Pfab, habe auf eine Gegenerklärung verzichtet.

Der Erste Senat des Bundesgerichtshof in Karlsruhe muss nun die Begründung der Revision prüfen und entscheiden, ob das Urteil ganz, teilweise oder gar nicht aufgehoben wird. Bis eine Entscheidung getroffen ist, könnten allerdings durchaus einige Monate vergehen. Sollte der BGH zur Auffassung kommen, dass die Frage "Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht?" im Prozess vor dem Landgericht nicht ausreichend geklärt worden sei, müsste man in diesem Punkt erneut in die Beweisaufnahme eintreten. Der Tathergang und die Zeugenaussagen stehen dabei allerdings nicht mehr zur Debatte. Jerry J. hatte Linda H. über das Internet kennengelernt. Am 8. April 2011 kam es in Jerrys Wohnung in Scheuerfeld zu einem heftigen Streit, im Verlauf dessen Jerry die 16-Jährige mit Hammerschlägen und Messerstichen tötete.