Der Kampf um einen der besten Niststandorte im Coburger Land hat jetzt offensichtlich einem Storch das Leben gekostet. Wie Hans-Peter Schönecker, der Storchenbeauftragte der Coburger Kreisgruppe im Landesbund für Vogelschutz (LBV), mitgeteilt hat, ist am Montagmorgen ein toter Storch auf dem Gelände am Schlossplatz gefunden worden.

Zwei schwere Verletzungen

Hans-Peter Schönecker machte sich nach dem Hinweis eines Hausbesitzers auf den Weg in den Itzgrund. Dort lag der Vogel, der Finder hatte das Tier auf Wunsch des Storchenbeauftragten extra nicht berührt, um die Suche nach der Todesursache nicht zu erschweren. Hans-Peter Schönecker musste beim ausgewachsenen und gut genährten Storch nur das Brustgefieder ein bisschen zur Seite schieben, ehe er die ersten Hinweise auf die Todesursache fand: An seiner Körperseite hatte der Storch blutende Stichverletzung im Brustmuskel, eine weitere blutende Stelle im Unterbauch war ebenfalls deutlich zu erkennen.

Für den Storchenbeauftragten des LBV war schnell klar: "Bei diesem Storch ist keine Untersuchung der Todesursache notwendig, weil ein Fremdverschulden mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden kann." Es wird wohl beim Kampf um den Horst auf dem Bauernhaus neben der Schlosskirche passiert sein, dass sich der knapp dreieinhalb Kilo schwere Vogel seine tödlichen Verletzungen zugezogen hat. Noch am Montagnachmittag brachte Hans-Peter Schönecker den toten Vogel ins Coburger Naturkundemuseum, wo ihn eine Tier-Präparatorin untersuchte. Ergebnis: Die leicht blutende Verletzung im Brustbereich dürfte nicht die Todesursache gewesen, sondern eher die tiefe Wunde im Unterbauch. Dass der Vogel nach dem Kampf offensichtlich nicht mehr fliegen konnte und dann direkt auf den Weg unterhalb des Storchenhorstes stürzte, bestärkt die Annahme, dass es einen heftigen Kampf um den Nistplatz gegeben haben muss. Wie genau dieser abgelaufen ist, lässt sich nicht mehr klären - Zeugen gibt es nämlich keine. Vermutlich haben sich aber die beiden Lahmer Altstörche mit Hieben ihrer spitzen Schnäbel gegen den anfliegenden Storch gewehrt.

Attacken gibt es öfter

Dass vorbeiziehende Störche einen bereits besetzen Horst übernehmen wollten, kommt gar nicht einmal so selten vor. Gerade bei gut gelegenen Nestern in unmittelbarer Nähe von Nahrungsgebieten hat man schon mehrfach von versuchten "feindlichen Übernahmen" gehört. Der Coburger Storchenbeauftragte ist im Mai 2016 sogar selbst einmal Zeuge geworden, als es im Itzgrund einen heftigen Kampf um den Nistplatz auf dem Schlot der Brauerei Schleicher gegeben hat. Schönecker schaffte es sogar, die Attacke zu fotografieren - dem alteingesessenen Kaltenbrunner Brutpaar gelang es dabei, den Angreifer zu vertreiben. Aus der jüngeren Vergangenheit kann man sich in der Dörfleser Geschäftsstelle des LBV aber an keinen Horstkampf mit tödlichem Ausgang für einen ausgewachsenen Vogel erinnern. Gefährdet sind da eher Jungvögel, wenn es im Mai oder Juni noch zu Angriffen von Fremdstörchen kommt. "So etwas endet auch manchmal mit der Vernichtung der Eier oder der schon geschlüpften Jungen", erklärt der Storchenbeauftragte.

Nicht alle Störche fliegen in den Süden. Warum - das lesen Sie hier

Derzeit läuft in Mitteleuropa die Rückreisewelle der Störche aus ihren Winterquartieren im südlichen Europa. Einige Wochen wird es noch dauern, bis ein verlässlicher Überblick über die aktuelle Storchenpopulation im Coburger Land möglich ist. Die meisten Störche kehren zwar wohlbehalten zu ihren Sommernistplätzen zurück - aber die Gefahren lauern überall. Obwohl der Storch eigentlich kaum natürliche Feinde hat, können witterungsbedingte Naturereignisse (Hagel, Sturm, Blitzschlag, nasskaltes Wetter), Abstürze in Kamine, Jauchegruben und oben offene Wassertürme (Frankreich) oder tödliche Stromschläge an Freileitungen schnell sein Leben beendet. In Teilen Afrikas werden die Vögel sogar bejagt. Beim Flug zurück aus Afrika sterben nicht wenige Störche auch auf den Müllkippen in Spanien. Dort suchen sie oft und gerne nach Nahrung und verenden dann durch die Aufnahme von nicht verdaulichen Gegenständen oder verwickeln sich in Schnüre und Folien.