Einen Biber hatte der Coburger Tierarzt Joachim Lessing in seiner Auffangstation im Untersiemauer Ortsteil Scherneck noch nicht zu Gast gehabt. Vor einigen Wochen war dieser Nager beim Spaziergang von einem Hund aufgestöbert worden. Derzeit wird das Tier bei Joachim Lessing aufgepäppelt, bis es wieder in seine Freizeit entlassen werden kann.

Das Pärchen, so Joachim Lessing, hatte den abgemagerten und schwachen Biber kurzerhand in den Kofferraum gepackt und dann nach Empfehlung einer Greifvogelstation im Lichtenfelser Raum in die Praxis des Tierarztes gebracht. Dort wurde der Nager untersucht. Er hatte Bissverletzungen. Lessing behandete sie und gab seinem Patienten Medikamente, die die Heilung beschleunigen sollen. "Der Biber ist anfangs ständig im Kreis gelaufen", erinnert sich Lessing.


In etwa drei Wochen ist das Tier wohl wieder fit

Drei Wochen lang wird der Biber bei den Lessings in Scherneck zu Gast sein, bis er wieder ausgewildert werden wird. Nach Rücksprache mit der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt ist im Bereich Trieb ein Bibermännchen daheim. "Deshalb soll hier eine Zusammenführung versucht werden", erklärt Joachim Lessing.
In der hiesigen Gegend gibt es relativ viele Biber. Deshalb sei zu vermuten, dass der verletzte Biber auf seiner Suche nach einem neuen Revier von einem ortsansässigen Biberpaar vertrieben worden war, mutmaßt der Tierarzt. Allein im Raum Scherneck wisse er von drei Biberpaaren.

Manche Grundstücksbesitzer und Landwirte ärgern sich über den Biber

Ärger bei Grundstücksbesitzern kommt immer dann auf, wenn Biber Wehre zubauen und landwirtschaftliche Flächen unter Wasser setzen. "Einen Damm baut ein Biber aber nur dann, wenn das Gewässer, in dem er leben will, zu flach ist. Nur dann staut er das Gelände auf, um schwimmen zu können", erklärt Joachim Lessing.
Biber seien zudem reine Vegetarier und ernährten sich von Baumrinden und Löwenzahn. Wenn ein Biber Mais oder Rüben gerne auf seinem Speiseplan stehen hat, gefalle dies den Landwirten natürlich nicht, sagt Lessing.

Bei ihm im "Tier-Asyl" werde der Nager jedoch mit Äpfeln, Salat, Gurken oder Gras zusätzlich verwöhnt.
Nagespuren an Bäumen oder auch gefällte Bäumen seien Hinweise dafür, dass sich in der Gegend ein Biber aufhält. Im Wasser selbst würden die Tiere mit dem braunen Fell und dem flachen Schwanzende kaum auffallen. Wie bei einem Krokodil würden nur die Nüstern aus dem Wasser ragen.

Starthilfe für verletzte Wildtiere

Biber seien Wildtiere und gehörten einfach in die Natur, betont Lessing. Der Veterinär gibt verletzten Wildtieren eine Starthilfe und entlässt sie rechtzeitig wieder in die Freiheit. In der Natur müssten sie sich dann jedoch selbst zurechtfinden. "Dann müssen sie oft auch ums Überleben kämpfen. Nach einer solchen Pflege und solchem Aufpäppeln fällt der Abschied dann doch meist nicht so leicht, aber es muss halt sein", sagt der Tierarzt.