Der alte Holzboden im Saal des Gasthauses Hofmann in Mittelwasungen bebt. Kein Wunder, wenn rund 30 "Devils" den "Chattaahoochee" tanzen. Rechte Fußspitze nach rechts drehen und wieder zurück. Das Ganze nochmal, danach mit links und dann: "Stomp, slap boots, stomp", heißt so viel wie rechten Fuß aufstampfen und danach den linken.

Nein, hier wird keine satanische Messe gefeiert, sondern die Line-Dance-Gruppe "Devils in Line" hat zum Training geladen. Line-Dance stammt aus den USA und ist ein choreografierter Gruppentanz, bei dem die Tänzerinnen und Tänzer, meist alleine, in Linien tanzen. "Als vor rund einem Jahr ein Artikel über uns im Tageblatt stand, war der Andrang riesig und fast alle sind bei uns geblieben", sagt Rita Geiger, Gründungsmitglied und "dance instructor" der Devils.

Gestartet sind sie mit sechs oder sieben Leuten, heute kommen zum Training regelmäßig zwischen 20 und 35 begeisterte Line-Dancer.
"Mehr geht auch nicht, sonst ist kein Platz mehr zum Tanzen", sagt Frank Geiger. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Rita ist er Devil der ersten Stunde. Er steht zu seinem ungewöhnlichen Hobby, auch wenn er am Anfang von seinen Arbeitskollegen dafür belächelt wurde. "In Neustadt auf dem Country-Fest haben meine Kollegen gesehen, was wir machen, und seit dem lacht keiner mehr", sagt Frank Geiger.
Der vorläufige Höhepunkt der teuflischen Geschichte ist der 23. Februar. Dann veranstalten die Devils ihre erste große Line-Dance-Party. "Leider können wir keine Anmeldungen mehr annehmen. Mit 185 Leuten sind wir voll und brauchen auch noch Platz zum Tanzen", sagt Geiger.

Der Organisationsaufwand für die Veranstaltung ist immens. Neben der Set-Liste mit den Liedern müssen der Saal-Tanzplan und vieles mehr organisiert werden.
In der Zwischenzeit hat sich der Raum im Gasthaus Hofmann gefüllt. Viele tragen ein schwarzes T-Shirt mit ihrem Vornamen auf der Brust. Auf dem Rücken prangen Name und Logo der Devils. Die T-Shirts dienen vor allem auf den Line-Dance-Treffen, zu denen die Devils mehrmals im Monat fahren, als Erkennungszeichen. "Dann weiß jeder, wer zu uns gehört", sagt Frank Geiger.
Vereinzelt sind im Saal auch Cowboy- Hüte und Stiefel zu sehen - Pflicht sind diese Wild-West-Utensilien aber nicht. Dennoch: "Für die meisten gehören Hut , Stiefel und das richtige Outfit einfach dazu", sagt Frank Geiger.

Mehr als nur ein Hobby
Das Line-Dance für die Geigers mehr als nur ein Hobby ist, ist nicht nur den Nachbarn bekannt, wenn das Ehepaar im Sommer auf ihrer Terrasse den einen oder anderen "Count", so heißen die Schritte beim Line-Dance, machen. Ihre Küche haben die Geigers schon früh umgebaut, um Platz zum Tanzen zu haben. Da ist es auch kein Wunder, dass sie auf ihrer Silberhochzeit einen Line-Dance zum Hochzeitswalzer hinlegten.

"Das ist nichts besonderes. Line-Dance-Choreografien gibt es für fast jede Musikrichtung", erklärt Rita Geiger. Ein Blick auf eine der zahlreichen Szene-Seiten im Internet und in die Line-Dance-Charts verrät, dass nicht nur Country- und Popmusik mit Choreografien versehen werden, sondern Lieder aus verschiedenen Genres. "Die Line-Dance-Charts setzen sich zu 50 Prozent aus Country und 50 Prozent aus Non-Country-Liedern zusammen", sagt Rita Geiger.

Das freut vor allem Frank Tragelehn. "Ich höre privat keine Countrymusik, aber es gibt auch zu ,back in time' aus dem neuen Men-in-black-Film eine Line-Dance-Choreografie."



Frank Tragelehn war es auch, der die anderen Devils für Non-Contry Stücke begeisterte. Neben ihm auf einen Stuhl sitz Petra Hillebrand. Sie freut sich über ihre neuen Stiefel: "Die hat mir jemand aus dem Urlaub mitgebracht, aber die zieh' ich nicht nur zum Tanzen an." An einem anderen Tisch sitzt das Küken der Devils. Marie Faber ist zehn Jahre alt. Sie hat ein Bekannter zu den tanzenden Teufeln gebracht. "Es macht viel Spaß und ich höre auch privat Countrymusik", sagt Marie. Seit April vergangenen Jahres ist auch Andrea Unterrath dabei. "Ich tanze für mein Leben gerne, aber mein Mann will nicht so richtig. Da habe ich was gesucht, wo man alleine hingehen kann", sagt die Ebersdorferin. Damit ist sie nicht allein, die Mehrzahl der Devils ist weiblich.
"Drei Schritte nach vorn, mit rechts starten", ruft Rita Geiger. Das Training der Devils ist in vollem Gang. Und der Tanzboden im Gasthaus Hofmann bebt weiter.