Es hat damit zu tun, dass die Stadt laut Pflegebedarfsplanung nur einen Mindestbedarf von zehn Tagespflegeplätzen bezuschussen darf. Alles andere wäre eine freiwillige Leistung und in Zeiten klammer Kassen nicht genehmigungsfähig. Dass der Bedarf nach neuen Erhebungen größer ist und sicher wachsen wird, spielt dabei keine Rolle. "Wir müssen die Bedarfsplanung fortschreiben, die alten Zahlen haben sich überholt", sagte Zweiter Bürgermeister Norbert Tessmer (SPD) in der Sitzung des Sozialsenats. Dort haben Norbert Hartz vom Caritasverband sowie Gisela Raab von der Raab Baugesellschaft und Joachim Lieb vom ASB-Regionalverband Coburg Pläne für die Schaffung von weiteren Tagespflegeplätzen vorgestellt. Und auch die Schwesternschaft möchte fünf neue Plätze einrichten.

Was ist der Hintergrund? In vielen Familien wird das schon bald zum Alltag gehören: Angehörige werden im Alter pflegebedürftig.
Meist sind es dann die Frauen, die dafür Einschränkungen im Beruf hinnehmen. Denn die Mutter oder der Vater sollen nicht ins Heim. Vor allem auch deshalb, weil viele Menschen trotz Krankheit, Behinderung und Pflegebedürftigkeit in ihrer gewohnten Umgebung bleiben wollen. Und das tut ihnen nachweislich ja auch gut. Andererseits wollen Frauen immer öfter lieber berufstätig sein und einen Beitrag zum Familieneinkommen leisten. Die Lösung: Tagespflege. Die Angehörigen werden am Morgen in die Pflegeeinrichtungen gebracht und abends wieder abgeholt. Die Leistungsverbesserung in der Pflegeversicherung erleichtert das Ganze.

Neue Pflegeplätze bis 2014

Die Wohlfahrtsverbände reagieren nun. Der Caritasverband beabsichtigt, im ehemaligen Kloster St. Marien in der Spittelleite eine Tagespflege mit 15 bis 18 Plätzen einzurichten. "Günstig ist dort, dass sich in der Nachbarschaft das Gemeindezentrum mit Kirche, Kindergarten und -krippe, ein Jugendzentrum und Schrebergärten befinden", erläuterte Norbert Hartz. Das biete Kontaktmöglichkeiten. Mit Nebenräumen, Terrasse und Garten soll eine Fläche von rund 387 Quadratmetern bebaut werden. Die Fertigstellung ist für Ende 2014 geplant.

Etwas eher, im Januar 2014, sollen die Räume für die Tagespflege im ASB-Wohnpark am Hahnfluss fertig sein. Und zwar dort, wo früher einmal eine Arztpraxis und eine Apotheke vorgesehen waren. "Wir haben aber festgestellt, dass Angebote für die Tagespflege wichtiger sind", sagte Gisela Raab von der Raab Baugesellschaft, dem Bauträger für das Objekt. Vorgesehen sind 15 Pflegeplätze, das Konzept hat Kerstin Hahn, eine Studentin der Hochschule Coburg, mit ihrer Abschlussarbeit erstellt. Und weil sich der Arbeiter-Samariter-Bund, der das Service-Wohnen im Gebäudekomplex am Hahnfluss betreut, finanziell nicht imstande sieht, auch noch die Tagespflege zu übernehmen, wird das voraussichtlich ein Betreiber aus Bamberg tun.

Joachim Lieb, Vorsitzender des ASB Coburg, ist darüber nicht glücklich. "Ich war als einziger dagegen, wurde aber überstimmt. Ihm sei es unverständlich, dass der Landkreis, der nachweislich weniger Geld zur Verfügung hat als die Stadt, vergleichsweise mehr Tagespflegeplätze bezuschussen darf. Dem "reichen" Coburg aber versage das die Regierung von Oberfranken .

Unternehmen könnten helfen

Die Bedenken von Carl-Ludwig Fahrenholz (CSU), dass der Bedarf an Tagespflegeplätzen möglicherweise gar nicht so hoch sei und womöglich finanzielle Verluste drohen, wenn die Plätze nicht ausgenutzt werden, räumte Joachim Lieb aus. "Wir stehen in Verbindung mit der Coburger Industrie. Von einem Unternehmen haben wir schon die Zusage, dass es mögliche Ausfälle ausgleichen wird."

Norbert Tessmer ergänzte, dass dieses Thema tatsächlich in den Unternehmen angekommen sei und das Problem Kindergartenplätze ablöse. Denn: Fällt eine Arbeitskraft aus, weil sie zu Hause für ein krank gewordenes pflegendes Familienmitglied einspringen muss, dann schade das am Ende auch dem Arbeitgeber.