Als wissenschaftlich belegt und nichts Neues - so bezeichnet Horst Schunk, langjähriger Vorsitzender des Vereins "Baumschutz Coburg", das Problem salzgeschädigter Bäume. Die Blätter vieler Bäume in der Stadt sind durch den Streusalzeinsatz im Winter geschädigt, und das in mehrfacher Hinsicht: Zum einen beim direkten Kontakt der Pflanzenoberfläche mit den in Spritzwasser enthaltenen Chloriden, zum anderen sterben die Zellen ab, da sie nicht mehr genügend Wasser und Nährstoffe aufnehmen können.
Auch die Stabilität des Bodens kann beeinträchtigt werden. Auswirkungen sind zu wenig Bodenluft, ein verarmendes Nährstoffangebot und Bodenverschlämmung. Das mit dem Schmelzwasser versickerte Streusalz kann sich in Straßenrandböden über viele Jahre anreichern. Daher sind die Schäden erst zeitverzögert zu sehen.
Blätter geschädigter Bäume haben braune abgestorbene Blattränder, sogenannte Nekrosen.
"Leicht geschädigte Bäume können sich noch erholen. Durch sehr feuchte Sommer kann viel ausgespült werden", sagt Schunk. Bäume, die stark geschädigt sind, müssten herausgerissen werden. Aber da der Boden auch beschädigt sei, könne man nicht einfach einen neuen Baum einpflanzen. "Der Boden muss dann auch ausgetauscht werden, und das kostet viel Geld", sagt Schunk.


Langjähriges Streusalzverbot

Seit vielen Jahren ist das Streuen von Salz bei normalen Winterverhältnissen auf ebenen Gehwegen in Coburg verboten. Trotzdem streuten viele Privatpersonen immer noch. "Ich denke, es wäre gut, wenn man Stichproben machen würde und das somit auch kontrolliert", sagt Schunk. Das Streusalzverbot müsse konsequent durchgesetzt werden. Er möchte, dass die Menschen positiv überzeugt und aufgeklärt werden.
Gerhard Knoch vom Coburger Entsorgungs- und Baubetrieb (CEB) stimmt ihm zu, äußert jedoch Zweifel: "Ich glaube, dass es wenig Sinn macht, wenn man an die Menschen appelliert. Für viele ist es einfach viel bequemer, wenn sie einfach Salz streuen", sagt er.


Streusalzmenge zurückgegangen

Seitens des CEB erklärt er, dass die Streusalzmenge in den letzten Jahren zurückgegangen sei. Im Winter 2014/2015 seien "nur" 600 Tonnen Streusalz verwendet worden. Das Jahr zuvor seien 1000 bis 1200 Tonnen Salz gestreut worden, im Winter 2012/2013 sogar noch 1800. "Wir streuen immer nach Wetterverhältnissen. Dreimal am Tag erhalten wir einen aktuellen Wetterbericht. Wenn Schnee angekündigt ist, dann wird gestreut", sagt er. Außerdem würden noch die Örtlichkeit und der Berufsverkehr früh um 7 Uhr beachtet. Natürlich könne es dann trotz Wetterprognose sein, dass es nicht schneit.
Damit erklärt er die von Schunk angesprochene häufige Wahrnehmung trockener Straßen, die gestreut seien. Straßen und Fußgängerzonen werden vom CEB mit Salz gestreut, Gehwege jedoch mit Splitt. Dieser sei für jeden kostenlos beim Wertstoffhof erhältlich.
Bei den Bäumen könne man deutlich einen Unterschied erkennen, ob sie herum gestreut wurde oder nicht: "Bei Bäumen, die nicht in Kontakt mit Streusalz kommen, ist meistens ein Zuwachs zu erkennen. Im Gegensatz zu denen, die Schäden durch durch Streusalz haben."
"Dort, wo man es nicht dringend braucht, soll auch nicht gestreut werden. Es soll erst geräumt, dann gestreut werden." Uta Fujiyama